"Die großen Probleme dieser Welt können nicht mit derselben Denkweise gelöst werden, mit welcher wir sie verursacht haben." (Albert Einstein)
Schmidt-Salomon gefällt durch seinen unnachahmlichen unterhaltsamen, aber bestechend scharfen Stil in seiner Schreibe. Hat er mit dem "Manifest des evolutionären Humanismus" noch beste Prosa verfasst (übrigens sehr empfehlenswert), besticht er hier mit einer Enzyklopädie, die im eigentlichen Sinne keine ist, weil sie den Boden der Neutralität verlässt, dennoch ein wahres Bekenntnis zu "sauberen" Menschen ist, der solange er sich wäscht, nie das "Waschen" des Gehirns vergessen sollte. Denn Gene und Meme sind es, die uns bestimmen und deren Bestimmung wir für uns selbst gewahr werden müssen. Nichts anderes ist also sein Anliegen, dem Leser die Gehirnwäsche in kirchlichen Fragen zu geben. Klarer möchte er aufzeigen, wie die unbedachten Meme, die Floskeln und Redewendungen unseres Alltags biblischen, kirchlichen, katholischen Ursprungs sind. Er ist Verfechter einer dezidiert freigeistigen, humanistischen Perspektive.
Nicht zu empfehlen ist dieses Werk für unkritische Geister, die sich bei der Hinterfragung religiöser Tatbestände in ihren persönlichen religiösen Gefühlen verletzt fühlen könnten. Schmidt-Salomon ist nicht grenzüberschreitend, dennoch ist seine Rede grenzwertig. Gleichzeitig kennt er die Fehleranfällig jeder Erkenntnis und nimmt seine nicht aus. Kritik wird schon a priori pariert mit dieser Haltung.
Der Waschvorgang des Gehirn ist zweigeteilt, Vorwäsche, eher die harmlose, aber eben aufweichende Methode, die dann im Hauptgang nicht dem Versuch einer neuen Mem-Bildung widerstehen kann.
Ein sehr unterhaltsames Werk, dass die Fragen und das Hinterfragen von Begriffen und ihrer semantischen Verwendung in neues Licht rückt. "Der Mensch denkt, Gott lenkt". Als finale Konjunktion verstanden, vermisst man vielleicht das "dass" hinter dem Komma. Diese Denkweise finden Sie ebenso bei Wolfgang Schmidbauer (Warum der Mensch sich Gott erschuf. Die Macht der Religion, 2007)