Der ehemalige deutsche Diplomat Volker Seitz hat unlängst in einem Buch mit dem Titel "Afrika wird arm regiert" (DTV 2009) die von Journalisten schon seit längerem scharf kritisierte herrschenden Praxis und Ideologie der Entwicklungspolitik aufgegriffen und in dieser Debatte neue Maßstäbe gesetzt, an denen niemand vor bei kann, der an ihr kompetent und weiterführend teilnehmen möchte.
Eine schonungslose Analyse und eine hoffnungsvolle Perspektive gleichermaßen hatte Volker Seitz beschrieben. Afrika sei nicht nur reich an Rohstoffen, sondern sein eigentlicher Reichtum sind die Menschen und die reichen Kulturen, aus denen sie stammen. Wichtig sei, auf sie mehr zu hören, auf die kleinen Bauern, denen man mit Kleinkrediten helfen kann, auf die Frauen, die unterstützt werden müssten. Wichtig sei mindestens genauso, die Herrschaft der Machteliten zu brechen, und die Korruption zu bekämpfen, die sich wie ein Schatten über die afrikanischen Länder gelegt habe und sie zu erwürgen drohe.
Sechs Wahrheiten formuliert er am Ende seines Buches, "sechs Wahrheiten zur Entwicklungspolitik:
1. Malaisen in Afrika dürfen nicht schön geredet werden
2. Erfolg muss überprüft werden.
3. Auch die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen sollte regelmäßig überprüft werden.
4. Wir sollten so wenig Geld wie irgend möglich und nur so viel wie dringend nötig fließen lassen
5. Eine schlechte Regierungsführung muss Folgen haben
6. Die Schlüsselrolle im Kampf gegen die Armut müssen die afrikanischen Regierungen selbst übernehmen"
Rupert Neudeck hatte in seinem Vorwort gesagt, Volker Seitz gebe "dem Gebäude der Entwicklungshilfe den letzten Stoß." Nun legt er selbst in einem bei C.H. Beck erschienenen Buch eine sich auch auf Volker Seitz beziehende Analyse des afrikanischen Kontinents vor unter dem Titel "Die Kraft Afrikas. Warum der Kontinent noch nicht verloren ist". Ähnlich wie im Buch von Volker Seitz nimmt er kein Blatt vor den Mund, aber er spart auch nicht mit Hoffnung, begründeter Hoffnung, wie viele seine Berichte und auch die Zahlen in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen zeigen.
Die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist für Rupert Neudeck der Anlass, von den Hilfsorganisationen, deren Politik und Praxis er schonungslos kritisiert, zu verlangen, ihre Selbstbezogenheit abzulegen und von der Öffentlichkeit, endlich den kolonialen Blick abzulegen und Afrika mit anderen Augen zu sehen, mit mehr Vertrauen in seine unbändige Kraft und seine Ressourcen.