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Denn unendlich krank sind wir alle, wie die alarmierenden Statistiken der Gesundheitsbeilagen in TV-Zeitschriften beweisen: wir leiden an Modekrankheiten wie dem "Aging Male Syndrom" oder am "Sissi-Syndrom", unsere Kinder sind Opfer des "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms" (ADHS) und so fort. Lt. Blech sind äußerst viele dieser neuen Krankheiten lediglich künstlich medikalisierte Alltagsphänomene, "Befindlichkeiten in der Grauzone zwischen krank und gesund" (S. 51) oder über willkürlich festgesetzte Normwerte erst erschaffene Krankheitsbilder (wie im Falle der Cholesterinphobie). Man ist z.B. nicht mehr einfach nur schüchtern, sondern leidet an "Sozialphobie", die man aber zum Glück jetzt endlich mit Psychopharmaka behandeln kann. Der beste Arzt ist nicht etwa jener, der kranken Menschen das gibt, was sie tatsächlich brauchen (vielleicht nur Ruhe und einen Zuhörer), sondern der, der bei jedem Menschen eine furchterregende Krankheit findet und wunderbarerweise auch stets gleich eine Therapie dazu verkaufen kann.
Es geht Blech nicht darum - wie oft in mehr oder weniger wissenschaftlichen alternativmedizinischen Abhandlungen der Fall -, die gesamte Schulmedizin in Bausch und Bogen zu verdammen. Aber er verweist auf ihre auf Selbsterhaltung und Zugewinn ausgerichteten Strukturen, denen das ursprünglich primäre Ziel Gesundheitsbewahrung und -wiederherstellung mehr und mehr zum Opfer fällt.
Das Buch enthält eine auf breiter Ebene recherchierte Vielzahl von Einzelbeispielen aus den letzten Jahrzehnten, und einiges davon wird so ziemlich jedem Lesenden (u.U. aus eigener Erfahrung) bekannt sein. Besonders in den Bereichen der psychischen und geriatrischen Erkrankungen (oder eben: Pseudoerkrankungen) ist die Industrie der Krankheitserfinder dabei offenbar äußerst rege. Wie schrieb schon Harry Rowohlt so schön: "Früher, wenn man sich Namen nicht mehr merken konnte, hieß das vergeßlich. Heute heißt das Alzheimer. Und schon wie-der muß man sich einen Namen merken."
Worauf Jörg Blech nicht eingeht (und es vielleicht in diesem Rahmen nicht kann), sind - neben der Gewinnorientiertheit - die tieferen Hintergründe für diese ungesunde Entwicklung unserer Zivilisation. In einer auf Leistung und Perfektion getrimmten Gesellschaft stellt Krankheit eine der letzten akzeptierten Möglichkeiten für Nichtperfektion dar. Und indem wir unter dem Druck des permanenten Konsumterrors zusammenbrechen und erkranken, werden wir einfach zu Konsumenten anderer Art und somit wieder zu funktionierenden Beiträgern des Systems.
Was Blech ebenfalls nicht erwähnt (weil es ein eigenes Thema wäre): zahlreiche alternativmedizinische Richtungen weisen mittlerweile durch-aus vergleichbare Strukturen auf.
"Die Krankheitserfinder" regt - obwohl manchmal eine Spur zu reißerisch geraten, um ohne Stirnrunzeln zitierfähig zu sein - zu einer kritischen Neubewertung des eigenen Verhältnisses zu Krankheit und Gesundheit an. Es beantwortet nicht die vielleicht wesentlichste Frage - warum sich so viele Menschen so bereitwillig ihre eigene Verantwortlichkeit dem eigenen Befinden gegenüber aberziehen lassen. Es zeigt allgemeine Kriterien auf, die auch dem Laien eine kritischere Bewertung so manchen aus dem Nichts auftauchenden Syndroms vielleicht etwas leichter machen, indem bestimmte Verkaufs- und Überzeugungsstrategien bloßgelegt werden. Umgekehrt ist leider die ebenfalls beigefügte Checkliste von "Fragen zur Erkennung von Nicht-Krankheiten" für den Nichtmediziner unverwertbar, da ihm die erforderlichen Grundlagen für eine Beantwortung (mangels unverfälschter Zahlen, wie Blech selbst wiederholt schreibt) fast immer fehlen dürften.
Dennoch läßt das Buch aufmerksamer werden gegenüber dem merkwürdig verbreiteten hypochondrischen Streben, bei jeder Symptombeschreibung eines neuen 'Volksleidens' mit grimmiger Befriedigung festzustellen, "He! Davon paßt etwas ja auch auf mich!" Und das ist u.U. schon eine ganz gute Impfung gegen die Infektion durch eine erfundene Krankheit.
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