Hella will zum Mond. Diese Reise, so unwirklich sie anmutet, ist eine Flucht, kein Abenteuer. Ihr Sohn Tobi hätte eigentlich fliegen sollen, hätte fliegen müssen. Er, der, fasziniert von den Sternen und dem Mond, begeistert ihre Laufbahnen verfolgt, alles Wissen über die Himmelskörper ansammelt, das er finden kann und der sich bei einem Preisausschreiben um einen Flug zum Mond bewirbt. Und der, noch bevor er mit den Bewerbungsunterlagen beginnt, an seiner Flagge bastelt, die er in den Mondstaub stoßen will: zwei Abdrücke zweier Hände auf seinem Lieblings-T-shirt, die das menschliche Leben im Paar repräsentieren. Tobi ist sich sicher, dass er gewinnen wird, doch am Ende fliegt Hella. Die Fahrkarte bekommt sie, weil sie seinen Totenschein einschickt.
Hella in ihrer Trauer will eigentlich nicht hin zum Mond, sondern einfach nur weg. Doch das Leben auf dem Weltraumbahnhof hat seine eigene Magie und Anziehungskraft, und die Erde entfaltet noch einmal ihre ganze Schwerkraft. Denn dort gibt es Adam, der im Kosmodrom als Ingenieur arbeitet...
Jo Lendles Kosmonautin" erzählt von der Flucht vor sich selbst und dem eigenen Wiederfinden, von Sehnsucht und Geborgenheit, und der Liebe, die irdische Schwerkraft zu entfalten vermag. In Hella kann man sich wieder entdecken, sie fliegt zwar allein ins All und doch repräsentiert sie, wie Tobis Flagge es sollte, uns alle. Ein Debütroman, der wunderbar schwerelos daherkommt, aber einen doch nicht so leicht wieder loslässt und lange nachhallt. Einfach großartig!