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Kundenrezensionen

3,4 von 5 Sternen65
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am 20. August 2007
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden literarische Andeutungen eingestreut, die Worte und Sätze sind geschliffen und von expressionistischer Kraft und Sätze wie: "Kunst und Ordnung, die verfeindeten Verwandten.", oder "Derzeit bleibt der junge Mann lieber mit sich allein, einen besseren Kameraden kennt der Wolf nicht, bevor er die Ziege trifft.", sind einfach großartig.
Die absolute Kunstsprache, so gekonnt sie auch sein mag, kommt allerdings dem Lesefluss nicht zugute. Man muss schon sehr konzentriert lesen und kommt dennoch langsam voran. Erschwerend kommt hinzu, dass Jelinek darauf verzichtet, Anführungsstriche zu verwenden und auch den Sprecher nicht immer benennt, sodass man bei der wörtlichen Rede aus dem Kontext schließen muss, wer gerade spricht. Gelegentlich wird die Beschreibung geradezu zum Selbstzweck, wenn Metaphern so stark ausgebaut werden, dass ihr Bezug zur Realität verloren geht. Der Text zerfällt in Episoden, die wie Schaukastenbilder einzeln beleuchtet werden, aber nicht recht zusammenzugehören scheinen.
Die Handlung ist schnell erzählt und geht nur geringfügig über das hinaus, was auf dem Buchrücken steht. Der eigentliche Konflikt des Romans in weniger ein personeller als ein psychologischer.
Jelinek schreibt mit großer Verachtung und Zorn, an kaum jemandem wird ein gutes Haar gelassen. Durch eine Brille, die weniger rosa nicht sein könnte, wirft sie einen Blick auf Charaktere und Gesellschaft. Wenngleich sie die Vulgärsprache nicht scheut, rutscht sie sprachlich nie ins Geschmacklose ab, was sie inhaltlich durchaus tut. Das allerdings ist Teil des Programms des Romans. Sexuelle Abarten werden bis zum Ekel beschrieben. Ob das nun richtungweisend oder banal ist, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass, so krank das Erzählte auch sein mag, die Autorin mit der Sprache umzugehen versteht.
Insgesamt ist "Die Klavierspielerin" formal gesehen ein Werk von großer schriftstellerischer Meisterschaft - Spaß allerdings macht es keinen.
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am 16. Juli 2000
Die Klavierlehrerin Erika Kohut lebt mit über 30 Jahren immer noch bei ihrer Mutter.Von dieser wird sie dominiert, kontrolliert und unterdrückt. Dazu wird sie noch unter einen extremen Leistungsdruck gesetzt, so dass die Erziehung mehr einer Dressur gleicht.Zu einer herausragenden Pianistin soll sie werden. Auf der anderen Seite ist sie nicht mehr im geringsten fähig, gesunde menschliche Beziehungen zu knüpfen.Die anderen Menschen erscheinen in Erikas Vorstellungswelt wie Monster. Auf jede menschliche Nähe reagiert sie mit äußerster Agression.Als sie auf einen jungen Mann trifft, wiederholt sie unbewußt das schädliche Beziehungsmuster zu ihrer Mutter.Machtkämpfe werden bis aufs äußerste geführt, anstatt sich seelisch zu öffnen.Sexuelles Vergnügen empfindet Erika nur noch im Bestrafen und Bestraftwerden.Einen Ausweg aus ihrem Leid finder sie nicht.
Die ungeheuer verdichtete und oftmals entstellte Sprache des Romans unterstützt die starke emotionale Wirkung des Romans. Für "Positivdenker" ist der Roman sicherlich abstoßend, wer sich jedoch auch für die zwischenmenschlichen Abgründe interessiert, dem bietet sich ein interessanter und schonungslos offener Roman.
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am 12. November 2001
Auf der Innenseite des Einbands der gebundenen Ausgabe der "Klavierspielerin" ist im Halbprofil das Gesicht einer Frau mittleren Alters abgebildet - Elfriede Jelinek, die Autorin des Buches. Es ist dies ein schönes, strenges, kaltes Gesicht.
Die 285 Seiten, die danach folgen, haben dann aber rein gar nichts Schönes mehr an sich, sondern sind nur streng und kalt. Mit unglaublich präziser Sprache, hart wie Stahl und scharf wie Kristall, und einem ganz eigenen Stil, der dem Seelenzustand der Protagonistin (und vielleicht dem Zustand der ganzen österreichischen Nation) angemessen ist, wird das Psychogramm einer Frau gezeichnet, die nie die Chance einer gesunden Entwicklung hatte und einen hohen Preis für den verfehlten Ehrgeiz ihrer Mutter zahlen muß; Erika Kohut, die Klavierlehrerin, kann nicht anders als in letzter Konsequenz auf tragische Weise zu scheitern.
Ich bin mir immer noch nicht im klaren darüber, ob das Buch schlicht zynisch zu nennen ist oder doch gnaden- und schonungslos ehrlich; bei den komischen, grotesken Stellen bleibt einem das Lachen schon beim Folgesatz im Hals stecken. Das Leben lehrt einen, daß es nichts gibt, was es nicht gäbe, und daß die Phantasie der Realität stets hinterherhinkt, und dieser Gedanke ist zutiefst erschreckend.
Alle bekommen hier ihr Fett weg - Mann und Frau in ihrer Unfähigkeit zu wahrer zwischenmenschlicher Beziehung, die Frau an sich in ihrer Rolle als Lustobjekt, Dienerin, Beute und Opfer des Mannes, der Mann an sich in seiner Unaufrichtigkeit und Impotenz, die Arbeiterklasse, die Ausländer in der Alpenrepublik, und auch die oberen Zehntausend in ihrer Bigotterie und heuchlerischer Doppelmoral. Das Sittengemälde, das Elfirede Jelinek in diesem Buch zeichnet, ist alle Schichten, alle Laster umfassend.
Ich denke nicht, daß Erika Kohut, die Protagonistin, nur noch in Bestrafung und Schmerz Lust empfindet; sie bemüht sich ehrlich, ihre Fesseln abzuschütteln, sie hofft auf Erlösung, sehnt diese herbei, und muß doch daran scheitern, was sie zur tragischen Gestalt macht - sie scheitert an dem, was eine Gesellschaft aus den Menschen gemacht hat oder machen kann.
Unversöhnlich, erschreckend und faszinierend zugleich, ist der Autorin ein großer Wurf gelungen: keine angenehme Unterhaltung, sondern Gesellschaftskritik kolossalen Ausmaßes, die aufwühlt, in der jeder das eine oder andere Stück von sich selbst finden kann, wenn er ehrlich ist. Die österreichische Literatur hat hier ein beinahe schon brutales Sprachrohr gefunden.
22 Kommentare62 von 72 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 11. Mai 2005
Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, hat es nur zur Klavierlehrerin geschafft. Sie lebt noch mit Mitte 30 mit der Mutter in einer Hass-Liebe-Beziehung zusammen. Ihre "Befriedigung" zieht sie vor allem aus Schikane gegenüber ihren Schülern, Selbstverstümmelung und Voyeurismus.
Ganz gleich, welche Anzahl Sterne ich dem Buch gebe, das Resultat stellt nicht zufrieden.
Fünf Sterne für eine phanastische Sprache, für die Kunst, aus althergebrachten Redewendungen, Sprichwörtern und Floskeln Neuschöpfungen zu bauen, die genau ins Schwarze treffen und damit den Sinn des Alten verändern und beim Lesen aufhorchen lassen.
Vier Sterne für die Beobachtungsgenauigkeit, den Blick für Einzelheiten und das Verfolgen einer Szene bis zum Ende. Beispiel dafür ist die Beschreibung einer Eiskunstläuferin (S. 107), die Spünge übt und Pirouetten dreht, und deren Bewegung von der Autorin bis zur kleinsten Muskelanspannung wiedergegeben ist.
Aber - und daher keine 4 oder 5 Sterne - dieses detailgetreue Beobachten wird so auf die Spitze getrieben, dass es zum Sezieren wird. Jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl der einzelnen Personen wird auseinandern genommen und negativ beleuchtet. Liebe ist nichts anderes als der Wunsch nach Machtausübung und Unterwerfung des anderen; Gefühle wie Freundschaft, Zärtlichkeit, Mitleid, Sympathie, Zuneigung, usw. werden ausgeklammert. Wenn man Büchern, die ihre Personen und deren Handlungen mit der rosaroten Brille der selbstlosen und allumfassenden Liebe ausstatten, Realitätsferne und Unglaubwürdigkeit vorwirft, so gilt das auch - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen - für dieses Buch. Die von Jelinek beschriebene Seite des Menschen gibt es, aber es ist eine Seite und nicht das gesamte Wesen.
3 Sterne für das Buch sind also lediglich ein schlechter Kompromiss und nur rein rechnerisch zu werten.
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TOP 500 REZENSENTam 31. Juli 2009
Gut, dachte ich mir, als ich unlängst in Wien war, dann lese ich endlich mal "Die Klavierspielerin", das Hauptwerk von Elfriede Jelinek, denn immerhin lebt die Autorin in Wien und auch die Handlung spielt in dieser Stadt.
"Die Klavierspielerin" erzählt die Geschichte von Erika Kohut, die mit ihrer herrschsüchtigen und betagten Mutter in einer beengten Wohnung lebt, im gleichen Bett schläft und mit ihr nahezu die gesamte Freizeit verbringt. Nachdem sich Erikas Hoffnungen auf eine Karriere als Pianistin zerschlagen haben, arbeitet sie als Musikdozentin am Wiener Konservatorium und quält dort, so gut es geht, ihre Schülerinnen und Schüler, die sie innerlich genauso verachtet wie sich selbst. Wenn sie mal in ihrer Freizeit gerade nicht mit der Mutter zu Hause vor dem Fernseher hockt, besucht sie Peepshows und als Spannerin den Straßenstrich im Wiener Prater, um ihre verödeten Phantasien zu stimulieren. Ihr Antagonist im vorliegenden Roman ist der Musikstudent Klemmer - jung, begabt, gut aussehend, mit sich selbst auf eine ungemein satte Art im Reinen - der sich das 35jährige Altfräulein als Experimentierfeld aussucht, um seine erotischen Strebungen zu befriedigen. Diesen personalisierten Zusammenprall sadomasochistischer Kontrollzwänge und narzisstischer Allmachtsphantasien entfaltet das vorliegende Buch auf insgesamt 300 Seiten mit beachtlicher sprachlicher und inhaltlicher Wucht. Nichts, was es hier zu lesen gibt, ist in irgendeiner Weise schön oder erbaulich, aber wie die Autorin die erste "Liebesszene" zwischen Erika Kohut und Klemmer in einer neopositivistischen Protokollsprache beschreibt, ist ein literarisches Meisterstück (S. 179ff.). In keiner Etappe der Geschichte keimt auch nur von Ferne die Hoffnung auf, die Handlung könnte ein "gutes" Ende nehmen, stattdessen rutscht das Paar mit jeder Episode tiefer in die menschliche Katastrophe, bis am Ende die lebensuntüchtige Dozentin seelisch geschändet zurückbleibt.
Auch wenn ich das Buch mit großer Anteilnahme und Bewegung gelesen habe, stellt sich doch am Ende die Frage: Wozu? Welchen Sinn" hat die meisterhafte Portraitierung derartiger seelischer Abnormitäten? Warum liest man so etwas? Um dieses menschliche Elend besser zu verstehen? Dann wäre das schriftstellerische Werk von Jelinek der Malerei von Egon Schiele verwandt, denn auch er enthüllt in genialischer Weise gerade das Abstoßende, Hässliche als untergründigen Bestandteil der menschlichen Existenz. Oder liest man ein solches Buch wie "Die Klavierspielerin" einfach nur aus dem gleichen Vouyeurismus heraus, der Eva Kohut als Spannerin in die Büsche treibt. Dann allerdings hätte die Autorin ihren Lesern unbemerkt einen Spiegel vorgehalten.
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am 8. März 1999
Elfriede Jelinek scheint in der "Klavierspielerin" absichtlich gegen fast alle Regeln des guten Schreibens zu verstoßen. Sie schreibt weder einfach und klar, noch knapp, oft anstrengend. Dabei verwendet sie lange Hauptwörter, Fremdwörter, Partizipien noch und noch. Oft erinnert ihre Sprache an steifes Beamten - und Behördendeutsch, Kanzleisprache. Immer wieder entfremdet sie Worte, verwendet sie in einem ungewohnten Zusammenhang, schafft - auch - dadurch Absurdität. Diese Sprache erzeugt ein Gefühl von Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit, Perversion. Und genauso müssen die Gefühle der Protagonistin sein, die aber nicht explizit zum Ausdruck kommen, sondern indirekt in Form dieser Sprache, die demontiert, zerstückelt wird. Und genau darin liegt die Kunst Jelineks. Die Wirkung ist stark, man fühlt sich beim Lesen dieses Romans betroffen, man hat vielleicht sogar Mitleid mit der Klavierlehrerin und Verständnis, obwohl diese oft, wenn ihr Sadomasochismus seine sadistische Seite auslebt, sehr brutal sein kann, zum Beispiel als sie einer vermeintlichen Rivalin Glasscherben in die Manteltasche legt oder Leuten in der Tramway mit Absicht gegen das Schienbein tritt. Ick kann nicht behaupten, dass ich dieses Buch mit Genuss gelesen habe - aber es hat mich aufgewühlt und beeindruckt. Es ist irgendwie auf seine Weise doch genial.
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am 1. März 2005
Auch ich - ich geb' es zu - habe Jellinek erst in die Hand genommen, nachdem die Nachricht über ihren Nobelpreis die Literaten-Nation gespalten hat. Und ich habe eine Goldgrube gefunden: kein zeitgenössischer Autor und keine zeitgenössische Autorin ist so wortgewaltig wie die Jellinek, keiner und keine kann so virtuos mit Worten umgehen. Sicher: die Geschichte der "Klavierlehrerin" ist nicht vergnüglich. Soll sie nicht, darf sie auch gar nicht sein! Eine Frau, gefangen in der eigenen Unzulänglichkeit, der anerzogenen Arroganz und der Tyrannei der Mutter, kann sich nicht selbst entkommen, kann nicht aus sich heraus - und inszeniert die eigene Vergewaltigung, durch die sie sich erhofft, die Verantwortung für sich selbst - das bisschen Verantwortung, das ihre Mutter ihr noch nicht aus der Hand gerissen hat - endlich auch abgeben zu können. Am Ende steht neben der seelischen Verletzung, die sie schon immer mit sich herumträgt, nur mehr auch noch eine physische.
Der Ekel und der Widerwillen, mit dem das Buch geschrieben wurde, ist gewaltig, und überträgt sich durchaus auch auf den Leser. Wertlose rückgratlose Frauen, abscheuliche lächerliche Männer und die verhasste Welt mitteleuropäischen Bürgertums - Jellinek wütet ihre Abneigung mit jedem Satz aus sich heraus. Aber diese Wut, und das ist das außergewöhnliche an diesem Buch und an Jellinek, befähigt sie zu einer großartigen Sprache, die nicht schön zu nennen ist, aber gewaltig, einmalig und meisterhaft.
Und dem verzagten Leser sei gesagt: die Depression beim Lesen vergeht nach ein paar Tagen wieder. Was bleibt, ist der Eindruck einer großen Meisterin der Sprache.
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am 23. Januar 2012
Am Beginn steht die ausführliche Vorstellung der 36 jährigen Klavierlehrerin Erika Kohut und ihrer Empfindungen und Wahrnehmungen der Umwelt.
Sie wohnt mit ihrer Mutter in einer Wohnung und teilt sogar mit ihr das Ehebett. Für Freiraum lässt ihr die Mutter keinen Platz, bzw. muss das Kind der Mutter absolute Gehorsamkeit leisten.

Gleich wird deutlich, dass sie Ekel und Missachtung gegenüber ihrer Mitmenschen empfindet.
Zwischendurch kommen immer wieder Abschnitte mit der Erzählung der Kindheit und Jugend. Wie sie wurde, wie sie nun ist und denkt, das Verhältnis zu ihrer Mutter, das fehlerhafte vermitteln des Weltbildes. Dies wird hier in der IHR-SIE - Perspektive erzählt.
Erika wird von ihrer Mutter zur Musik gedrillt, da die Mutter ihre eigenen Träume mit Hilfe ihrer Tochter verwirklichen möchte.
Die Selbstverstümmelung Erikas. mit einer Rasierklinge beginnt bereits in ihrer Jugend.
Anschließend erfährt man, wie der Schüler Klemmer Walter Erika kennen lernt. Bereits von Beginn an fühlt er sich zu ihr hingezogen.
Erika wünscht sich in eine oder andere Weise ein anderes Leben verfolgt und beobachtet daher das Alltagsleben anderer Menschen. Sie lernt durch Pornofilme die Liebe kennen. Hier beginnt sie Liebe mit Macht zu verwechseln, die sie auch im Unterricht und vor allem an Walter Klemmer ausübt.
Nach einigen Fehlversuchen Klemmers, an Erika heranzukommen schreibt Erika ihm einen Brief, in dem sie ihm ihre Vorstellung von Beziehung und Liebe mitteilt. Sie bittet ihn zu unwürdig menschlichen Handlungen an ihr. Klemmer überfordert diese Bitte und kann von nun an nur mehr noch Ekel für sie empfinden und behandelt sie von nun an entwürdigend.
Erst nachdem es zu der Eskalation in ihrer Wohnung kommt, begreift Erika, dass sie mit ihren Vorstellungen falsch lag.

Perfekter Schreibstil und eine tiefgründige Geschichte. Jelinek ist nichts für eine zarte Haut!!
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am 11. November 2008
Gleich voran: Ich halte Elfriede Jelinek für eine geniale Schriftstellerin.
Sie ist für mich eigentlich eine scharfsinnige Beobachterin, die ihre Erkenntnise meisterhaft in kreativem Umgang mit der deutschen Sprache auszudrücken weiß. Ich liebe ihren zynischen Witz. Nur nutzt sie in "Die Klavierspielerin" kaum eine ihrer besonderen Fähigkeiten.

Die Geschehnisse sind trocken aufeinander folgend beschrieben.
Sie taucht nur oberflächlich in die Charaktere ein. An die Stelle von psychologischem Tiefgang tritt unverständiges Lästern aus der Ferne. Sie verachtet die Charaktere konsequent und ist dabei nicht scharfsinnig, sondern beschreibt flach und einseitig. So konnte ich weder nachvollziehbare Motive entdecken, noch irgendwelche menschlichen Erkenntnisse daraus ziehen.
Das Sprachniveau ist gewohnt hoch, die Formulierungen sind aber nicht so treffend wie sie sein könnten.
Wortspiele sind hier etwas unterhaltsam und metaphorisch, haben jedoch nicht den philosophisch erkenntnisreichen Anstrich, den ich von ihr kenne.

Insgesamt hat das Buch mich nicht berührt. Es ist eine kalte Abfolge abstoßender Handlungen abstoßender Menschen. Weder konnte ich mich in jemanden einfühlen, noch hat mich der Inhalt bestürzt. Ich fand wenig Belohnung (wie sonst durch ihren trockenen Humor oder besonders kreative Formulierungen) für die langweilig-trostlose Stimmung des Buches und habe es erst nach einigen Unterbrechungen fertig lesen können.

Jelinek-Neulingen möchte ich ihr Werk "Gier" empfehlen. Es wäre zu schade, wenn jemand nach diesem Buch die Autorin (verständlicherweise) abhakt.
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Ich habe es versucht; Beim Grab meines verstorbenen Kanarienvogels schwöre ich, ich habe versucht, DIE KLAVIERSPIELERIN zu lesen.
Mein soziales Umfeld hat mich bei diesem Unternehmen nach Kräften unterstützt. Meine Frau hat mich mit noch gesünderer und ausgewogenerer Ernährung als sonst versorgt; ich bin der JA-Gruppe (Jelinek anonymous) beigetreten; ein personal trainer hat mich täglich massiert und mit Proteingetränken gemästet; Goodreads-Freunde haben mir Mut zugesprochen. Zugleich gab es unterstütztend dazu sanften sozialen Druck: Aber du willst doch weiter zur Lesegruppe dazu gehören? Du willst doch auch nach Wien zur Jelinek-Exkursion kommen?
Ja, ich will doch alles richtig und gut machen! Ich will die KLAVIERSPIELERIN lesen, ja! Ich bin doch kein verstockter Dummbatz, dem nicht zu helfen ist, ich werde das Buch lesen.
Habe ich gedacht. Habe 10 Seiten gelesen. 20. 30. Bin bis Seite 80 gekommen. Habe dafür so lange gebraucht, dass ich nunmehr das Buch in der Kreisbibliothek hätte verlängern müssen und stand also pflichtschuldig gesenkten Blickes mit dem unscheinbaren Taschenbüchlein mit der wenig gelungenen Umschlagillustration vor der Bibliothekarin; einer älteren Dame, die sanftmütig ist (normalerweise jedenfalls). Sie sah mir in die Augen und fragte: Wollen sie das Buch verlängern? Es klang, als hätte sie gesagt: Wollen sie DAS Buch (etwa) verlängern?
Ihr Blick hatte etwas Stechendes bekommen und ich musste mir den Schweiß von der Stirn tupfen. Eine berechtigte Frage, die ich zuvor möglicherweise unterschätzt hatte. 'Ich mag meine Lesegruppe', begann ich zu stottern, aber die Bibliothekarin blieb seltsam ungerührt. Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie das Buch kennt, traute mich aber nicht. Offenbar hatte niemand das Buch vorbestellt, ich hätte es verlängern können. Das, oder es abgeben. Verdammt! Was tun?
'Haben sie den Wetterbericht gehört?', fragte ich die Dame. Denn eines stand fest, auch nach 80 Seiten: Jelineks Prosa überzieht die Hölle mit Blitzeis.
Ich kenne viele bösartige Texte, aber dieser Roman stellt sie alle in den Schatten. Man soll ja nicht von Romanfiguren auf den Autoren schließen, aber muss man nicht ein Menschenhasser sein, um solche Figuren zu schaffen? Nie zuvor hatte ich überlegt, ob Zombies nicht doch ganz nette Kerle sein könnten. Unerträglich sind mir Erika Kohut und ihre Mutter, unerträglich ist mir, wie Jelinek die gestörteste Mutter-Tochter-Beziehung seziert und von einer Spitze auf die nächste treibt. Schrecklich sind alle anderen Personen des Romans, allesamt ihrer Menschlichkeit beraubt, Schaustücke jelinekscher Glazialkunst. Toxic Parents, toxic life. Wenn Jelinek vor sich hin ätzt, vergeht mir jeder Lebensmut. Das hat nichts mit Ironie oder Sarkasmus zu tun, dieser Roman vergällt mir die Lebenslust.
Jelinek lesen bereitet die gleiche Lust wie ein Zahnarztbesuch: da drillt der Bohrer durch's ewige Eis, um es mal bildhaft, aber nicht überzogen auszudrücken, und man spürt und hört die Zahnarztgeräusche, die man so liebt. Wie heißt es anlässlich des Besuchs einer Eisdiele: "Sie gabeln unaufhörlich ihre Kältebissen in ihre Eishöhlen" - genau so!
"Mit einem kleinen Hammer klopft sie die Wirklichkeit ab, eine eifrige Zahnärztin der Sprache"; fürwahr eine sehr besondere Form des Lustgewinns! Wie gerne denke ich da zur Beruhigung an den lachgasmissbrauchenden Zahnarzt im 'Little Shop of Horrors', der ein echter Kumpel ist verglichen mit unserer Erika.
Hätte Arno Schmidt in einer Phase tiefster Depression einen Text über katholische Landwirte verfasst, er hätte nicht böser ausfallen können.

'Nein, ich möchte das Buch jetzt zurückgeben', habe ich zur Bibliothekarin gesagt, und gleich schien sie wieder freundlicher zu schauen.
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