1. Die Suche nach dem Grabtuch
"Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit Spezereien..."
(Joh.19,40)
Ein Pilgermedaillon verbürgt, dass im Jahre 1357, nahe der Stadt Troyes in der Champagne, ein Tuch mit dem Abbild eines Menschen ausgestellt wurde. Hierfür hatte Geoffrey de Charney auf Weisung des französischen König, Jean II le Bon, in Lirey eigens eine Stiftskirche errichten lassen Die Textilie, von der behauptet wird, dass sie das Grabtuch Christi sei, zieht sofort eine große Zahl von Pilgern an, so dass von diesem Zeitpunkt an ihre weitere Geschichte bis in die Gegenwart zur Kathedrale von Turin lückenlos geklärt ist......
......soweit die historischen Fakten zum "Turiner Grabtuch", das nicht nur als Reliquie Verehrung findet, sondern auch eine eigene Wissenschaft, die Sindonologie (griech.: Sindón= Leichentuch) entstehen ließ.
In seinem Film "I cavalieri che fecero l'impresa" (2001), zu dem er auch die Romanvorlage und das Drehbuch geschrieben hat, setzt der italienische Regisseur Pupi Aviti "seine Vorgeschichte" des Grabtuches Christi in Szene.....
.....wonach - während des sechsten Kreuzzuges - Guillaume de Sonnac, der 18. Großmeister des Templerordens am 11. Februar 1250 auf seinem Sterbebett, nahe der ägyptischen Stadt al-Manura, dem englischen Ritter Ugo di Claredon ein Geheimnis anvertraut habe. Die heiligste aller christlichen Reliquien sei bereits - während des vierten Kreuzzuges - bei der Plünderung von Konstantinopel, im April 1204, in die Hände von Ketzern gelangt, die sie nunmehr in einem Labyrinth unter der böotischen Stadt Theben verstecken.....
.....mit dieser geheimen Botschaft schickt Ugo di Clarendon seinen Sohn zum französischen König IX. Auf seinem Weg erfährt Simon de Claredon (Edward Furlong), dass Ludwig, der 27 Jahre später heilig gesprochen werden sollte, bereits am 25. August 1270 - während des siebten Kreuzzuges - vor Tunis gefallen ist. Glücklicherweise trifft er mit Ranier di Panico (Marco Leonardi), Jean de Cent Acres (Stanislas Merhar) und Vanni delle Rondini (Thomas Kretschman) auf drei andere, mehr oder weniger edle Ritter, sowie den vom Teufels besessenen Schmied Giacomo di Altogiovanni (Raoul Bova). Es dauert eine geraume Filmzeit und einige blutige Scharmützel bis sie sich zusammengerauft haben. Nach einem erfolgreichen Exorzismus kann auch der Schmied, per Hand-Schulter-Schlag zum Ritter ernannt, in ihre Reihen aufgenommen werden. Gemeinsam machen sie sich nun auf, das Grabtuch zu finden und nach Frankreich zu bringen.....
Trotz der großen fiktionalen Freiheiten, derer sich Pupi Avati bedienen konnte, bietet der Film etliche, manchmal versteckte, geographische und historische Fakten. Der Leichnam Ludwigs IX. wurde wurde geteilt; während sein Bruder Karl von Anjou das Herz erhielt, wurden die Gebeine Ludwigs Sohn, Philippe III. "le Hardi", übergeben und in der Abtei von Saint Denis beigesetzt. Im Film berichtet Giovanni da Cantalupo (Carlo della Piane) dem Toten Ludwig am Schrein seiner Gebeine in Saint Denis über die Suche der fünf Ritter nach dem Grabtuch. Die fünf Protagonisten landen zunächst auf der Insel Lefkada im Ionischen Meer und geraten dann in das "Despotat Epiros", einem der griechisch beherrschten Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reiches, das während des vierten Kreuzzuges zerschlagen worden war. Danach gelangen sie nach Theben, das zum "Herzogtum Athen", einem lateinischen Nachfolgestaat von Byzanz, gehört. Was im Film jedoch nicht erwähnt wird, ist, dass zu dieser Zeit, der aus einem burgundischen Adelsgeschlecht stammende Jean I. de la Roche als Herzog amtierte.....
.....statt dessen macht der Zuschauer Bekanntschaft mit Amaury de la Roche, der im Film mehrmals im Habit eines Tempelritters und in Begleitung ebenso gekleideter Ordensbrüdern auftaucht. Der historische Amaury de la Roche hatte tatsächlich mehrere Ämter im Templerorden (Großprior des Hauses von Paris, Kommandeur des Okzidents pp.) inne. Im Film wird das Grabtuch an Geoffroy de Charnay übergeben. Der historische Geoffroy de Charnay war Präzeptor des Templerordens für die Normandie; er wurde zusammen mit Amaury de la Roche und dem letzten Großmeister, Jaques de Molay, am 18. März 1314 in Paris lebendig verbrannt. Der um 1300 geborene Geoffroy de Charnay, der die Stiftskirche in Lirey errichten ließ, war sein Neffe!
Am Rande sei bemerkt, dass Peter Berling in seinem Roman "Die Ketzerin" (2000) eine Sanci de La Roche als Geliebte von Laurence de Belgrave, René de Châtillons und des historischen Guido della Porta auftreten lässt.
Erneut bleibt es ein Rätsel, warum die Filmvertriebsfirma sich nicht an den Originaltitel des Films gehalten hat, sondern ihm den irritierenden Titel "Die Kreuzritter 4. Das Gewand Jesu" verpasste. Die Nummerierung der Teile 1 - 6 ist ohnehin nur die Aneinanderreihung verschiedener Filme, deren Handlungen in verschiedenen Jahrhunderten und an gänzlich unterschiedlichen Orten spielen. Filme, die eigentlich nichts miteinander gemein haben. "Das Gewand" wurde bereits 1953 mit Richard Burton in der Hauptrolle verfilmt; es ging um das Kleidungsstück, das Jesus am Kreuze trug. Ein Leichentuch kann man wohl kaum als Gewand bezeichnen. Kreuzritter spielen in diesem Film tatsächlich mit. "Gewöhnliche", wie die fünf Protagonisten und auch "Qualifizierte", d. h. Träger des Tatzenkreuzes, die das Werk zu einem "verkappten Templerfilm" geraten lassen. Ein Titel wie "Die Ritter, die es unternahmen" oder "Die Ritter der Suche" wäre dem Inhalt dieses Films wohl eher gerecht geworden.
Leider wurde der international besetzte Film, der erst auf den zweiten Blick seine besonderen Qualitäten erkennen lässt auf 117 Minuten gekürzt. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb manches zunächst unverständlich erscheint. Mit Vorfreude auf den für Januar 2010 avisierten 170minütigen "Directors Cut" (Euro Video) ist die gekürzte Version von "I cavalieri che fecero l'impresa" mit 4 Amazonsternen zu bewerten.
2. Kosaken und Artillerie
Im Jahre 1648 erheben sich die Zaporozer Kosaken unter der Führung ihres gewählten Hetmans Bohdan Chmelnyzkyj (1595 - 1657) gegen ihre polnisch-litauischen Oberherren. Während sich die ehemals freien Bauern und auch Teile der Stadtbevölkerung dem Aufstand gegen die Szlachta anschließen, verbündet sich Chmelnyzkyj außerdem noch mit den Khan der Krimtataren, der zwanzigtausend Reiter auf Seiten der Kosaken in den Kampf schickt.....
.....diese Ereignisse nimmt 236 Jahre später der Schriftsteller und spätere Träger des Literaturnobelpreises (1905), Henryk Sienkiewicz (1846 - 1916), als Kulisse für seinen historischen Roman "Ogniem i mieczem" (Mit Feuer und Schwert).....
.....der 1999 als erster, bzw. letzter verfilmter, Teil einer Trilogie, von Regisseur Jerzy Hofman gedreht werden sollte.
Der Film zeigt mehrere blutige Scharmützel zwischen polnischen Truppen einerseits und Kosakenverbänden und ihren tatarischen Verbündeten andererseits. Höhepunkte markieren die Schlacht von Zolte Wody (29. April 1648) und die Verteidigung von Sbarasch (10.07.- 20.08.1649). Mit Hetman Bohdan Chmelnyzkyj (Bogdan Stupka), dem polnischen Adligen und Feldherrn Jeremi Wisniowiecki (Andrzej Seweryn) und dem Tatarenkommandanten Tuhaj Bej (Daniel Olbychski) werden die wichtigsten historischen Kombattanten in Szene gesetzt. Daneben haben Marek Kondrat als König Jan II Kazimierz Waza und Adam Ferency als Khan Islam III Girej nur einen kurzen Auftritt.....
.....während Sienkiewicz fiktive Gestalten im Mittelpunkt des Geschehens stehen.Der polnische Szlachcic Jan Skrzetuski ( Michal Zevbrowski) verliebt sich in die Fürstentochter Helena Kurcewiczówna (dargestellt von Golden-Eye Bondgirl Izabella Dorota Scorupco). Der Kosak Jurko Bohun (Aleksander Domogarov), dem sie bereits versprochen war, entführt Helena. Für weitere Spannung und auch Schmunzeln sorgen vier skurrile Mitstreiter Skrzetuskis: Krzysztof Kowalewski als gerissener Trunkenbold, Wiktor Zborowski als baumlanger Longius Podbipieta, Zbigniew Zamachowski als wortkarger Michal Wolodyjowski und Wojciech Malajkat als Bauernlümmel Rzedzian.
Der deutsche Titel "Die Kreuzritter 5" ist sachlich falsch, da er jeglicher historischer Grundlage entbehrt. Der Roman wurde zu einer Zeit geschrieben, in der Polen von der Landkarte verschwunden war. In verklausulierter Form brachte er den Kampf gegen fremde Besatzer zum Ausdruck und wurde so zu einem nationalen Epos Polens. Die katholischen Polen des 17. Jahrhunderts führten jedoch keinen "Kreuzzug" mehr gegen die größtenteils orthodoxen Ukrainer, wie auch das anachronistische Cover der CD offenbar suggerieren soll. Vielmehr bekreuzigten sich die Kämpfer beider Seiten vor dem Kampf, in den sie unter einem Kreuzbanner zogen. Außerdem bezogen weder die Kosaken, noch die Polen eine eindeutige Front gegenüber den moslemischen Krimtataren, sondern verbündeten sich wechselweise mit ihnen. Zwar waren neben den gefiederten polnischen Panzerreitern auch die Zaporo¸er Sitsch beritten, die Zeit des Rittertums war jedoch schon lange vorbei. Beiderseitige Hauptwaffen im Gefecht sind Musketen und eine donnernde Artillerie.
Wie seine Romanvorlage zweigt auch der Film "Mit Feuer und Schwert" die Ereignisse aus polnischen Sicht.
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