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Die Klavierspielerin
 
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Die Klavierspielerin (Taschenbuch)

von Elfriede Jelinek (Autor)
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (50 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Klavierspielerin
OT Die KlavierspielerinOA 1983 DE 1983 Form Roman Epoche Gegenwart
Der Roman Die Klavierspielerin von Elfriede Jelinek, der nach Angaben der Autorin autobiografische Züge trägt, führt mit seiner Protagonistin eine Frau vor, die ihren Objektstatus so weit verinnerlicht hat, dass sie keinen Zugang zu ihrer Individualität finden kann. Damit verschließt sich ihr auch der Zugang zur eigenen Lust; sie wird zur Voyeurin.
Jelinek entlarvt das bürgerliche Familienleben als Kampfplatz und zwischenmenschliche Beziehungen als zerstörerisches Ringen um Macht. Der Roman ist geprägt durch eine radikale satirische Darstellung. Durch mit Sprachfloskeln durchsetzte stakkatoartige Sprachlawinen bildet die Autorin ihren unverwechselbaren, zynisch brutalen Stil aus. Das Werk ist charakteristisch für die vorrangig feministische Schaffensphase von Jelinek.
Inhalt: Hauptfigur des Romans ist Erika Kohut, Ende dreißig und Klavierprofessorin am Wiener Konservatorium. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen, die ihre Tochter als Besitz betrachtet und ein System totaler Überwachung aufgebaut hat. Ihre Frustration über die gescheiterte Pianistenkarriere Erikas fördert eine Atmosphäre des Terrors. Erika reagiert vordergründig mit Anpassung und gibt die erlittenen Demütigungen an ihre Klavierschüler weiter. Mit Rasierklingen und Nadeln fügt sie sich selbst Verletzungen zu.
Als der junge Walter Klemmerer, einer ihrer Meisterschüler, das Abschirmsystem der Mutter durchbricht und Erika Avancen macht, reagiert sie zunächst mit abweisendem und erniedrigendem Verhalten. Nachdem sich Klemmerer dadurch nicht abschrecken lässt, fordert sie ihn in einem Brief detailliert zu einem sadistischen Sexualverhalten ihr gegenüber auf. Um die eigene Position zu sichern, will Erika ihre Unterwerfung, die ihr in einer sexuellen Beziehung zu einem Mann unumgänglich erscheint, selbst inszenieren. Durch die Vorgabe der Regeln würde sie so zum eigentlich dominanten Teil des Paares. Allerdings hofft Erika auch darauf, dass sich Klemmerer aus Liebe ihren Forderungen verweigern wird. Klemmerer reagiert mit Unverständnis und Abscheu und wendet sich angewidert von ihr ab. Als es dennoch zu einer sexuellen Begegnung kommt, versagt Klemmerer und sein Abscheu steigert sich zum Hass. Er schlägt Erika zusammen und lässt sie nach einer Vergewaltigung mit lapidaren guten Ratschlägen zurück.
Zwischen Mord- und Versöhnungsabsichten schwankend, sucht Erika Klemmerer auf. Als sie aus der Ferne seine unbeschwerte Fröhlichkeit beobachtet, sticht sie sich selbst mit einem Messer in die Schulter und geht blutend nach Hause zurück.
Wirkung: Wie alle Werke von Jelinek ist der Roman sehr kontrovers diskutiert worden. Das Spektrum der Kritik liegt zwischen Begeisterung und Verriss, bisweilen wurde auch eine Pathologisierung der Autorin vorgenommen. Literaturwissenschaftliche Arbeiten liegen bislang nur vereinzelt vor. Mit der Verfilmung durch Michael Haneke ist der Roman 2001 erneut ins Publikumsinteresse gerückt.


Kurzbeschreibung

Der Klavierlehrerin Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, ist es nicht möglich, aus ihrer Isolation heraus eine sexuelle Identität zu finden. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zu Voyeurin. Als einer ihrer Schüler mit ihr ein Liebesverhältnis anstrebt, erfährt sie, daß sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet.

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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Vouyeurismus als Instrument der Erkenntnis?, 31. Juli 2009
Von ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Gut, dachte ich mir, als ich unlängst in Wien war, dann lese ich endlich mal "Die Klavierspielerin", das Hauptwerk von Elfriede Jelinek, denn immerhin lebt die Autorin in Wien und auch die Handlung spielt in dieser Stadt.
"Die Klavierspielerin" erzählt die Geschichte von Eva Kohut, die mit ihrer herrschsüchtigen und betagten Mutter in einer beengten Wohnung lebt, im gleichen Bett schläft und mit ihr nahezu die gesamte Freizeit verbringt. Nachdem sich Erikas Hoffnungen auf eine Karriere als Pianistin zerschlagen haben, arbeitet sie als Musikdozentin am Wiener Konservatorium und quält dort, so gut es geht, ihre Schülerinnen und Schüler, die sie innerlich genauso verachtet wie sich selbst. Wenn sie mal in ihrer Freizeit gerade nicht mit der Mutter zu Hause vor dem Fernseher hockt, besucht sie Peepshows und als Spannerin den Straßenstrich im Wiener Prater, um ihre verödeten Phantasien zu stimulieren. Ihr Antagonist im vorliegenden Roman ist der Musikstudent Klemmer - jung, begabt, gut aussehend, mit sich selbst auf eine ungemein satte Art im Reinen - der sich das 35jährige Altfräulein als Experimentierfeld aussucht, um seine erotischen Strebungen zu befriedigen. Diesen personalisierten Zusammenprall sadomasochistischer Kontrollzwänge und narzisstischer Allmachtsphantasien entfaltet das vorliegende Buch auf insgesamt 300 Seiten mit beachtlicher sprachlicher und inhaltlicher Wucht. Nichts, was es hier zu lesen gibt, ist in irgendeiner Weise schön oder erbaulich, aber wie die Autorin die erste "Liebesszene" zwischen Erika Kohut und Klemmer in einer neopositivistischen Protokollsprache beschreibt, ist ein literarisches Meisterstück (S. 179ff.). In keiner Etappe der Geschichte keimt auch nur von Ferne die Hoffnung auf, die Handlung könnte ein gutes" Ende nehmen, stattdessen rutscht das Paar mit jeder Episode tiefer in die menschliche Katastrophe, bis am Ende die lebensuntüchtige Dozentin seelisch geschändet zurückbleibt.
Auch wenn ich das Buch mit großer Anteilnahem und Bewegung gelesen habe, stellt sich doch am Ende die Frage: wozu? Welchen Sinn" hat die meisterhafte Portraitierung derartiger seelischer Abnormitäten? Warum liest man so etwas? Um dieses menschliche Elend besser zu verstehen? Dann wäre das schriftstellerische Werk von Jelinek der Malerei von Egon Schiele verwandt, denn auch er enthüllt in genialischer Weise gerade das Abstoßende, Hässliche als untergründigen Bestandteil der menschlichen Existenz. Oder liest man ein solches Buch wie Die Klavierspielerin" einfach nur aus dem gleichen Vouyeurismus heraus, der Eva Kohut als Spannerin in die Büsche treibt. Dann allerdings hätte die Autorin ihren Lesern unbemerkt einen Spiegel vorgehalten.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Meisterwerk, das schwer im Magen liegt, 20. August 2007
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden literarische Andeutungen eingestreut, die Worte und Sätze sind geschliffen und von expressionistischer Kraft und Sätze wie: "Kunst und Ordnung, die verfeindeten Verwandten.", oder "Derzeit bleibt der junge Mann lieber mit sich allein, einen besseren Kameraden kennt der Wolf nicht, bevor er die Ziege trifft.", sind einfach großartig.
Die absolute Kunstsprache, so gekonnt sie auch sein mag, kommt allerdings dem Lesefluss nicht zugute. Man muss schon sehr konzentriert lesen und kommt dennoch langsam voran. Erschwerend kommt hinzu, dass Jelinek darauf verzichtet, Anführungsstriche zu verwenden und auch den Sprecher nicht immer benennt, sodass man bei der wörtlichen Rede aus dem Kontext schließen muss, wer gerade spricht. Gelegentlich wird die Beschreibung geradezu zum Selbstzweck, wenn Metaphern so stark ausgebaut werden, dass ihr Bezug zur Realität verloren geht. Der Text zerfällt in Episoden, die wie Schaukastenbilder einzeln beleuchtet werden, aber nicht recht zusammenzugehören scheinen.
Die Handlung ist schnell erzählt und geht nur geringfügig über das hinaus, was auf dem Buchrücken steht. Der eigentliche Konflikt des Romans in weniger ein personeller als ein psychologischer.
Jelinek schreibt mit großer Verachtung und Zorn, an kaum jemandem wird ein gutes Haar gelassen. Durch eine Brille, die weniger rosa nicht sein könnte, wirft sie einen Blick auf Charaktere und Gesellschaft. Wenngleich sie die Vulgärsprache nicht scheut, rutscht sie sprachlich nie ins Geschmacklose ab, was sie inhaltlich durchaus tut. Das allerdings ist Teil des Programms des Romans. Sexuelle Abarten werden bis zum Ekel beschrieben. Ob das nun richtungweisend oder banal ist, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass, so krank das Erzählte auch sein mag, die Autorin mit der Sprache umzugehen versteht.
Insgesamt ist "Die Klavierspielerin" formal gesehen ein Werk von großer schriftstellerischer Meisterschaft - Spaß allerdings macht es keinen.
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54 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Faszinierend und erschreckend zugleich, 12. November 2001
Von Ein Kunde
Auf der Innenseite des Einbands der gebundenen Ausgabe der "Klavierspielerin" ist im Halbprofil das Gesicht einer Frau mittleren Alters abgebildet - Elfriede Jelinek, die Autorin des Buches. Es ist dies ein schönes, strenges, kaltes Gesicht.
Die 285 Seiten, die danach folgen, haben dann aber rein gar nichts Schönes mehr an sich, sondern sind nur streng und kalt. Mit unglaublich präziser Sprache, hart wie Stahl und scharf wie Kristall, und einem ganz eigenen Stil, der dem Seelenzustand der Protagonistin (und vielleicht dem Zustand der ganzen österreichischen Nation) angemessen ist, wird das Psychogramm einer Frau gezeichnet, die nie die Chance einer gesunden Entwicklung hatte und einen hohen Preis für den verfehlten Ehrgeiz ihrer Mutter zahlen muß; Erika Kohut, die Klavierlehrerin, kann nicht anders als in letzter Konsequenz auf tragische Weise zu scheitern.
Ich bin mir immer noch nicht im klaren darüber, ob das Buch schlicht zynisch zu nennen ist oder doch gnaden- und schonungslos ehrlich; bei den komischen, grotesken Stellen bleibt einem das Lachen schon beim Folgesatz im Hals stecken. Das Leben lehrt einen, daß es nichts gibt, was es nicht gäbe, und daß die Phantasie der Realität stets hinterherhinkt, und dieser Gedanke ist zutiefst erschreckend.
Alle bekommen hier ihr Fett weg - Mann und Frau in ihrer Unfähigkeit zu wahrer zwischenmenschlicher Beziehung, die Frau an sich in ihrer Rolle als Lustobjekt, Dienerin, Beute und Opfer des Mannes, der Mann an sich in seiner Unaufrichtigkeit und Impotenz, die Arbeiterklasse, die Ausländer in der Alpenrepublik, und auch die oberen Zehntausend in ihrer Bigotterie und heuchlerischer Doppelmoral. Das Sittengemälde, das Elfirede Jelinek in diesem Buch zeichnet, ist alle Schichten, alle Laster umfassend.
Ich denke nicht, daß Erika Kohut, die Protagonistin, nur noch in Bestrafung und Schmerz Lust empfindet; sie bemüht sich ehrlich, ihre Fesseln abzuschütteln, sie hofft auf Erlösung, sehnt diese herbei, und muß doch daran scheitern, was sie zur tragischen Gestalt macht - sie scheitert an dem, was eine Gesellschaft aus den Menschen gemacht hat oder machen kann.
Unversöhnlich, erschreckend und faszinierend zugleich, ist der Autorin ein großer Wurf gelungen: keine angenehme Unterhaltung, sondern Gesellschaftskritik kolossalen Ausmaßes, die aufwühlt, in der jeder das eine oder andere Stück von sich selbst finden kann, wenn er ehrlich ist. Die österreichische Literatur hat hier ein beinahe schon brutales Sprachrohr gefunden.
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5.0 von 5 Sternen Wunderbar ehrlich und gemein
Im Grunde genommen kann ich nicht viel mehr zu dem Buch sagen als es die anderen Rezensenten bereits taten, ich mache es kurz und bündig;

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Elfriede Jelinek hat ja neuerdings den Literaturnobelpreis. Und das obwohl sie eine Sprache schreibt, die einem die Gänsehaut nicht nur über den Rücken sondern auch über die... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. März 2007 von Dominik Rosenauer

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