Infolge eines unterschiedlichen Kirchenkalenders wird das griechische Osterfest regelmäßig erst einige Wochen nach jenem westlicher Christen gefeiert. Dem im katholischen oder evangelischen Glauben erzogenen Christen, der während eines Griechenlandurlaubes eine Messe besucht hat, werden wiederum fasziniert und verwirrt einige Unterschiede (überreicher Kirchenschmuck, bärtige Priester, viel Gesang, fremdartige, nicht näher definierbare Riten) aufgefallen sein. Damit sind wir beim Thema. Fremd und faszinierend wirken die Kirchen des christlichen Ostens - von denen die griechisch - orthodoxe nur eine ist - auf westliche Christen. Doch kaum jemand, so er nicht Theologie studiert, wird die Zeit finden, mehr über ihr Wesen und ihre Vielfalt zu erfahren. Dem hilft das überaus interessante und instruktive 212 Seiten kurze Büchlein des Paderborner Theologen Johannes Oeldemann ab.
In vier Hauptteilen stellt der 1964 geborene Autor nach einer 13 seitigen als ,Grundlagen` betitelten Einleitung gut verständlich Geschichte, Gegenwart und Glaubensleben von über 30 verschiedenen Ostkirchen dar, die sich bedingt durch nationale und territoriale Zugehörigkeiten und ihre unterschiedliche Stellung zu den Ergebnissen der sieben Ökumenischen Konzile des 1. Jahrtausends nach Christi Geburt herausgebildet haben. Die gut lesbare Darstellung ergänzt ein überaus nützlicher Anhang. Er enthält instruktive tabellarische Übersichten über die Kirchen der orientalischen und byzantinischen Ritusfamilien und klärt über die genannten Konzile auf. Sieben geographische Karten nebst Legende ermöglichen es dem Leser zudem in vorbildlicher Weise, nahezu jeden im Text erwähnten Ort auch mit dem Finger auf der Landkarte zu finden. Einige, wenngleich knappe Anmerkungen und Hinweise zu weiterführender Literatur nebst einem 3-seitigen Verzeichnis wichtiger Stichworte runden den erfreulichen Gesamteindruck des Taschenbuches in griffigem Format ab.
Fazit: Wer sich auf übersichtlichem Raum über Geschichte, heutige Verbreitung, Strukturen, Glaubensleben und Riten der östlichen Kirchen informieren möchte, ist mit dem Taschenbuch von Johannes Oeldemann bestens bedient. Außer im Bereich der kargen Anmerkungen und Hinweise auf weiterführende Literatur ist kaum etwas ersichtlich, was bei einer zweiten Auflage noch verbessert werden sollte. Sehr empfehlenswert.