Mittlerweile hat man ja so viel Fantasy gelesen, dass man all die Klischeefiguren und Stereotypen nicht mehr ausstehen, geschweige denn ernst nehmen kann. Jeder einzelne Charakter in "Die Kompanie der Oger" entspricht nun genau seinem eigenen Stereotyp und scheint dies auch zu wissen. Die Laune der Figuren ist daher so ziemlich im Keller, das Grinsen des Lesers wird dafür jedoch umso breiter, wenn Martinez seine zahlreichen schrillen Nebenfiguren vorstellt, die zugegeben doch manchmal ein bisschen von der Norm abweichen. Da gibt es die beschriebene männerfeindliche Amazone, die sich zu ihrem Erschrecken in Ned verknallt, da gibt es einen zweiköpfigen Oger, der mit sich selbst Höflichkeiten austauscht, einen Ork, der vielleicht ein Kobold ist, dies aber bestreitet, ein Zigarette rauchendes Baumwesen, einen blinden Propheten, der die Zukunft hören kann, und vor allem jede Menge Kobolde, die zermatscht, getreten, verbrannt und gefressen werden. Zimperlich geht Martinez mit seinen Figuren wahrlich nicht um, den Bodycount treibt er - vor allem auf Seiten der Kobolde - fröhlich in die Höhe, ohne sich um Fragen der Ethik zu scheren, aber davon hat in der Kompanie der Oger wahrscheinlich eh noch nie jemand was gehört. Der Humor des Buchs - und da setzt sich A. Lee Martinez deutlich von den sofort ins Gedächtnis springenden Autoren Douglas Adams und Terry Pratchett ab - ist daher kohlrabenschwarz, mitunter sogar zynisch. Aber seit jenen anderen beiden Autoren hat es noch keiner geschafft, dem Leser ein derart permanentes Grinsen auf das Gesicht zu zaubern, geschweige denn ihn mehrmals dazu zu bringen, laut aufzulachen. Wenn Herr Martinez so weitermacht, muss er sich vor den anderen Größen humoristischer Fantasy ganz und gar nicht mehr verstecken. Der Humor dieses Buchs ist einfach mal top.
Natürlich steht alles andere dieser Geschichte nur im Dienste der Lacherzeugung. Bizarre Nebenfiguren sind nur deswegen enthalten, weil sie so bizarr sind, ulkige Dialoge werden um ihrer selbst Willen vorgetragen und komische Dinge geschehen, ohne weitere Auswirkungen auf die Handlung zu haben. Diese ist fantasy-typisch anspruchsfrei, bleibt sich jedoch, wie der gesamte Roman, zu jeder Zeit selbst treu und ist ein kurzweiliger Spaß von Anfang bis Ende. Ein Buch also, bei dem der schnelle Lacher zählt und funktioniert, bei dem die gängigen Klischees des Genres gekonnt karikiert werden und bei dem auf bizarre Weise gestorben wird, dass es eine wahre Freude ist. Der einzige Grund, warum "Die Kompanie der Oger" dem letzten Buch Martinez, "Diner des Grauens", unterlegen ist, ist das Fehlen wirklich sympathischer Hauptfiguren. Aufgrund der Fülle an Charakteren bekommt kaum einer wirklich Raum, um das Herz des Lesers selbst mit seiner schlechten Laune zu erobern - und Never Dead Ned ist einfach zu sehr Loser, als dass man ihn wirklich mögen könnte. Nicht mal mehr das schafft er!