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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Extrem, bissig, aber gut,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Klavierspielerin (Taschenbuch)
Die Klavierlehrerin Erika Kohut lebt mit über 30 Jahren immer noch bei ihrer Mutter.Von dieser wird sie dominiert, kontrolliert und unterdrückt. Dazu wird sie noch unter einen extremen Leistungsdruck gesetzt, so dass die Erziehung mehr einer Dressur gleicht.Zu einer herausragenden Pianistin soll sie werden. Auf der anderen Seite ist sie nicht mehr im geringsten fähig, gesunde menschliche Beziehungen zu knüpfen.Die anderen Menschen erscheinen in Erikas Vorstellungswelt wie Monster. Auf jede menschliche Nähe reagiert sie mit äußerster Agression.Als sie auf einen jungen Mann trifft, wiederholt sie unbewußt das schädliche Beziehungsmuster zu ihrer Mutter.Machtkämpfe werden bis aufs äußerste geführt, anstatt sich seelisch zu öffnen.Sexuelles Vergnügen empfindet Erika nur noch im Bestrafen und Bestraftwerden.Einen Ausweg aus ihrem Leid finder sie nicht.Die ungeheuer verdichtete und oftmals entstellte Sprache des Romans unterstützt die starke emotionale Wirkung des Romans. Für "Positivdenker" ist der Roman sicherlich abstoßend, wer sich jedoch auch für die zwischenmenschlichen Abgründe interessiert, dem bietet sich ein interessanter und schonungslos offener Roman. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
59 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Faszinierend und erschreckend zugleich,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Klavierspielerin (Taschenbuch)
Auf der Innenseite des Einbands der gebundenen Ausgabe der "Klavierspielerin" ist im Halbprofil das Gesicht einer Frau mittleren Alters abgebildet - Elfriede Jelinek, die Autorin des Buches. Es ist dies ein schönes, strenges, kaltes Gesicht.Die 285 Seiten, die danach folgen, haben dann aber rein gar nichts Schönes mehr an sich, sondern sind nur streng und kalt. Mit unglaublich präziser Sprache, hart wie Stahl und scharf wie Kristall, und einem ganz eigenen Stil, der dem Seelenzustand der Protagonistin (und vielleicht dem Zustand der ganzen österreichischen Nation) angemessen ist, wird das Psychogramm einer Frau gezeichnet, die nie die Chance einer gesunden Entwicklung hatte und einen hohen Preis für den verfehlten Ehrgeiz ihrer Mutter zahlen muß; Erika Kohut, die Klavierlehrerin, kann nicht anders als in letzter Konsequenz auf tragische Weise zu scheitern. Ich bin mir immer noch nicht im klaren darüber, ob das Buch schlicht zynisch zu nennen ist oder doch gnaden- und schonungslos ehrlich; bei den komischen, grotesken Stellen bleibt einem das Lachen schon beim Folgesatz im Hals stecken. Das Leben lehrt einen, daß es nichts gibt, was es nicht gäbe, und daß die Phantasie der Realität stets hinterherhinkt, und dieser Gedanke ist zutiefst erschreckend. Alle bekommen hier ihr Fett weg - Mann und Frau in ihrer Unfähigkeit zu wahrer zwischenmenschlicher Beziehung, die Frau an sich in ihrer Rolle als Lustobjekt, Dienerin, Beute und Opfer des Mannes, der Mann an sich in seiner Unaufrichtigkeit und Impotenz, die Arbeiterklasse, die Ausländer in der Alpenrepublik, und auch die oberen Zehntausend in ihrer Bigotterie und heuchlerischer Doppelmoral. Das Sittengemälde, das Elfirede Jelinek in diesem Buch zeichnet, ist alle Schichten, alle Laster umfassend. Ich denke nicht, daß Erika Kohut, die Protagonistin, nur noch in Bestrafung und Schmerz Lust empfindet; sie bemüht sich ehrlich, ihre Fesseln abzuschütteln, sie hofft auf Erlösung, sehnt diese herbei, und muß doch daran scheitern, was sie zur tragischen Gestalt macht - sie scheitert an dem, was eine Gesellschaft aus den Menschen gemacht hat oder machen kann. Unversöhnlich, erschreckend und faszinierend zugleich, ist der Autorin ein großer Wurf gelungen: keine angenehme Unterhaltung, sondern Gesellschaftskritik kolossalen Ausmaßes, die aufwühlt, in der jeder das eine oder andere Stück von sich selbst finden kann, wenn er ehrlich ist. Die österreichische Literatur hat hier ein beinahe schon brutales Sprachrohr gefunden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gewalt der Begierde und Gewalt der Sprache,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Klavierspielerin (Taschenbuch)
Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, hat es nur zur Klavierlehrerin geschafft. Sie lebt noch mit Mitte 30 mit der Mutter in einer Hass-Liebe-Beziehung zusammen. Ihre "Befriedigung" zieht sie vor allem aus Schikane gegenüber ihren Schülern, Selbstverstümmelung und Voyeurismus.Ganz gleich, welche Anzahl Sterne ich dem Buch gebe, das Resultat stellt nicht zufrieden. Fünf Sterne für eine phanastische Sprache, für die Kunst, aus althergebrachten Redewendungen, Sprichwörtern und Floskeln Neuschöpfungen zu bauen, die genau ins Schwarze treffen und damit den Sinn des Alten verändern und beim Lesen aufhorchen lassen. Vier Sterne für die Beobachtungsgenauigkeit, den Blick für Einzelheiten und das Verfolgen einer Szene bis zum Ende. Beispiel dafür ist die Beschreibung einer Eiskunstläuferin (S. 107), die Spünge übt und Pirouetten dreht, und deren Bewegung von der Autorin bis zur kleinsten Muskelanspannung wiedergegeben ist. Aber - und daher keine 4 oder 5 Sterne - dieses detailgetreue Beobachten wird so auf die Spitze getrieben, dass es zum Sezieren wird. Jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl der einzelnen Personen wird auseinandern genommen und negativ beleuchtet. Liebe ist nichts anderes als der Wunsch nach Machtausübung und Unterwerfung des anderen; Gefühle wie Freundschaft, Zärtlichkeit, Mitleid, Sympathie, Zuneigung, usw. werden ausgeklammert. Wenn man Büchern, die ihre Personen und deren Handlungen mit der rosaroten Brille der selbstlosen und allumfassenden Liebe ausstatten, Realitätsferne und Unglaubwürdigkeit vorwirft, so gilt das auch - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen - für dieses Buch. Die von Jelinek beschriebene Seite des Menschen gibt es, aber es ist eine Seite und nicht das gesamte Wesen. 3 Sterne für das Buch sind also lediglich ein schlechter Kompromiss und nur rein rechnerisch zu werten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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