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Die Korrekturen
 
 

Die Korrekturen [Kindle Edition]

Jonathan Franzen
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (177 Kundenrezensionen)

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Die Korrekturen beginnt mit dem Einzug einer Kältefront aus der Prärie: "Es war deutlich zu spüren: Etwas Furchtbares würde geschehen. Die Sonne tief am Himmel, ein winziges Licht, ein erkaltender Stern. Windstoß auf Windstoß der Unordnung. Die Bäume rastlos, die Temperaturen fallend, die ganze nördliche Religion der Dinge: aufs Ende gerichtet."

Ebenso stürmisch wie sein Anfang wurde Jonathan Franzens Roman in den USA gefeiert. Kritiker überschlugen sich mit enthusiastischen Besprechungen; das Buch wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet und die Tatsache, dass Franzen sich weigerte, in der Talkshow von Oprah Winfrey aufzutreten, sorgte zusätzlich für Gesprächsstoff. Seit Don DeLillos Unterwelt hat es in den USA nicht mehr so eine Aufregung um einen Roman gegeben. Auch hier zu Lande hat der Roman bereits vor seiner Übersetzung ins Deutsche viel Aufmerksamkeit erweckt. "Noch nie ist das Buch eines zuvor vollkommen unbekannten amerikanischen Autors in Deutschland so begierig erwartet worden", urteilte die Süddeutsche Zeitung.

Franzen erzählt die Geschichte der Familie Lambert aus dem Mittleren Westen. Im Zentrum steht die Frage, ob es Enid Lambert gelingt, ihre drei erwachsenen Kinder für ein "letztes Weihnachten" zurück nach St. Jude zu locken. Kapitel für Kapitel lernt der Leser das Leben und vor allem die Krisen der Eltern Enid und Alfred und ihrer drei Kinder Chip, Gary und Denise kennen. Alfred, pensionierter Ingenieur, leidet an Parkinson, seine Frau Enid unter ihrem Ordnungs- und Sparwahn, aber vor allem unter ihrem Mann. Der älteste Sohn Gary, erfolgreicher Banker in Philadelphia, steckt in einer Ehekrise und leugnet mit aller Macht seine Depressionen. Chip muss wegen einer Affäre mit einer Studentin seine Stelle als Literaturdozent aufgeben. Nachdem auch sein Versuch als Drehbuchautor gescheitert ist, findet er sich in Litauen wieder, wo er in einen groß angelegten Internet-Betrug verwickelt wird. Und Denise, die jüngste Tochter, verliert ihren Job als erfolgreiche Gourmet-Köchin, weil sie sich auf eine Affäre sowohl mit ihrem Chef als auch mit dessen Frau einlässt.

Es ist offensichtlich: Jeder der Lamberts ist auf seine Weise gescheitert. Dabei ist die junge Generation von ihrem Bemühen geprägt, die Lebensmodelle ihrer Eltern zu "korrigieren". Oder wie Gary es formuliert: "Sein ganzes Leben war so angelegt, dass es das Leben seines Vaters korrigierte" -- was ihm natürlich nicht gelingt. Am Ende steht doch nur die Wiederholung: die Familie als Schicksal.

Der Roman bewegt sich mit enormer Leichtigkeit durch die vielschichtigen Beziehungs- und Gefühlsgeflechte der Lamberts. Ihre Sorgen, Hoffnungen, Ängste und Neurosen sind sehr menschlich dargestellt, komisch und tief traurig zugleich. Teilweise gelingen Franzen dramatische Vignetten mit Sitcom-artiger Absurdität. Schnelle Dialoge und Wechsel der Perspektive erzeugen eine szenische Dynamik, die den Leser im Strom der Erzählung mitreißt. Viele dieser Szenen haben hohen Wiedererkennungswert. Unweigerlich werden sich manchen Lesern Parallelen zur eigenen Familie aufdrängen.

Aber Franzen hat mehr als die Geschichte einer Familie geschrieben. Indem er das persönliche Drama mit globalen Ereignissen verknüpft, ist ihm ein großer Gesellschaftsroman gelungen, der seine Leser so schnell nicht mehr loslässt. Großartige, intelligente Erzählliteratur! --Alexandra Plath

Pressestimmen


Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 24.06.2002
Zum Weihnachtsfest möchte Mutter Enid noch einmal die ganze Familie Lambert im amerikanischen mittleren Westen zusammenbringen, die drei Kinder mit Anhang, die längst davon sind, an die Ostküste. Das Fest findet statt und es misslingt, alles nicht sehr spektakulär. Die Stärken des Romans von Jonathan Franzen aber, so Thomas Steinfeld, liegen nicht im eher simplen Plotmotiv, sondern im Detail: in der "Anmut" , mit der der Autor die verkorksten Leben seiner Figuren schildert, im "absoluten Gehör", mit dem er die Gespräche in der Familie zu Papier bringt. Dazu bringe Franzen, auf den Spuren der großen Realisten des 19. Jahrhunderts (Steinfeld nennt Stendhal als zentrale Vergleichsgröße), "ein Universum von Wissen und Kenntnissen" in seinen Roman ein. Auch formal deutet der Rezensent das Buch als triumphale Rückkehr ins 19. Jahrhundert, als ein Werk, das im Wissen um die literarische Moderne noch einmal der große amerikanische Gesellschaftsroman sein möchte. Dass Franzen dies Unterfangen gelungen ist, daran lässt Steinfeld in seiner hymnischen Kritik keinen Zweifel. Er lobt nicht nur "Witz, Ironie und stupende Beobachtungsgabe" des Autors, er feiert das Werk auch ohne jede Scheu vor großen Worten als "Denkmal des Humanen", als "einen der größten und wichtigsten Romane der jüngsten Zeit".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Die Zeit, 27.06.2002
Ist er wirklich so toll? fragt Ulrich Greiner in seiner Besprechung von Franzens fast schon legendärem Familienroman aus dem Mittleren Westen der USA und sagt's rundheraus: Gut ist er schon, aber "so toll auch wieder nicht". Wie einer "jener Hollywood-Filme, die man von Zeit zu Zeit ganz gern sieht", kommt es ihm vor, das Buch. Spannung: ja, Lebensnähe: ja, Weisheit und Witz: auch, eine insgesamt "hohe Professionalität" eben und dennoch: etwas fehlt, etwas ist zu viel. Zu viel, so Greiner, sei "die sprachliche Möblierung der Szenerie mit kostbaren Metaphern und sprechenden Bildern", ein Verdeutlichungszwang, der dem Leser nichts zu entdecken übrig lässt. Mangel dagegen herrscht laut Greiner in puncto Menschenliebe, wie wir sie von Updike kennen, und Mangel herrscht in puncto Transzendenz und Verzweiflung über menschliche Niedertracht, wie wir sie von Philip Roth kennen. Dass er damit die Messlatte ganz schön hoch hängt, weiß Greiner auch, und so lobt er Franzens Schilderung des "unerbittlichen Zugriffs von Alter und Krankheit" im Himmel-Hölle-Reich einer amerikanischen Familie denn auch als derart eindringlich, "dass es uns wirklich nahe geht", und attestiert dem Autor "überdurchschnittliches Sprachvermögen", analytischen Scharfblick und Sarkasmus - diese "eher europäische Tugend".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 28.06.2002
Dirk Knipphals ist begeistert von Jonathan Franzens Roman "Die Korrekturen". Zunächst einmal sieht Knipphals darin einen Familienroman, wobei es sich freilich um das "denkbar familienfeindlichste Buch" überhaupt handelt, wie er hinzufügt, um gleich darauf zu ergänzen, dass es in diesem Subgenre zugleich das "liebevollste" Buch ist. Franzen folge dem "hippiesk anmutenden Grundsatz, dass noch das normalste Leben interessant ist, wenn man es nur gekonnt genug ausleuchtet". Das Normale zeige Franzen dabei allerdings als permanenten Ausnahmezustand und Gefühlsnotstand. Neben den mit "großer Unerschrockenheit und noch größerem Witz" geschilderten familiären Irrungen und Wirrungen, so Knipphals, rollt Franzen auch ein Panorama der neunziger Jahre vor den Augen des Lesers aus: ein "wahres Archiv" für Mode-, Ess-, Sex- und Erziehungsstile in dieser Zeit! Im Zentrum des Romans stehen für Knipphals jedoch "unangefochten" die menschlichen Beziehungen, die Franzen - so mürbe und widersprüchlich, so gefährdet und kompliziert sie auch erscheinen mögen - wie "große Kostbarkeiten behandelt, die es bis ins Letzte zu studieren gilt".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 29.06.2002
Die Kritik ist lang, aber das Buch ist es auch und nicht wenig davon schickt Martin Krumbholz sich an nachzuerzählen. Das Personal ist überschauber, Vater Alfred - mit Alzheimer -, Mutter Enid - die die Kinder noch einmal zu Hause versammelt -, Sohn Chip - der Versager mit literarischen Ambitionen -, Tochter Denise - die Ex-Küchenchefin - und Sohn Gary - der Erfolgreiche, mit Frau und Kind: ein Familienroman. Erzählt werden "fünf Lebensgeschichten", zusammengehalten vom "Mythos" Familie, von den "Verstrickungen", aus denen deren Mitglieder nicht entkommen, zusammengefügt ist das ganze, meint der Rezensent, mit Eleganz. Kaum etwas scheint ihm überflüssig, Jonathan Franzen schreibe mit "Witz", aber ohne alle Angeberei (manchmal auch "direkt" und "bissig"), sei einem "aufgeklärten Realismus" verpflichtet, erlaube sich jedoch den einen oder anderen lässig postmodernen Schlenker. Am Individuellen sichtbar werden, so Krumbholz, Wahrheiten über Abhängigkeiten, die man nicht los wird, über Korrekturen, die nicht gelingen können. Mit einem Wort: ein überaus gelungener Roman.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2002
"Genial" nennt Rezensent Hubert Spiegel "Korrekturen"-Autor Jonathan Franzen, denn die Lektüre seines "erstaunlichen" Buches hat ihm das Gefühl gegeben, "beschenkt und bereichert" worden zu sein. Beklemmender und anrührender sei wohl nie beschrieben worden, wie ein Mensch "sein Gedächtnis, seinen Verstand, seine Umwelt und schließlich auch sich selbst verliert". Hauptfigur Alfred erinnerte den Rezensenten an die "schrecklichen alten Männer Thomas Bernhards. Gleichzeitig brauche Franzen auch Vergleiche mit DeLillo und Gaddis nicht zu scheuen, obwohl der Rezensent Franzen einen "ausgeprägten Hang zu billigen Effekten" bescheinigt. Auf fast achthundert Seiten erzähle Franzen eine Familiengeschichte, und zwar fast in der Erzähltradition des 19. Jahrhunderts: ein panoramatischer Familienroman, den Informationen des Rezensenten zufolge von einem "agil-beweglichen allwissenden Erzähler hochkomisch und brutal, sarkastisch und zart" erzählt. Die realistische Erzählweise halte immer wieder kleine Ausflüge bereit, widme sich Themen, die mit den Figuren verknüpft seien: von Gentechnik über Aktienboom, Internetrevolution oder die Tyrannei der Political Correctness.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Perlentaucher.de

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1163 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 780 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Digitalbuch (2. Mai 2011)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0058GV0AU
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (177 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: #7.465 Bezahlt in Kindle-Shop (Siehe Top 100 Bezahlt in Kindle-Shop)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
68 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch 11. Oktober 2002
Format:Gebundene Ausgabe
In den "Korrekturen" geht es um innerfamiliäre Verhältnisse, Abhängigkeiten, Mißverständnisse, um die Schwierigkeit, ja fast Unmöglichkeit, Liebe zu zeigen und auch zu akzeptieren und die Unfähigkeit aller Beteiligten, aus ihren Rollen herauszuschlüpfen, obwohl sie sich in ihren Rollen unwohl oder falsch verstanden fühlen. Dabei, und das ist das Erschreckende und gleichzeitig Faszinierende, sind die Personen so detailliert und feinfühlig psychologisch beschrieben, daß jeder Leser in jeder Figur Charaktereigenschaften oder Züge ihm bekannter Personen erkennen wird. Besonders faszinierend, wenn auch gräßlich, ist die Beschreibung des mit seiner zunehmenden Demenz und seiner Parkinson Krankheit kämpfenden Al.
Gleichzeitig ist dieser Roman hochamüsant, streckenweise spannend und immer sehr unterhaltsam. Es gibt eine Fülle kleiner, genau beobachteter Szenen, skurriler Nebenfiguren und unglaublicher Situationen. Unserem Alltag wird ein großer Spiegel vorgehalten, in dem man vieles teils mit Schaudern, teils mit Lachen wiedererkennt.
Nur ganz am Ende, als es dann an die Korrekturen geht, scheint Franzen ein wenig die Lust an seinem Buch vergangen zu sein. Da kommt nichts mehr. Das hat mich an den Nachspann von Filmen erinnert, in denen noch zu lesen ist, wie es mit den Protagonisten nun weiter gegangen ist. Das hätte man getrost weglassen können.

Und ist das nun wirklich Weltliteratur? Das wird wohl erst im Nachhinein wirklich beurteilt werden können, aber wenn es ein Merkmal von Weltliteratur ist, daß die Figuren fast sprichwörtlich werden, wie das in unserer weitläufigeren Familie schon der Fall ist, und wenn es ein Merkmal von Weltliteratur ist, daß einem auch Monate nach der Lektüre viele Szenen lebhaft im Gedächtnis sind, dann ist dieses Buch Weltliteratur.

Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, es ist ein Genuß und ein Gewinn und beschäftigt mich auch jetzt noch, nachdem ich es (leider!) schon vor längerer Zeit ausgelesen habe.

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87 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gordon_fr
Format:Taschenbuch
Ich möchte hier nicht noch einmal den Inhalt des Buchs zusammenfassen, da dies in dem Forum bereits oft und ausführlich getan wurde, sondern meine Meinung zu der Frage festhalten, ob Die Korrekturen nun ein überaus Gutes oder ein langweiliges Buch ist.

Aus meiner Sicht haben die meisten Mit-Rezendenten Recht. Ja - das Buch ist (besonders im ersten Teil) sprachlich hervorragend. Ja - es ist zu lang, da einige Situationen redundant sind und nichts Neues zum Gesamtbild beitragen. Ja - der Roman zeichnet fein ziseliert das Bild einer amerikanischen - vermeintlich - Durchschnittsfamilie und deren Scheitern im Umgang miteinander und der Gesellschaft. Und, ja - das Buch ist vom Erbauungsroman so weit entfernt wie vom echten Mainstream, dazu ist das Buch zu "langweilig".

Ich denke, dass entscheidend ist, um das Lesen des Buches als Gewinn zu betrachten, dass man, wenn man den Roman aufschlägt, Lust hat, sich völlig unabhängig von einer Handlung auf Charakterstudien einlassen zu können und zu wollen und - dies nebenbei bemerkt - bereit zu sein, hierbei die ein oder andere abartige Eigenart unserer amerikanischen Freunde zu ertragen.

Diese Charakterstudien sind aus meiner Sicht ganz hervorragend gelungen und vermitteln dem Leser einen sehr guten und intimen Eindruck in die Familie Lambert. Ich fand dies hochspannend. Im Vergleich etwa zu Mann's Buddenbrooks, der zugleich Gesellschaftsroman ist, bleibt bei den Korrekturen der Fokus aber stets und ausschließlich auf den fünf Mitgliedern der Familie Lambert. Diese Nähe kann ernüchtern, ermüden oder gar langweilen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich kann aber nicht ausschließen, dass, wenn ich es zu einem anderen Zeitpunkt gelesen hätte, mein Urteil vernichtend anders ausgefallen wäre. Insgesamt ist das Buch ein hervorragender Vertreter der leisen Töne und der grossen alltäglichen Katastrophen.

Völlig daneben ist meiner Ansicht nach nur der letzte Satz, der mich ziemlich verärgert hat. Ich hätte auch ohne diesen positiven Ausblick leben können. Aber stets ein "Happy End" gehört wohl untrennbar zum Selbstverständnis Amerikas. Echte Literatur, die Bestand haben wird - daher fünf Sterne.

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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist mittlerweile einige Wochen her, seit ich die Korrekturen von Jonathan Franzen gelesen habe. Noch immer hallt es in meinem Kopf nach, kommen mir spontan Erlebnisse der Familie in den Sinn, sehe ich einzelne Zeilen wie Wortechos vor meinem geistigen Auge aufblitzen. Lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der mich derart intensiv und ausdauernd beschäftigt hat. Dennoch oder gerade deswegen tue ich mich ungewöhnlich schwer mit meiner Kritik. Das mag auch damit zu tun haben, das bereits so viele etwas dazu geschrieben haben; zudem habe ich leichte Probleme mit dem Prädikat Meisterwerk.
Während der ersten Seiten war ich noch einigermaßen irritiert über die verwirrende Sprache und kam zu der vorschnellen Überzeugung, nicht mehr weiterlesen zu können, sollte sich der Stil auf den weiteren Seiten nicht ändern. Seiten später wußte ich, das der chaotische Stil ein passendes Äquivalent zum grandiosen Gefühlschaos der Lambertschen Familienwelt darstellte. Schon eigenwillig, einen Roman so zu beginnen, statt sich auf eine ruhige und stetige Einführung der Charaktere zu verlassen.
Der Roman findet jedoch schnell einen Weg, den Leser gefangen zu nehmen und zu begeistern. Erzählt wird die Geschichte der Familie Lambert. Da wäre zuerst Alfred, der früher bei der Eisenbahn gearbeitet hat, mittlerweile aber im Ruhestand ist. In seinem Keller hat er sich ein Labor aufgebaut und verbringt, oder vielmehr verbrachte dort, viel Zeit mit der Erforschung von Metallen. Früher der eisern herrschende Patriarch der über jeden Zweifel erhaben war aber im gleichem Maße unfähig seine Gefühle zu äußern, ist er heute das Sorgenkind der Familie. Um es mit Franzen's Worten zu sagen: Um sein neurologisches Rüstzeug ist es nicht mehr allzugut bestellt.
Enid, seine Frau, hat unter seiner stärker werdenden Parkinson Krankheit am meisten zu leiden. Gezwungenermaßen ganz Hausfrau, hadert sie oft mit dem eingeschlagenen Weg und der Zukunft. Ihr letzter großer Wunsch ist es, die Familie an Weihnachten noch einmal zu vereinen. Die Kinder Gary, Denise und Chip haben längst ihr eigenes Leben und ihre eigenen Probleme. Gary ist ein erfolgreicher Bänker, der jedoch gerade in einer Familienkrise steckt und kurz davor scheint, im Sumpf aus Depressionen und Alkohol stecken zu bleiben. Chip, schwarzes Schaf und der Lebenskünstler der Familie, verbringt gerade eine wilde und dubiose Zeit in Litauen und Denise, eine Spitzenköchin , steht nach zwei Affären mit ihrem Chef und später der Frau ihres Chefs mit leeren Händen da.
Diese kurze Inhaltsangabe klingt wie einziges, deprimierendes Katastrophenszenario. Sicher gibt es in diesem Buch Momente tiefster Melancholie und Traurigkeit, aber tatsächlich ist dieser Roman grandiose und mitreißende Unterhaltung, oftmals mit staubtrockenem Humor erzählt. Stellenweise richtig witzig, immer realistisch und voll allem, nachvollziehbar. Mehr als einmal dachte ich, was für eine genialer Beobachter Franzen sein muß. Er beschrieb Personen, die ich meinte, in meinem Umfeld wiederzuerkennen. Das seine sprachlichen Fähigkeiten, sein Witz, die wunderbaren Metaphern und Analogien ohne Frage eindrucksvoll sind, ist fast zu vernachlässigen, wenn man sich die Leichtigkeit vor Augen hält, mit der Franzen dieses komplizierte und zeitlich verschachtelte Beziehungsgeflecht in Worte gefaßt hat. Zudem scheint er profunde neurologische Recherchen betrieben zu haben. Für mich zumindest klang das meiste im Zusammenhang mit dem fiktiven Medikament Korrektal Plausibel. Leichte Schwachpunkte sah ich in Chips dubiosen Geschäften in Litauen; das ganze schien mir doch etwas zu weit hergeholt.
Im Buch geht es um Entscheidungen. Dinge die wir tun oder nicht tun, und die Konsequenzen die das hat. Einmal eingeschlagende Wege lassen sich nicht ändern, aber manchmal führen sie zurück. Dieses Buch zu lesen und den meisten Kritiken zu vertrauen, war definitiv die beste Entscheidung in Sachen Bücher, die ich dieses Jahr getroffen habe. Mit Sicherheit gehört es zu den besten Büchern, die ich bislang gelesen habe. Mit dieser Kritik gebe ich vielleicht jemanden die Chance, die Möglichkeit einer Korrektur, dieses Leseerlebnis nachzuholen.
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1.0 von 5 Sternen wer bitte findet sowas KLASSE???
Ich bin eigentlich gerade beim Bucherdurchstöbern hier auf Amazon und dabei auf "Die Korrektur" gestoßen und habe echt fassungslos gesehen, dass dieser Roman soooo hoch... Lesen Sie weiter...
Vor 2 Tagen von Kaffeeschlürfer veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen unterhaltsam, aber mehr auch nicht
Ich hatte mir persönlich mehr erhofft. Die langen Passagen der reinen Erzählung sind mir in ihrer Bedeutung unklar geblieben und haben mich eher gelangweilt...
Vor 2 Monaten von Paul Dervisevic veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Ein tolles Buch
Das Buch hat mich tief bewegt. Man kann es als herrlich unaufgeregt bezeichnen, mit leisen, ans Herz gehenden Zwischentönen. Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Bettina Kiraly veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Vom Scheitern der Familie
Mit seinem dritten Roman ist dem amerikanischen Gegenwartsautor seinerzeit der Durchbruch gelungen. Auch hier steht das scheinbar unaufhaltsame Auseinanderfallen der klassischen... Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Borux43 veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Präzise Beschreibungen - tolles Stück Literatur
Eine Familiengeschichte, die von den subtilen und psychologischen Beschreibungen Franzens lebt. Die zunehmende Demenz von Al ist erschütternd. Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Marc veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Interessante Lektüre
Das Buch hat ein sehr kleines Format. Die Seiten sind sehr dünn, wie in einem alten Gebetbuch, das ist nicht besonders praktisch! Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Petra Oksas veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Ordentlich - aber überschätzt
Ich würde niemandem sagen, er soll das Buch nicht lesen. Dazu ist es zu ordentlich geschrieben. Lesen Sie weiter...
Vor 8 Monaten von HPeters veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Pflichtlektuere!
Nachdem das Werk jahrelang im Regal schmorte, habe ich mich jetzt drangewagt und mich geaergert, dass ich es nicht schon eher gelesen habe. Lesen Sie weiter...
Vor 9 Monaten von Carla veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Das Licht hatte die Farbe von Reiseübelkeit...
Ein grandioses Werk, ein großartiger Autor, der solche Vergleiche findet. Ein Buch für Liebhaber der schönen Sprache, der Fabulierkunst. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von Nachtigall veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Kaputt in St.Jude / Hörbuch -Die Korrekturen-
Nach mehreren Anstößen meines Sohnes, mir endlich einmal einem Roman von Jonathan Franzen zu schnappenn, habe ich mir als Einstieg das Hörbuch -Die Korrekturen-... Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von Thomas Knackstedt veröffentlicht
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