Da der Abstand zwischen den einzelnen Publikationen von Herr Sieren vergleichsweise kurz ist (Herr Scholl-Latour lässt grüßen), konnte man schon erahnen, dass in dem neuen Buch teils wieder viel breitgetretener Quark veröffentlicht wird.
Die Namen Huawei, Haier, Lenovo, etc. und deren vermeintlichen Erfolgsgeschichten (wenn man sich wie Herr Sieren auf rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen stützt - teilweise wird der Leser damit erschlagen, was wiederum den Lesefluss etwas stört) sind mittlerweile auch einem breiteren Laienpublikum im Westen bekannt. Ob diese "Erfolge" chinesischer Unternehmen auch langfristig aufrechterhalten werden können, unterliegt der Bewertung der Zeit. Jedenfalls sind diverse Extrapolationen wie bspw. "China wird im Jahre 2020"..."alle komparativen Vorteile auf sich vereinen", "Deutschland wird zum Freizeitpark für die aufstrebende chinesische Mittelschicht degradiert", etc. wenig hilfreich, da bis dahin noch viel Wasser den Bach runterläuft. Genügend Geschichten sind mittlerweile vorhanden, bei denen chinesische Unternehmen jämmerlich gescheitert sind, vielleicht auch darüber mal berichten! Die Geschichten von OBI, Dornier, etc. sind mittlerweile jedoch sehr ausgelutscht, weshalb es einen schon verwundert, warum diese Geschichten unter Verweis auf die These der Konkubinenwirtschaft JETZT wieder aufgerollt werden.
Das Buch ist in relativ kurze Kapitel aufgeteilt, die abwechselnd von den Leidensgeschichten westlicher oder deutscher Unternehmen in China und den "Erfolgsmärschen" chinesischer Unternehmen daheim und im Ausland berichten. Aufgrund der Fülle von Daten, kann man als jemand, der sich näher mit China beschätigt, auch neue Erkenntnisse gewinnen, jedoch können diese auch sehr einfach durch andere Quellen abgedeckt werden. Für Leute, die sich wenig oder gar das erste Mal mit China beschäftigen, ist dieses Buch sicherlich kein schlechter Einstieg.
Letztendlich kann man dieses Buch leicht positiv bewerten, obwohl Herr Sieren als "China-Experte" eigentlich tiefere Einblicke haben müsste, auch mehr und NEUES Insiderwissen an den Leser zu bringen, als "lediglich" Geschäftsberichte und Zeitungsartikel neu aufzubereiten und sich mit einer These, die sicherlich nicht auf die gesamte Praxis in China übertragen werden kann, hervorzutun. Aufällig ist auch das Fehlen rein chinesischer Quellen, denn diese gelten immer noch - Zuverlässigkeit hin oder her - als Primärquelle, zumindest bereitet bspw. die "Economist Intelligence Unit" ihre tollen Länderberichte mit diesen Quellen auf und verkauft sie dann zu etwas fragwürden Preisen an ein interessiertes Managementpublikum im Westen.