Beim ersten kurzen Durchblick merkte man förmlich das es sehr gut war. Wenn man das Buch durchgelesen hat, ist einem zumute, als habe man erfolgreich einen Marathon hinter sich gebracht. Zweiffellos braucht der Leser seine `zweite Luft` auf Seite 458, wo er einen gelinden Schrecken bekommt, wenn er im Kleindruck unter Bezugnahme auf Küngs früheres Buch - Strukturen der Kirche - liest : Das dort in den Kapiteln 6 - 8 (S. 105-335) dargelegte muß hier vorausgesetzt werden. Warum ich mir so sicher bin, daß es sich bei Küngs Buch um ein klassisches Werk handelt?. An erster Stelle, weil in der Literatur zu diesem Thema eine Lücke besteht - selbst jetzt noch?.
Es ist kaum verständlich, aber trotz des mit der biblischen Theologie Hand in Hand gehenden starken Erwachens des Interesses an der Kirche als solcher hat bisher niemand gefunden, der in englischer Sprache ein klassisches Buch über die Kirche zuwege gebracht hätte. (Liest man Thornte Common Life in the Body of Christ heute noch einmal, so wird man finden, daß es überholt ist). Zum weiten ist Küng ein weißer Rabe, ein Vertreter der systematischen Theolgie, der nicht die speziellen Interessen seines Fachs verfolgt.
So schreibt er mit viel fingerspitzengefühl, Einfachtheit, Übersichtlichkeit und einem ungeheuren Wissen - ein bemerkenswertes Viergspann. Zum dritten beherrscht Küng meisterlich die biblische Exegese. Sein Ziel ist es, ein lebendiges Bewusstsein vom Wert Gottes, wie es in der Schrift bezeugt ist, zu wecken. Es ist seltsam, aber wenn römisch-katholsche Wissesnchaftler ihre Aufmerksamkeit auf die Bibel richten, geben sie, wie mir scheint, häufig bessere Exegeten ab als manche Protestanten. Zum vierten ist dieses Buch nicht allein Radikal und Reformfreudig : Es ist Revolutioär. Wenn die Menschen einmal die Bibel ernst und einsichtig zur Hand nehmen, weiß man nie, was für ein Ergebnis das bringen kann. Küng läßt sich von einer tief biblischen Spiriualität leiten. Zum fünften atmet das Buch einen echten ökumenischen Geist. Immer und immer wieder sagt der Nicht-Römer schließlich sein - Amen -, wenn nicht gar ein - Alleluja - und blättert zurück, um voll Verblüffung das krichliche - Nihil obstat - zu lesen, das unbeirrbar die Titelseite schmückt.
H.Küngs Einfluß in der ökumnischen Bewegung war groß. Wie liegt er als römischer Katholik?. Würde gern wissen, ob sein Einfluß in seiner eigenen Kirche entsprechend groß war oder sein wird, denn hier liegt das Problem. In dieser systematischen Untersuchung werden viele grundlegende Fragen diskutiett, so zum Beispiel das Verhältnis der Kirche und den Juden, zu den - Schwärmern -, den Häretikern sowie denen - extra ecclesiam . Küngs Methode besteht darin, der Schrift entnommene Prinzipien zu finden, von denen aus er das einzelne Problem in Angrifft nimmt. Doch kann der Auswahl dieser Prinzipien durchaus eine uneingestandene subjektive Haltung zugrunde liegen.
Nehmen wir als Beispiel sein Ausführungen über die Häresie. Küng anerkennt, daß in der Häresie stets eine Wahrheit liegt, und bestätigt sowohl guten Glauben bei Häretikern wie schlechten Leumund auf seiten der Kirche. Als Grundpinzip stellt er auf, daß auch in sachen des Glaubens die Liebe gesetze sein müsse. So schön das ist, zweifle ich doch daran, daß dies tatsächlich das biblische Prinzip für das Verhalten der Häresie gegenüber darstellt.
Küng beginnt damit, daß er zwischen der Wirklichkeit der Kirche und ihrer Berufung unterscheidet, und er stellt Kirche und Gottesherrschaft in eine großartige Gesamtperpektive hiein. Nach ihrer Grundstruktur schildert er die Kirche als Gottesvolk (aber weshalb neues Gottesvolk, ein ganz unbiblisches Attribut !?), als Geistesgeschöpf und als Leib Christi. Danach wendet er sich dem zu, was er die - Dimension - der Kirche nennt, und untersucht, was es heißt, daß sie einig, katholische, heilig und apostolisch ist, wobei er gelgentlich die konventionellen Auffassungen völlig auf den Kopf stellt. Die apostolische Nachfolge betrifft jeden einzelnen in der Kirche, sofern er sich um Übereinstimmung mit dem apostolischen Zeugnis um den Nachvollzug des apostolischen Dienstes und Gehorsam bemüht.
Der letzte Abschnitt von Küngs Buch ist den - Diensten in der Kirche - gwidmet (mit einer ausgezeicheten Untersuchung des Dienstamtes in der apostolischen und nachapostolischen Zeit) ; und erst das Schlußkapitel befaßt sich mit der Petrusmacht und dem Petrusdienst. Wie Küng eigens bemrkt, begehen Leser, die an dieser Stelle beginnen, einen Irrtum. Dennoch ist der letzte Abschnitt wichtig. Die englische Ausgabe (die zwar allerlei Druckfehler aufweist, aber gut übersetzt ist), ist dem Erzbischof von Canterbury gewidmet.
Das möge meine demütige Hoffnung bekunden, daß sich in den Seiten dieses Buches eine theologische Grundlage für eine annäherung zwuischen den Kirchen von Rom und Canterbury findet. Im folgenden Küngs Version dessen, was einmal geschehen könnte. Der Church in Engalnd (würde) die Garantie gegeben..., daß sie ihre gegewärtige autochthone und autonome Kirchen Ordnung unter dem Primas von Canterbury voll beibehlaten könnte (also nicht nur so wie die mit Rom unierten orientalischen Riten), und andererseits (würde) die Church of England einen patoralprimatdes Petrusdienstes als oberstes Vermittelung und Schlichtungsinstanz zwischen den Kirchen anerkennen. Wüßte mal, ob der Pastoralaprimat die Befugnis einschließt, Diskussionen zum Schweigen zu bringen, wie dies bei der Pille der Fall war.
In dem Fall müßten sich die Dinge noch weit und stark entwicklen, ehe Küngs begeisternde Vision nüchterne Wirklichkeit würde. Wie stellt sich Küng die Aussöhnung dieser beiden Kirchen vor ?. Über die päpstliche Unfehlbarkeit (Unsinn) und die Mariendogmen (auch Unsinn) ist hier praktisch nichts gesagt worden ; der Leser wird verwiesen auf Küngs Buch- Strukturen der Kirche. (Ich kann nicht umhin festzustellen, daß die seligste Jungfrau Maria sowohl im Stichwortverzeichnis wie im Text überhaupt nicht erwähnt ist, von ihrer Rolle als - Mutter der Kirche - , ganz zu schweigen. Das zeigt, welcher Abstand Küng von vielen seiner römisch-katholischen Zeitgenossen trennt (was ja auch so richtig ist).
Was die päpstliche Jurisdiktion betriffft, so wird erp Papst zu einem freiwiliigen Verzicht auf geistliche Gewalt gedrängt, ohne den weder die Wiederveinigung der Christenheit noch die Erneuerung der Kirche als möglich erachtet wird. Würde das Anstößige der Definitionen des Vatikanum I nicht so gegenstandlos werden wie etwa der Dictatus papae....wenn sich die Nachfolger Johanes XXIII. in freiwilligem Verzicht auf geistliche Macht dienend auf diese Linie verpflichten ?. Das freiwillige Ablegen des Symbols päpstlicher Herrschaft, der Tiara, durch Papst VI. und weitere in diese Richtung eisende Refommaßnahmen zeigen, daß diese Hoffnung nicht unbegündet ist. (S.533)
Küng ist nicht überschwenglich - seine Hoffnung hält er für - nicht unbegründet. Würde nicht ein freiwilliger Verzicht in perpetuo auf Wahrheiten und Funktionen, von denen man glaubte sie seien unfehlbar definiert, ihrer Ablehnung gefährlich nahe kommen?. Küng selbst vermarg damit fertig zu werden; aber kann es auch die ganze Kirche, zu der er gehört?. Die Entscheidungen des Konziles von Trient (oder anderer Konzile), so erklärt er, können nicht als bildene Definitionen betrachtet werden, wo sie Fragen betreffen, die heute im Licht völlig anderer Probleme in ganz anderer Weise gestellt werden.
Hier muß ich an Charles Davis` A Question of Conscience denken. Küng wird bei diesem Buch auf dem Wadchzettel folgendermaßen erwähnt : `Gerade weil Die Kirche nicht in einem Versuch geschrieben war, eine weitere Treue zur Kirche zu rechtfertigen, kann sie diesen Dienst um so besser versehen`. Küng ist auf seien Weise ebenso sehr betroffen von der Frage über den Unterschied zwischen der Aussage der Schrift und der üblichen Ppraxis. Davis glaubt, daß bestimtme päpstliche Dogmen falsch sind und öffentlich kritisiert werden sollten ; daher hat er die Kirche verlasen (was auch nur richtig ist).
Küng ist der Meinung, daß bestimmte päpstliche Funktionen unbiblisch sind und freiweillig auf sie vrzichtet werden sollte ; das sagt er innerhalb des Raumes der Kirche. Davis daß die innere Unklarheit der päpstlichen Äußerungen üner die Empfängnisverhütung und die Fortführung anzusehen sind. Küng kennt keine Schranken für die Erneuerung der Kirche, wenn sie dem Wort Gottes gegenübergestellt wird, wie es in der Schrift bezeugt ist. Wir zahlen unseren Einsatz und machen das Spiel. Und doch kann historisch gesehen kaum ein Zweifel daran bleiben, daß die Chancen für eine Verwirklichung von Küng Vision in weiter Ferne liegen. Aber für den Christen liegen die Chancen immer in weite Ferne. Das gehört mit zum Spiel.
Warum aber wird sich schlußendlich nichts in der Kirche ändern ?, weil man sich nicht beugen will. Man selbst nimmt sich als Maß. Das aber kann nur zur Selbsttäuschung werden, denn das ist das Miteinläuten des Niederganges der eigenen Religion.
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