Zuerst das Positive vorweg: Auch den "Kobolden" merkt man die Witzkosche Feder an. Der Roman hebt sich schon aufgrund seines Stils dankbar von der leider so weit verbreiteten 08/15-Fantasy ab. Witzkos Einfälle sind originell, kurios und unterhaltsam. Aus den umfangreichen 405 Seiten wird somit ein kurzweiliges Lesevergnügen, bei dem der Leser über die Erlebnisse der vier außergewöhnlichen Protagonisten regelmäßig zum schmunzeln gebracht wird. Vor allem Fans von Terry Pratchett, die einmal etwas anderes lesen wollen, sei dieser Roman wärmstens empfohlen.
Dennoch: So ganz zu überzeugen vermag Die Kobolde leider nicht. Sowohl in Witzkos DSA-Büchern als auch in "Das Traumbeben" war sein typischer Humor eher Beiwerk denn Hauptaugenmerk der Geschichte. Vielmehr lag der Schwerpunkt dort auf der Beschreibung fremder, in unseren westlichen Augen exotischer Kulturen. Witzko versuchte, dem Leser das Unbekannte, schwer Begreifbare nahezubringen, zum Beispiel indem er einen Geier mit all seinen typischen Verhaltensweisen zum Protagonisten seines Romans machte, oder der maraskanischen Philosophie Leben einhauchte. Diese Besonderheiten sucht man in diesem Buch leider vergebens. Es hat den Anschein, als ob der Autor hier ganz bewusst einen Roman geschrieben hat, der in erster Linie auf Humor setzt, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Dies mag keinesfalls schlecht sein, doch Fans von Karl-Heinz Witzko werden - nach langer Durststrecke - von diesem Buch eher enttäuscht sein.
"Die Kobolde" ist in der Riege der Fantasy-Romane eindeutig etwas besonderes. Wer nach Abwechslung von dem gebräuchlichen Fantasy-Plot-Schema sucht, dem sei angeraten, den "Kobolden" eine Chance zu geben. Vergleiche zu Pratchett braucht der Autor in punkto Humor jedenfalls nicht zu scheuen. Bedauerlicherweise ist dies auch der wohl kommerziellste Roman Karl-Heinz Witzkos geworden, der die Feinheiten früherer Werke vermissen lässt und somit wohl viele Fans von ihm enttäuschen wird. Wer aber einfach nach unterhaltsamer und humorvoller Fantasy abseits der Norm sucht, der sei hier bestens bedient.