Ich kann es nicht länger leugnen. Chuck Palahniuk ist für mich der interessanteste und genialste Autor! Kein anderer Autor reißt mich mit seinen abstrusen Ideen und Geschichten derart mit wie dieser. Als Leser wird man an die Grenzen seiner eigenen Vorstellungen von Moral oder anderen Konventionen gedrängt. Nichts, was man normalerweise erwartet, wird mehr erfüllt. Palahniuks Charaktere sind gestörte Menschen. Sie sind grausam ehrliche Symbole für die tiefsten menschlichen Abgründe. Sie schrecken vor rein garnichts zurück, was ihre tiefsten Begierden aufhalten könnte. Sie verstümmeln sich selbst um ihr Prestige immer weiter in die Höhe zu treiben. Ihren persönlichen Grad an Leid und Ruhm.
Sein Roman Die Kolonie ist ein Buch voller Impressionen. Jede Seite enthält einen neuen Vorwurf, einen neuen subtilen Appell, eine erneute Abrechnung mit der urmenschlichen Verzweiflung. Gnadenlos werden dem Leser die Fehler unserer Gesellschaft an den Kopf geworfen. Was wünschen wir uns? Was können wir nicht ertragen? Wie weit gehen wir?
Kein Buch für sanfte Gemüter oder Menschen, die mit ihrer Persönlichkeit mehr als zufrieden sind. Dieses Buch lässt keine Zufriedenheiten zu. Es wühlt auf, bohrt an den verletzlichsten Stellen und wirft dich zurück auf einen Standpunkt von dem aus man sich völlig neu orientieren muss. Der Roman fegt all die Dinge über den Haufen von denen man als Leser glaubte, sie seien notwendig. Man erlebt sich selbst neu.
Ich, als begeisterter Leser seiner Bücher, muss feststellen, dass Chuck Palahniuk in mir einen Stolz erweckt. Einen Stolz darauf, alles hinterfragen zu müssen. Ich lasse mich nicht mehr ohne Weiters einfach von irgendwas mitreißen. Viel mehr will ich verstehen, welchen Sinn die Dinge machen. Dieses Hinterfragen ist erst das, was unseren Verstand berührt. Palahniuk lehrt einen, mit seinen Fehlern umzugehen. Sie lieben zu lernen. Lernen, sich als Mensch auch damit zu beschäftigen, was uns zum Tier macht. Das Tier in uns zuzulassen aber auch bremsen zu können.
Leider kann ich mich an seine letzten Romane weniger gut erinnern aber ich wage einmal, zu behaupten, dass dieser Roman sein vielschichtigster ist. Eine Schande, dass ich ihn schon zu Ende habe.
Viel Spaß!
~kale hatfield~