Nach "Die Gabe" und "Das Rätsel" widmet sich Alison Croggon in "Die Krähe" einer ganz anderen Figur. Hauptfigur dieses Buches ist Hem, der Bruder von Maerad, und mit ihm begibt man sich auf eine weitere Etappe in der "Pellinor-Saga". Mit "Die Krähe" erzählt nun Alison Croggon die Bücher IV und VI des Naraudh Lar-Chanë auf ihre Weise nach, um diese in Marokko gefunden Schriftstücke der Welt näher zu bringen.
Durch das gänzlich andere Wesen der neuen Hauptfigur wirkt auch dieses Buch in sich etwas anders. Aber dennoch ist der Stil gleich, man sitzt der Figur Hem ständig im Genick und der Schreibstil von Alison Croggon lässt einen mit ihm fühlen. Allein dass nun Hem im Focus der Erzählung steht, war eine große Überraschung, und so lässt es den Leser vermuten, dass hinter ihm mehr steckt, als die Autorin bis jetzt hat durchblicken lassen. Und natürlich bewahrheitet sich dies auch und macht sich in vielerlei überraschenden Wendungen bemerkbar. Sehr schön ist ebenfalls, dass die Parallelität zwischen "Die Krähe" und "Das Rätsel" immer wieder durch kleine Nachrichten, die von Maerad im letzten Band verfasst wurden und die Hem in diesem dann erhält, hergestellt wird. Dadurch ergibt sich eine unsichtbare Verbindung zwischen den zwei Büchern. Um bei den vielen Reisen, die nun auch Hem quer durchs Land führen, die Übersicht nicht zu verlieren, ist auch hier wieder die Karte von Edil-Amaranon mit dabei und gleich in zweifacher Ausführung, eine hilfreiche auf zwei Buchseiten, die andere leider etwas unpraktisch auf den Innenseiten der Buchdeckel angebracht, dies hätte man sich sparen können. Und natürlich fehlt auch der Anhang nicht, der neue Erläuterungen zu dem in diesem Buch behandelten Themen gibt, und auch die Anmerkungen mit vielen Buchtiteln zum Nachschlagen sind wieder mit dabei.
Damit schafft Alison Croggon ein sehr fesselndes Buch, was mit überraschenden Momenten nur so um sich wirft, allein die neue Hauptfigur war eine überraschende Wendung. Trotzdem bleibt sie sich treu, auch wenn hier eine neue sichtweise auf Edil-Amaranon mit hineinspielt. Es bleibt auf jeden Fall spannend bis zum Schluss und ist sehr einbeziehend, der Leser durchlebt alles hautnah mit Hem, seine Freude genauso wie sein Leid. Und natürlich stehen nun zwei Handlungsstränge unvollendet zur Verfügung, um im letzten Teil verwendet zu werden.
Deshalb dürfte es auch sehr interessant werden, wenn im nächsten Jahr "Das Baumlied", der Abschluss dieser Saga, herauskommt, schon allein deswegen, weil nun ja zwei Hauptfiguren das Buch führen und auch zusammengeführt werden müssen.