Das Problem mit Krimis ist, dass es so wenig gute davon gibt. Dies ist hier ist ein klassischer Polizei-Krimi - ein Verbrechen am Anfang, dann ermittelt der Kommissar. Das ist ja schon mal Geschmackssache - vor allem wenn es um eine ganze Krimi-Reihe geht, in deren Mittelpunkt immer der gleiche Ermittler steht, in diesem Fall John Rebus. Mir persönlich ist schon dieser Ansatz etwas zu bieder.
Mit diesen Vorbehalten ausgestattet, machte ich mich an meinen ersten Rankin. Und der kann wirklich schreiben, Respekt. Um einiges flotter, witziger und pointierter als Mankell und sein "Wallander". Einer der wirklich fähigen Krimiautoren. Nur man muss natürlich nicht nur stilistisch brillieren, sondern auch inhaltlich. Hier liegt für mich die Schwäche des Buchs. Über knapp 600 Seiten ließ ich mich zwar von Rankins amüsantem, kurzweiligen Stil blenden, fragte mich dann aber, ob diese vielen Seiten eigentlich irgend etwas mit der Aufklärung der Tat zu tun hatten.
All die vielen Verflechtungen der Vergangenheit, all die Personen, die sich schon früher und unter anderen Vorzeichen begegnet sind, all die offenen Rechnungen, die vielen Beteiligten, die ihre schmutzige Wäsche waschen, all das hat am Ende eigentlich nur recht wenig mit der Tat zu tun. Man könnte also tatsächlich den Anfang und dann gleich das Ende lesen und hätte - kriminologisch gesehen - nichts verpasst, außer eine sehr unterhaltsame Geschichte. Das lässt einen doch etwas frustriert zurück. Mal wieder also ein hochgelobter Krimi, der doch nicht hält, was die Kritik und die vielen begeisterten Leser versprechen. Empfehlenswert für Krimi-Fans, die das Polizei-Milieu mögen und für die Story wichtiger ist als die Logik.