Das politische Buch: Über Lösungen nachdenken
Im Herbst kommt ein vergessenes Stück Europa wieder auf die Tagesordnung: das Kosovo. Noch im Oktober sollen nach dem Fahrplan des Weltsicherheitsrates Albaner und Serben über den künftigen Status der Provinz verhandeln.
Pünktlich dazu haben zwei Wiener Politologen ein Buch geschrieben, in dem alles steht, was ein Kosovo-Interessent wissen muss: Alle Zahlen, alle wichtigen Namen finden sich, die wenigen Sozialstudien und die wichtigsten Analysen werden gewürdigt, alle wichtigen Ereignisse seit der Besetzung des Gebiets durch eine natogeführte Friedenstruppe 1999 sind verzeichnet.
Als Bettlektüre eignet sich eine solche Materialsammlung schlecht. Für Interessierte ist das Buch trotzdem gut lesbar, vor allem wegen einer manchmal journalistisch anmutenden Liebe zum konkreten Detail. Helmut Kramer und Vedran Dzihic haben sich nicht der Versuchung hingegeben, das Problem aus dem Blickwinkel einer Ideallösung zu betrachten. Alles erscheint hier so verstreut, manchmal widersprüchlich, wie es auch jedem internationalen Verwalter vorkommt, der in diesem schwer durchschaubaren Landstrich Entscheidungen treffen soll.
Auf der anderen Seite aber hält sich das Buch auch erfrischend frei von der schönfärberischen Routine, die die Berichte der hilflosen Bürokraten durchzieht. Dass etwa die Wirtschaftslage des Kosovo eine säkulare Katastrophe ist und niemand nur im Ansatz eine Lösung weiß, sprechen die Autoren unverblümt aus. Wer frei von Scheuklappen und ohne diplomatische rosa Brille mit nachdenken will über Lösungen für die Herausforderung Kosovo, ist mit dem Werk bestens bedient