Ein Reisender trifft in einem Zug einen Herrn mit Namen Posdnyschow, welcher im Lauf eines sich entwickelnden Gespräches zugibt, seine Frau ermordet zu haben. Im nun folgenden, langen Dialog (zeitweise hat die Erzählung auch monologisierenden Charakter) entwickelt Posdnyschow die Motive für seine Tat, die er im damaligen russischen Zeitgeist, der Ehe an sich und der Gesellschaft sieht.
Auch wenn viele Ansichten von Tolstoj gemessen an heutigen Verhältnissen nicht mehr zeitgemäß zu nennen sind, so zum Beispiel seine Forderung nach geschlechtlicher Askese. so wirft das Buch doch viele interessante Fragen auf und ist stilistisch durchaus fesselnd geschrieben. Vor allem die letzten Seiten, welche den Mord an der Ehefrau behandeln, gingen mir als Leser sehr nahe. Sicher hat Tolstoj noch bessere Werke verfasst, aber ihm ist mit dieser Erzählung dennoch ein grandioses Psychogramm einer zerrütteten Ehe gelungen.
Das Nachwort, welches Tolstoj wohl später erklärend für seine Zeitgenossen verfasst hat, kann man als Leser hingegen getrost ignorieren, da es nicht mehr dem Zeitgeist entspricht und teilweise sehr dogmatisch klingt.