Na ja, ein wenig "wild" sind sie dann doch, wenn damit "außergewöhnlich" oder "experimentierfreudig" gemeint ist. Das zeichnet aber wohl Sterneköche auch aus.
Die Geheimtipps à la "vom Sugo die doppelte Menge machen und davon die Hälfte einfrieren" oder "am liebsten nehme ich für dieses Gericht [...]" sind für mich Binsenweisheiten und persönliche Vorlieben, aber keine "Geheimtipps".
Wirklich interessante Tipps aus den TV-Folgen fehlen in dem Buch, z.B. diese drei, soweit sie mir noch korrekt in Erinnerung sind:
- Gemüse vorm Garen salzen, leicht zuckern, dann 10 Minuten ziehen lassen. Dadurch wird es weich und zieht etwas Wasser. In diesem Gemüsewasser dann gar schmoren.
- einer der Köche salzt Fleisch (kurz) vor dem Braten, obwohl es in vielen Kochbüchern heißt, erst hinterher salzen, damit das Fleisch nicht auslaugt. Fazit: bei korrektem Timing O.K., meiner Meinung nach schmeckt "nachgesalzen" auch nicht so gut. Außerdem: Fleisch vor dem Anbraten leicht zuckern, das gibt einen Karamellgeschmack und hebt den Eigengeschmack (=natürlicher Geschmacksverstärker)
- die 3 "S" beim Fisch: "säubern, säuern, salzen" wären Kochkunst der 50er/60er(?) Jahre. Das Säuern mit Zitronensaft zerstöre die Zellstruktur des Fischfleisches und mache es matschig. Es habe in der modernen Küche nichts zu suchen. Das habe ich selbst auch schon festgestellt, aber ich mag das Zitronenaroma beim Fisch. Also: Zitrone, wenn gewünscht, erst später dazugeben.
Die "goldenen Regeln" entpuppen sich als 7 Küchenregeln à la "schonend garen, schonend auftauen, Fleisch vorm Anschneiden ruhen lassen, Nudelwasser gut salzen und bloß keine künstlichen Geschmacksverstärker verwenden". Nix neues also.
Mir kommt es ein wenig so vor, dass der momentane Hype, diese Kochlust- Welle, noch schnell wirtschaftlich ausgenutzt werden soll. Wenig Bilder der Gerichte war ja schon bemängelt, stattdessen ganzseitige Farbfotos der Köche. Personenkult eben. Schade eigentlich.
"Die wilden Köche. 100 Rezepte, Geheimtipps und goldene Regeln"?
Wenigstens die Anzahl der Rezepte ist nicht übertrieben. Das andere schon.
20.12.2009 - Nachtrag:
was mir damals gar nicht aufgefallen ist: das Register/Rezeptverzeichnis ist im Grunde eine Frechheit.
Alphabetisch sortiert - aber wie! Z.B.: Kalbfleisch findet man unter "I": "In Rotwein pochiertes Kalbsfilet",
Schweinefleisch unter "R": "Rosarote Schweinemedaillons", Kartoffelsalat unter "U": "Unterfränkischer Kartoffelsalat", und so weiter.
Dadurch wird die Rezeptsuche sehr erschwert.