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Die Knochenfrau: Meine Arbeit in den Massengräbern für das UN-Kriegsverbrechertribunal [Gebundene Ausgabe]

Clea Koff , Karin Schuler , Heinz Tophinke
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

2004
In den Massengräbern in Ruanda, im ehemaligen Jugoslawien, in Afghanistan und im Irak suchen sie nach Gewißheit. Versuchen, den namenlosen Kindern, Alten, Frauen und Männern, die Gott weiß wie umgebracht wurden, ihre Identität zurückzugeben. Damit für die Angehörigen das schreckliche Warten aufhört und sie ihre Toten in Würde bestatten können. Die 32jährige Clea Koff gehört zu den Gerichtsmedizinern, die im Auftrag des UN-Kriegsverbrechertribunals die sterblichen Überreste exhumieren und analysieren. Was sie bei ihrer Arbeit gesehen hat und sie bis in ihre Träume verfolgt, die unbeschreiblichen Szenen, die die junge Frau mit den Hinterbliebenen erlebte, sie kann nicht anders als zu erzählen: »Ohne unsere Erkenntnisse könnten die Gerichte nicht arbeiten, ohne Gerichte gäbe es kein Urteil, ohne Urteil keine Strafe, ohne Strafe keine Gerechtigkeit.«

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 348 Seiten
  • Verlag: Malik (2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3890292712
  • ISBN-13: 978-3890292717
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 816.790 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Clea Koff, 1972 in England geboren, verbrachte ihr Kindheit auf Reisen, weil ihre Eltern Dokumentarfilmer sind, und lebte auf drei Kontinenten – in Ostafrika, der Heimat ihrer Mutter, in Amerika und Europa. 1996, mit 24 Jahren, arbeitete die Anthropologin für die erste forensische Mission des UN-Kriegsverbrechertribunals in Ruanda, später in Bosnien, Kroatien und im Kosovo. Clea Koff lebt abwechselnd in Los Angeles und Melbourne / Australien. Weiteres zu Autorin und Buch: www.thebonewoman.com

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich saß in einem Sessel der ansonsten leeren Lobby der New York Historical Society und trank einen Schluck Wasser aus einer Flasche. Als ich die Flasche wieder absetzte, stand eine Schlange von Menschen da, die alle mit mir reden wollten. Sie waren aus dem Raum geströmt, in dem ich gerade meine Erfahrungen als forensische Anthropologin für die von den Vereinten Nationen eingesetzten Internationalen Strafgerichtshöfe für Ruanda und das frühere Jugoslawien skizziert hatte. Jetzt sollte ich zuhören.

Jeder in der Schlange hatte eine andere Geschichte. Der erste Mann erzählte mir, daß seine Großeltern im Holocaust getötet worden seien und seiner Ansicht nach auch in einem Massengrab lägen, wie viele der Leichen, die ich untersucht hatte. Ein anderer gab mir seine Visitenkarte und sagte, er kenne »interessierte« Menschen bei den Vereinten Nationen, die sich gern einmal mit mir unterhalten würden. Eine Frau erklärte, sie habe mich auf dem Bildschirm gesehen, der für alle, die im Saal keinen Platz mehr gefunden hatten, eine Etage höher aufgestellt worden war; sie wollte mir nur sagen, daß ich sie zu Tränen gerührt hätte. Eine andere wollte eine Stiftung gründen – die Clea Koff Foundation –, sie sei sich noch nicht ganz im klaren über den Tätigkeitsbereich, aber wir sollten auf jeden Fall schon einmal ein Arbeitsfrühstück verabreden. Ein Mann machte mir sogar einen Heiratsantrag und bot mir ein Haus in den Hamptons an, aber er war die Ausnahme.

Die Clea Koff Foundation kam nie zustande, und ich habe den Mann aus den Hamptons nicht geheiratet, aber die starken und so völlig unterschiedlichen Reaktionen dieser Menschen haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Viel später erst wurde mir klar, daß sie über die Orte, an denen ich gewesen bin, und über die Dinge, die ich gesehen habe, reden wollten, weil ich eine direkte Verbindung zu den Ereignissen darstellte, für die sie sich aus den unterschiedlichsten Gründen interessierten. Und darüber hinaus muß etwas an der Art, wie ich von diesen Ereignissen gesprochen habe, ihnen eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben aufgezeigt haben, über die sie mit mir sprechen wollten. Ich glaube, dieses »Etwas« muß meine mitzvah gewesen sein.
Zwei Jahre vor diesem Erlebnis hatte mir Les Light, ein alter Freund meiner Familie, gesagt: »Du weißt, daß das jetzt deine mitzvah ist.« Ich war dreiundzwanzig Jahre alt und gerade aus Ruanda zurückgekehrt, wo unser forensisches Team die Überreste von fast fünfhundert Menschen exhumiert hatte, die alle bei einem einzigen Übergriff während des Völkermords von 1994 getötet worden waren, und ich war mir gar nicht ganz sicher, was genau mitzvah hieß. Wie ich später herausfand, bedeutet das Wort ursprünglich »Gebot«, und dabei schwingt stark die Vorstellung »verdienstvolle Tat oder Pflicht« mit. Im Grunde wollte Les mir sagen, daß ich nach meinen Erfahrungen in Ruanda jetzt die Pflicht hatte, dieses Wissen mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Sein ernster Tonfall gab mir das Gefühl, einen Befehl entgegenzunehmen. Als forensische Anthropologin hatte ich gegenüber den Toten immer die Verpflichtung gespürt, sie zum Sprechen zu bringen, aber mir war nicht klar gewesen, daß sich daraus auch eine noch weitergehende Pflicht ergab.

Natürlich war ich mir über vieles nicht klar gewesen, als ich 1996 nach Ruanda ging. Damals war ich eine junge Anthropologin, die davon träumte, Beweise für Menschenrechtsverletzungen zu erarbeiten und menschliche Überreste zu identifizieren. Es war mir ernst, wenn ich den Menschen erzählte, daß ich dazu beitragen wollte, solche Menschenrechtsverletzungen zu beenden, indem ich potentiellen Mördern zeigte, daß Knochen sprechen können. Und um das zu tun, sparte ich Geld und reiste während meiner Semesterferien beim Graduiertenprogramm in forensischer Anthropologie in Arizona nach Argentinien, um dort für das Equipo Argentino de Antropologia Forense (EAAF) zu arbeiten. Mit meinem Wissen in menschlicher Osteologie wollte ich die Arbeit dieses Teams von argentinischen Gerichtsanthropologen unterstützen und dabei helfen, die Überreste von Menschen zu identifizieren, die während der Militärjunta in den siebziger und achtziger Jahren dort »verschwunden« waren.

Mein Interesse an forensischer Anthropologie war Jahre zuvor erwacht, als ich das Buch Identität unbekannt – Was Gebeine enthüllen von Christopher Joyce und Eric Stover las und darin viel über die EAAF erfuhr. Dieses Buch war der Auslöser dafür gewesen, daß ich an der Universität von der Archäologie zur Anthropologie wechselte.

Erst kürzlich, weil so viele Menschen mich gefragt haben, wie ich denn überhaupt zur forensischen Anthropologie gekommen sei, ist mir klar geworden, wie beständig dieses Interesse war. Schon als Kind habe ich die toten Vögel und Eichhörnchen gesammelt, die mein Bruder und ich in unserem Hof in Los Angeles fanden, und sie dann unter den Oleanderbüschen vergraben. So hatte ich mit sieben Jahren schon einen veritablen Friedhof geschaffen. Zwei Jahre später hielt mich auch das betäubende Geschrei der Affen in den Bäumen des Amboselli-Nationalparks in Kenia nicht davon ab, gebleichte Tierknochen vom Boden aufzusammeln. Ich säuberte sie und legte sie in einer langen Reihe vor meinem Zelt aus, doch in der Nacht wurden sie von Tieren durcheinandergebracht, und am nächsten Morgen brachte ich sie lieber den Affen zurück.

Mit dreizehn Jahren vergrub ich die toten Vögel in Plastiktüten, damit ich sie später wieder herausholen konnte. Ich meine mich zu erinnern, daß ich wissen wollte, wie lange es wohl dauern würde, bis sie nur noch Skelette waren. Die stinkenden Päckchen brachte ich dann meinem überaus leidensfähigen Biologielehrer, und wir führten Untersuchungen durch, die nicht auf dem Lehrplan standen und ganz von unserem ureigenen Interesse ausgingen. In der Highschool-Zeit sah ich einmal zufällig in einer Fernsehdokumentation von National Geographic, wie die Asche des Vesuvs vor fast zweitausend Jahren die Überreste von Menschen konserviert hatte. Ich war fasziniert, als die Frau dort im Fernsehen erklärte, eine bestimmte Ansammlung von Knochen seien die Überreste einer jungen Dienerin, die schwere Lasten tragen mußte – das belege die Entwicklung der Muskelansätze an den Armknochen. Ich war hingerissen und machte mir die ganze Sendung über Notizen, vor allem schrieb ich mir den Namen der Anthropologin auf, in der Hoffnung, sie eines Tages kennenzulernen. Später wollte ich ihre Arbeit übernehmen und selbst die sterblichen Überreste der Menschen untersuchen, die vor der Lava aufs Meer flüchten wollten und noch an den Bootshäusern am Ufer starben.

Das soll nicht heißen, daß ich morbid war. Ich hatte durchaus auch andere Interessen: Ich war immerhin stolze Besitzerin von sechsundzwanzig Barbie-Puppen und spielte jahrelang rechte Außenverteidigerin in der Fußballmannschaft unserer Schule. Ich liebte Popmusik und zog mich an wie Madonna, als sie zum ersten Mal Furore machte. Aus alledem wuchs ich heraus, was jedoch blieb, war mein Interesse für Knochen. Angeregt von der National-Geographic-Sendung begann ich Archäologie zu studieren. Der Haken dabei war nur, daß es hierbei vor allem darum ging, Menschen aus der Erde zu holen, die »ordentlich« bestattet worden waren. Mein Interesse war es jedoch nicht, zu Forschungszwecken alte Friedhöfe freizulegen, ich wollte geheime Gräber aufspüren und Überreste von Verbrechensopfern ans Tageslicht bringen und identifizieren. Aus Identität unbekannt hatte ich erfahren, daß forensische Anthropologen sogar Mörder zur Strecke bringen konnten, und so entschied ich mich schließlich für Anthropologie als Hauptfach.

In der forensischen Anthropologie geht es immer um das Vorher und das Nachher. Forensische Anthropologen nehmen das, was übrig ist, nachdem ein Mensch gestorben ist, und untersuchen den Leichnam, um daraus zu schließen, was vor dem Tod geschah – sei es lange zuvor (antemortem) wie auch direkt zuvor oder genau im Moment...


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... der Wahrheit aus dem Dunkeln führen ... 19. Oktober 2004
Von anna K.
Format:Gebundene Ausgabe
Die Wahrheit benötigt oft mutige Herzen die Sie an das Licht bringen.
Die Knochenfrau - Clea Koff hat ein mutiges Herz! Clea Koff ist eine junge Anthropologin und tätig für das UN-Kriegsverbrechertribunal. Ihr Job (doch aus Ihrer Sicht eher Ihre Berufung) ist es die sterblichen Überreste aus Massengräbern aller Welt zu exhumieren und zu analysieren. Im besten Fall durch die Hilfe der Angehörigen - kann die Identität der Opfer ermittelt werden und vielleicht dazu Beitragen das die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.
Sehr persönlich erzählt Clea in Ihrem Buch von Ihrer Arbeit, von Ihren Beweggründen, vom Erlebten ... anbei sind private Fotographien die das ganze Untermauern. Man kann sich dieser Tatsache nicht entziehen: auch in den letzten Jahren wurden unmenschliche Verbrechen von Menschen an Menschen begangen - es ist gut daran zu Erinnern. Ich konnte mich diesem Buch nicht entziehen. Aufrichtig und sehr objektiv schreibt Clea Koff von Ihrer Arbeit an den unterschiedlichsten Orten der Verbrechen. Mit diesem Buch fordert Sie einen auf hin zu sehen. Zu spüren, wie wichtig es für die Angehörigen ist vom Verbleib Ihrer Liebsten zu erfahren. Das auch Massengräber nicht schweigen müssen, sondern von Ihren Geschehnissen erzählen können - mit Hilfe von Menschen wie Clea Koff.
Es war für mich nicht einfach „hinzusehen", aber sehr wichtig. Es ist so wirklich geschrieben, weshalb das Lesen sehr intensiv ist und mir mein Herz sehr schwer wurde. Wer mehr über ein kleines Stück Wahrheit unserer Gesellschaft lesen möchte, dem lege ich dieses Buch außerordentlich nahe.
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Format:Gebundene Ausgabe|Verifizierter Kauf
Das Buch wies keine Mängel auf. Der Umschlag und die Seiten sind in Ordnung. Ware war schnell bei mir angekommen.
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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert 1. März 2004
Format:Gebundene Ausgabe
Hier ist ein Buch, das man nur empfehlen kann, denn hier erhält das Grauen aus den Nachrichten ein Gesicht. Ruanda, Ex-Jugoslawien ... Tatorte, von denen nur eine kurze Zeit in den Medien berichtet werden, doch was kommt danach??? Alle, die Wissen wollen was mit den Gefolterten und Hingerichteten passiert und wie sie gesühnt werden, müssen dieses Buch lesen.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen mitzvah 12. Januar 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Clea Koff, eine junge Wissenschaftlerin die im Auftrage der UN an Exhumierungen in Ruanda und im Ex-Jugoslawien teilnimmt, wird durch ihre dortige Arbeit ein politischer Mensch:

"Beim Sammeln all dieser unterschiedlichen Punkte für Barrys Studenten hatte ich zum ertenmal das Gefühl, wirklich meine mitzvah, meine Pflicht, zu erfüllen, wie Les Light es mir nahegelegt hatte - meine Erfahrungen mit jenen Ereignissen mitzuteilen, die die Welt schockierten..
Jemand sagte einmal, dass -die Wahrheit nicht die Toten zurückbringt, aber ihren Stimmen Gehör verschafft-"
Ein sehr gutes Buch mit furchtbaren Inhalt, dass dem Schrecken ein Gesicht gibt.
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