1. Unhistorische Allegorie
Am 26.11.1095 hält Papst Urban II. auf der Synode von Clermont eine flammende Rede mit der er die Ritterschaft des Abendlandes für eine "bewaffnete Pilgerfahrt" begeistern kann. Als Zeichen ihrer "frommen Absicht" nehmen sie das Kreuz, das heißt sie lassen sich ein weißes Stoffkreuz auf ihr Wams nähen, denn für alle - auch die noch zu begehenden - Sünden wird ihnen ein päpstlicher Ablass erteilt. Ohne Kaiser Heinrich IV. und König Philipp von Frankreich, die beide dem päpstlichen Bann unterliegen, setzen sich im folgenden Jahr mit Herzog Robert (Kurzhose) von der Normandie, Gottfried von Bouillon (Herzog von Niederlothringen), Balduin von Boulogne (Graf von Verdun), Graf Robert II. von Flandern, Graf Raimund von Toulouse und Fürst Bohemund von Tarent an der Spitze vier Heeressäulen in Richtung Jerusalem in Bewegung. Nach einer entbehrungsvollen und verlustreichen Wanderschaft gelingt es den Überlebenden schließlich im dritten Jahr, nach fünf Wochen Belagerung, die heilige Stadt am 15.07.1099 in einem wahren Blutbad zu erstürmen.....
....so viel zu den historischen Fakten, deren ungeachtet AD 2001 Dominique Othenin-Girard (Regie) und Andrea Porporati (Drehbuch) ihre zweiteilige, insgesamt 3 1/2stündige TV-Produktion "Crotiati" in Szene setzten....
.....und mit einer Texteinblendung im Jahre 1079 im Dorf "Aurocastro" im "Herzogtum Tarent" beginnen lassen und fast alles falsch machen, was man falsch machen kann: Erst im Jahre 1080 eroberten die Normannen das bis dahin byzantinische Tarent und schufen dort ein Fürstentum (!). Ein gleichnamiges Herzogtum sucht man auf der Landkarte ebenso vergebens wie ein Dorf namens "Aurocastra", eine goldige Festung, die man übrigens - außer ein paar Bruchbuden - auch im Film nicht zu Gesicht bekommt. Während es einen "Roland von der Normandie" (dessen Titel aus dem italienischen "principe" als Prinz, statt als Fürst auch noch falsch wird) nicht gegeben hatte, erscheint Robert von Flandern als einzig historischer Anführer. Den (realen) 30- jährigen Grafen von Flandern, ließ man jedoch durch einen rüstigen Fünfziger, den man außerdem zum Herzog befördert hatte, verkörpern. Im heiligen Land bemühen sich die Filmmacher der Vorurteile gegen die Armenier, von denen die "Kreuzfahrer" zu einem Überfall auf eine rein jüdische Stadt (mit Stadtmauer und eigenen Wachmannschaften) verführt werden. Der Begriff Sarazenen ist kein synonym für "Araber aus dem Morgenland" wie der Erzähler zu Beginn des Films weismachen will, sondern ein Sammelbegriff unter dem Araber, Turkvölker, Kurden und alle anderen islamischen Völker zusammengefasst wurden. Der riesige, gusseiserne und fahrbaren Flammenwerfer für Griechisches Feuer, mit dem die Seldschuken Jerusalem verteidigen mag ja noch hinnehmbar sein, jedoch keine Angreifer, die ohne Waffen ihre Sturmleitern hinaufsteigen und Stadttore, die ohne den Einsatz von Rammböcken plötzlich splittern. Während es für einen Wikinger-Yarl mehr als 200 zu spät ist, kommt eine als Mann verkleidete Thoraschülerin wohl um einige Jahrhunderte zu früh. Das verrissene und zerlumpte Aussehen der Akteure ist nicht nur produktionskostengünstig, sogar gegenüber Hollywood-Hochglanz vielleicht realistischer. Bei manchen Szenen wähnt man sich in einem biblischen Szenario, bei dem gleich König Salomon aus seinem Tempel kommt oder die Römer auftreten werden. Für rote Kreuze und schwarz-weisse Banner jedoch ist es ebenfalls verfrüht, den der Templerorden sollte erst 20 Jahre später gegründet werden. Die Frage ist auch, was wohl ein Bischoff, sofern es überhaupt einen gibt, zum Bau einer "Kathedrale" mit einem, an ein maghrebinisches Minarett erinnernden "Glockenturm", auf einem Sandstrand zu sagen hätte.....
......genug der Anachronismen anderer Ungereimtheiten, denn ein Film soll vor allen Dingen unterhalten. Auch diesbezüglich bleibt viel zu wünschen übrig. So dauert es über eine Stunde, bis sich die drei Helden auf den Weg machen. Auch Uwe Ochsenknecht als zunächst gelangweilter, dann brutaler und machtgieriger normannischer Adliger Corrado, Armin-Müller Stahl als Glockengießer Alessio, Thomas Heinze als "Prinz Roland" und Franco Nero als gelehrter Ibn-Azul können das Durcheinander nicht retten.
Wenn man nichts besseres zu tun hat, kann man sich den Film ansehen, dem - als eine, zum Frieden zwischen den Religionen mahnenden Allegorie - noch 2 Amazonsterne zugestanden werden können.
2. Späte Läuterung wüster Fanatiker
Am 4. Juli 1187 erleidet das Heer der christlichen Kreuzfahrerstaaten bei den "Hörner von Hattin" ein vernichtende Niederlage. Rainald von Châtillon, der zuvor mehrfach den Waffenstillstand mit Sultan Salah-ad-Din gebrochen hatte, und alle überlebenden Ordensritter werden enthaupten, bzw. fanatischen Sufis ausgeliefert. Der König von Jerusalem, Guy de Lusignan, und der Großmeister des Templerordens, Gérard de Ridefort, bleiben jedoch unbehelligt und werden später freigelassen......
.....dieses weltgeschichtlichen Hintergrundes bedienen sich Regisseur W. D. Hogan und die anderen von Anabasis Film angeheuerten, mehr oder weniger unbekannten, Mitglieder der Filmcrew AD 2005 für ihren Film "Soldier of God".
Der Inhalt des Films 94minütigen ist schnell erzählt: Der Tempelritter Rene (Tim Abell) hat auf ungeklärte Weise die Schlacht und auch das anschließende Gemetzel überlebt, irrt durch eine Sandwüste, bis er schließlich Hasan (William Mendietta) vor dessen Verfolgern retten kann. Rene bringt Hasan in das Wüstenzelt der attraktiven, zwangsislamisierten, Witwe Soheila (Mapi Galan), die den Verletzten, der sich nunmehr als Assassinen entpuppt, gesund pflegt und den Templer in Mönchesnöte bringt. Zwischenzeitlich kommt der jüdische Händler Salomon (Braeden Marcott) vorbei und diskutiert mit den anderen kontrovers über Geschichte und Religion. Danach zieht er weiter, kommt aber mit einer Handvoll Schergen des Sultans zurück. Hassan und Rene können sich jedoch der Häscher erwehren, wobei sich der christliche Ordensritter in einen wahren Blutrausch steigert, dem schließlich auch Soheila zum Opfer fällt.....
Der u. a. mit dem "Spain Film Commisssion Prize" und anderen - wohl weniger bekannten - Auszeichnungen bedachte Film lässt die historischen Fakten, im Großen und Ganzen genau, durch Rückblenden auf Unterredungen zwischen Raymond de Tripoli, dargestellt vom Greisen Morgan Sheppard, Gerard de Ridefort (Sam Hennings), Guy de Lusignan und Reynald de Châtillion (Lerry Lederman) kurz einfließen.
Die Filmhandlung, die im Palästina des Jahres 1187 spielen soll, offenbart ine Fülle von Absurditäten, die hier nur exemplarisch aufgeführt werden sollen: Gleich zu Beginn wird eine Aufnahme der andalusischen Alhambra zur Darstellung der Stadt Akka eingebledet. Sarazenen und Tempelritter schlachten sich ausschließlich zu Fuß ab. Zwei gefesselte Templer werden nach der Schlacht an den Händen gefesselt von reitenden Sklavenhändlern hinterher gezogen. Der Protagonist Rene trägt, diametral zur Praxis seiner Ordensbrüder, sein Haupthaar lang und den Bart kurz. Auf dem Weg von Hattin (Galiläa) nach Jerusalem durchquert er eine Sandwüste mit Dünen, wie sie in der Sahara zu finden ist. Die Judäische Wüste ist tatsächlich jedoch eine Steinwüste. Während der Templer in Unkenntnis in ein Stück Seife beisst, nimmt der Hassan seine rituelle Waschung - wohlgemerkt in einer Sandwüste - mit Wasser und Seife vor. Die alleinstehende Wüstenwitwe mit ihrem Säugling ist einer magrebinischen Berberin nachempfunden, was man an ihren hennaroten Tätowierungen an den Händen und ihrem schwarzen Zelt erkennen kann. Der Sarazene Wazim spricht von Aleppo, statt die arabische Stadt Haleb zu nennen.
"Die Kreuzritter 2" lebt von den psychosozialen Wechselbeziehungen der Akteure. Massenszenen, große Kulissen, prächtige Kostüme und Waffen sind Fehlanzeige. Als eine Absage an Glaubenspervertierungen selbsternannter Fanatiker jeglicher Coulor kann er jedoch noch mit 3 Amazonsternen bewertet werden.
3. Die Heilige Krone der apostolischen Könige
Im Jahr 1000 sendet Papst Silvester II. dem zum Christentum übergetretenen ungarischen Großfürsten eine Krone, mit der er zum apostolischen König I. István gekrönt wird. Stephans einziger Sohn Imre verunglückte 1031 bei einer Bärenjagd tödlich, so dass Stefans Vetter Vászoly zum Thronfolger wurde. Da dieser jedoch dem heidnischen Animismus anhing, ließ ihm István die Augen ausstechen und Blei in die Ohren gießen. Nach Istváns Tod (1038) entbrannte ein zwölfjähriger Kampf um den ungarischen Thron, den schließlich mit I. András, ein Sohn Vászolys für sich entscheiden konnte. Als er 1057 ließ seinen Sohn Salaman zum König krönen ließ, sah sein Bruder Béla des Senioratsprinzips, mit dem er den Thron für sich selbst beanspruchte. Mit Unterstützung polnischer Truppen besiegte er das ungarische Heer, das wiederum von deutschen Kontingenten verstärkt worden war. Nach dem Tode I. András trug I.
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