Krieg und Frieden, das ist ein zentrales und immer aktuelles Thema, das das Schicksal von Staaten und Menschen bestimmt. Der bedeutendste Gelehrte seiner Zeit, der Humanist Erasmus von Rotterdam, lässt in diesem schmalen Buch die Friedensgöttin Pax selbst eine Rede halten. Sie beklagt, dass sie nirgends einen ruhigen Platz findet, an dem sie ihre fruchtbare Wirkung für die Menschheit entfalten kann. Erasmus liest den Geistlichen und Herrschern seiner Zeit die Leviten, indem er ihnen ständig den Widerspruch vor Augen hält, sich zum christlichen Glauben zu bekennen und ihm entgegengesetzt zu handeln. Die vielen Gründe, die von Herrschern als Ursachen für Kriege genannt werden, geißelt er als kleinlich und nichtig. Seine scharfsinnigen Analysen und Fragen verdichten sich zu einer Anklage, mit der er dem Leser die völlige Absurdität des Krieges ins Bewusstsein ruft. Der kriegerischen Gegenwart stellt er die Utopie einer sich friedlich entwickelnden, vernünftig handelnden Gesellschaft entgegen. Frieden ist machbar, lautet die Botschaft von Erasmus. Seine "Klage des Friedens" ist der Form nach etwas für Genießer humanistischer Rhetorik, ihr Inhalt ist leider auch 500 Jahre nach ihrer Entstehung noch immer höchst aktuell.