Die von Bert Hellinger begründete psychotherapeutische Methode der Familienaufstellungen ist in den letzten Jahren oft kritisiert worden. Besonders an der Person und an dem Auftreten Bert Hellingers wurde diese Kritik festgemacht, seiner Apodiktik, mit der er seine Regeln und Thesen setzt und der Tatsache, dass seine Interventionen während seiner oft in großem Stil inszenierten Aufstellungen von ihm nicht begründet werden und oft undurchsichtig seien.
Doch all diese Kritik hat nicht gegriffen. Es gibt mittlerweile eine große Zahl wirklich gut ausgebildeter und erfahrener Familienaufsteller, und sie haben schon vielen Menschen sehr geholfen, ihre Familiengeschichte zu verstehen und ihrem eigenen Leben eine andere, neue Wendung zu geben.
Selbst in großen renommierten psychosomatischen Kliniken, wie zum Beispiel in der Klinik Herrenalb sind Familienaufstellungen für alle Patienten Teil des Programms. Ich habe schon immer vermutet, dass ein Teil der Kritik an Hellinger und seiner Methode darin begründet liegt, dass er einen spirituellen Ansatz wählt, dass er von Vergebung und Ausgleich spricht, und dass er es für unabänderlich hält, mit den Ahnen Frieden zu schließen. Das ist der instrumentellen Vernunft nicht zugänglich und deshalb wehrt sie es ab und polemisiert dagegen, indem sie das ganze Verfahren letztlich als Hokuspokus auf hohem Niveau diffamiert.
Doch durch die Verbreitung der Familienaufstellungen hat sich die Szene auch "demokratisiert". Viele Therapeuten nutzen die Methode, schreiben sie fort und setzen sie in kleineren Gruppen bis hinein in ländliche Gegenden ein.
Peter Orban ist einer von diesen Schülern Hellingers, der mit seinen Büchern wesentliche Beiträge zur Fortentwicklung der Methode geleistet hat. Seit vielen Jahren ist er als Therapeut und Astrologe in eigener Praxis in Frankfurt tätig. Das hier vorliegende Buch, das nunmehr in fünfter Auflage erscheint ist eine Art Fortsetzung seines schon 1983 erschienenen Buches "Die Reise des Helden".
"Die Kraft, die aus der Herkunft fließt" ist entstanden aus der Erfahrung unzähliger Therapien und Familienaufstellungen. Das Buch unterteilt sich in einen eher theoretischen Teil, in dem Orban seine These von der Seele als Energiesystem erläutert, die ihre Kraft aus der Energie der Vorfahren und Verwandten speist, und in einen eher praktischen Teil, in dem er Seelenreisen zu den unterschiedlichsten ausgegrenzten Vorfahren unternimmt. Hier wird ein Buch vorgelegt, das sowohl in seinem theoretischen Teil als auch in seinen praktischen Übungen einzelnen Personen auch ohne die Teilnahme an einer Familienausstellung die Möglichkeit gibt, mit den Verwandten und den ausgegrenzten Vorfahren Kontakt aufzunehmen und ihre Energie anzuzapfen und für das Gelingen des eigenen Lebens nutzbar zu machen.
Er bedient sich dabei immer wieder den Erkenntnissen der Familienaufstellungsarbeit, die er zuletzt in einem eigenen "Kursbuch Aufstellungsarbeit" (ebenfalls bei Kösel) dargelegt hat.
Für die Seelenreisen kann man sich die bei Kösel erschienenen CDs besorgen. Im entspannten Hören dieser CDs ist die Reise zu der eigenen Herkunft besser zu machen als im bloßen Lesen, das doch zu sehr von Ablenkungen des Geistes und der Gedanken bedroht ist.
Für alle, die den Schatz der eigenen Herkunft heben wollen, gerade auch wenn sie denken, da wäre nur eine Menge Schmutz und wenig Erbauliches zu Tage zu fördern, ist dieses Buch ein geeigneter theoretischer und praktischer Einstieg. Ob es eine Therapie ersetzen kann, mag man allerdings mit Fug und Recht bezweifeln.