"Die Kraft und die Herrlichkeit", erschienen 1940, also 14 Jahre, nachdem Greene zum Katholizismus konvertierte, ist wohl einer seiner katholischsten Romane. Er spielt zur Zeit der Christenverfolgung in Mexiko und entstand nach Greenes Mexiko-Reise 1938. In einer Zeit, in der alle Priester, die nicht zu heiraten bereit sind, hingerichtet werden, flieht ein namenloser, dem Alkohol verfallener Priester vor der Hand des Gesetzes. In keinem seiner Verstecke kann er länger bleiben, da ihm die Polizei stets dicht auf den Fersen ist und auch vor der Ermordung Unbeteiligter nicht zurückschreckt. Je weniger Respekt ihm von der Bevölkerung entgegengebracht wird, desto mehr zweifelt der Priester an sich selbst. Gleichsam wird ihm, je länger die Verfolgung andauert, seine Berufung und seine Aufgabe immer deutlicher bewusst, der er sich, zunächst widerwillig, dann aber mit geradezu stoischer Gelassenheit auch stellt und schließlich den Tod in kauf nimmt. "Die Kraft und die Herrlichkeit" ist wunderschön geschrieben, mit einfachsten Bildern wird die Kraft Gottes und seine Liebe trotz allen menschlichen Versagens verdeutlicht. Graham Greene überzeugt gerade dann, wenn er auch die offensichtlichen Sünder, wie z.B. für die Judas-ähnliche Gestalt des Mesitzen, als nicht zu verurteilende Menschen beschreibt, denen ihre Sünden vergeben werden und die mit einer liebenden Stimme beschrieben werden können. Interessant ist, dass es ohne "Die Kraft und die Herrlichkeit" "Das Ende einer Affäre" wohl nie gegeben hätte: Eine junge, verheiratete Frau konvertierte nach der Lektüre von "Die Kraft und die Herrlichkeit" zum Katholizismus und wählte Graham Greene als Taufpaten. Die beiden hatten eine Affäre, und später stand diese Frau Pate für Sarah, die Protagonistin in "Das Ende einer Affäre". Im Vorwort zu "Das Herz aller Dinge" heißt es, Graham Greenes Fähigkeiten, die Tiefen der menschlichen Seele auszuleuchten, seien bis heute unerreicht. Dies gilt auch für "Die Kraft und die Herrlichkeit", und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.