Die Autorin geht der Frage nach, warum in unserer Gesellschaft heute so wenige Kinder geboren werden. Dabei betrachtet sie das Problem vor allem aus weiblicher Sicht. Ferner geht sie von der irrigen Annahme aus, dass Menschen gerne Kinder hätten, wenn die Verhältnisse nur ausreichend günstig wären. Entsprechend formuliert sie (die üblichen) Vorschläge, die sich um eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. eine stärkere männliche Beteiligung an der Familienarbeit ranken.
Leider verkennt sie dabei die besondere Situation von Sozialstaaten. Auch in Honigbienensozialstaaten gibt es eine strikte Arbeitsteilung zwischen primär produktiven (Arbeiterinnen) und reproduktiven (Königinnen) Tätigkeiten, in diesem Fall sogar unter den Weibchen. Es handelt sich dabei um keine Marotte der Natur, sondern um eine biologische Notwendigkeit, der ganz ähnlich auch menschliche Sozialstaaten unterliegen. Um es kurz zu machen: Wenn sich alle Arbeiterinnen sowohl an der gemeinsamen Nahrungsbeschaffung beteiligen würden als auch individuell beliebig viele Eier legen dürften, dann würden diejenigen Arbeiterinnen die meisten Nachkommen haben, die die wenigste Zeit für soziale Aufgaben verrichten. In der Folge würde sich der Insektensozialstaat auflösen, weil sich immer weniger Exemplare an den sozialen Aufgaben beteiligten. Unter genau dem gleichen Problem leidet auch unser Sozialstaat. Bedauerlicherweise tun Sozialwissenschaftler Argumente, deren Wurzeln in der Biologie liegen, oftmals vorschnell als Biologismus ab, was ein Fehler ist.
Einmal mehr ignoriert Beck-Gernsheim das Problem Mehrkindfamilie, die es aufgrund des in modernen Gesellschaften zu erwartenden hohen Anteils an Kinderlosen und Einkindfamilien, weiterhin in nennenswerten Anteilen geben muss. In solchen Familien fällt für gewöhnlich so viel Familienarbeit an, dass die Eltern (meist primär die Mutter) ihr berufliches Engagement reduzieren müssen. Der Familie entstehen dann mit jedem Kind zusätzliche Kosten, während gleichzeitig ihre Einnahmen sinken. Andere Autoren haben deshalb längst plausibel darauf hingewiesen, dass es sich bei der klassischen Ernährerfamilie (egal ob nun der Vater, die Mutter oder beide Elternteile die Ernährer sind) um ein patriarchalisches Konstrukt handelt, welches in der aktuell gelebten Ausschließlichkeit unter der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht länger bestehen bleiben kann.
Nach der Lektüre blieb bei mir das schale Gefühl zurück, dass es der Autorin überhaupt nicht um Lösungsvorschläge für ein drängendes Problem ging, sondern um die Vertretung eines geschlechtspolitischen Standpunktes.