...muss ich mich meinen Vorsprechern anschließen, wobei auch ich den Verriß des Spiegels etwas überzogen finde. Recht haben sie damit, dass man sich den Protagonisten wahrlich nicht als 24-jährigen vorstellen kann. Die Person "Jan" ist nicht besonders durchgängig konstruiert, was zumindest meiner Ansicht nach, sonst zu Lenz' Stärken gehört. Um so verwunderlicher, dass der examinierte Kaufhausdedektiv an die lieblich durchscheinende Lone herankommt. Diese Verbindung, gewürzt durch den kleinen Fritz, paßt vorne unten hinten nicht zusammen. Demzufolge leuchtet auch das Familienidyll mit dem Alten, der ultrarauchenden Betty, inklusive von Schwester Jette und skurilen Bruder Ernie, sowie dem allgenwärtigen, toten Reimund, nicht wirklich ein. Aber dennoch ist Lenz immer lesenswert. Muss Literatur denn immer zeitkritisch oder politisch sein? Kann es Lenz nicht einfach um die Darstellung der Entwicklung von Pummel "Jan" gegangen sein? Soll das Schlagen bzw. Erhorchen von Stein denn eine Metapher sein? Ich weiß jedenfalls noch gut, dass mir der Deutschunterricht mit seinem ewigen Verlangen nach Interpretationen damals den Genuss der "Deutschstunde" reichlich versalzen hat. Ich habs trotzdem gern gelesen und war sogar traurig, dass das Grabmal Fritz erdrückt.