Erzählt wird der Kampf einer Politikerin um die Parteinominierung zur Oberbürgermeisterin einer deutschen Stadt- erzählt von ihrem deutlich älteren Ehemann. Und dieser, Arzt und guter Mensch in schwer tolerierbarem Ausmass, stellt im Lauf seines Berichts jede Menge möglicherweise interessanter Fragen- am Schluss des Romans ist keine einzige beantwortet. Was geschah wirklich in der Jugend der Protagonistin mit ihrem Klassenkameraden? Warum ist die Schwägerin des Berichterstatters, die um die Zusammenhänge weiss, plötzlich fluchtartig bei der Familie der Politikerin aufgetaucht? Alles bleibt offen. Die Wiedergabe der politischen Abläufe tritt je länger je mehr zurück zugunsten von ausgiebig reportierten langen Nachmittagen von Grossvater und Enkeln und von pingelig aufgezählten Haushaltaktivitäten;aus der politischen Kolportage wird eine sentimentale Familiengeschichte.Der Ton des Romans entspricht in seiner Betulichkeit der Person des Erzählenden. Wer sich auf Rezensionen und Klappentext verlässt, wird enttäuscht sein.