"Die Kinder der Schande" handelt von einem der größten Nachkriegsprobleme, das zwischen Frankreich und Deutschland bestand bzw. besteht: Es geht um die rund 200 000(!) Kinder, deren Mutter Französin, deren Vater aber ein deutscher Besatzungssoldat war.
Diese Kinder gehen heute auf die 70 zu, haben selbst Kinder bzw. Enkelkinder - und müssen selbst heute noch vielfach die Herkunft ihres Vaters verschweigen.
Sehr spät hat man sich in Frankreich (und Deutschland) dieses Problems angenommen; für viele Betroffene ist es eine Befreiung von einer schweren Last, bei vielen werden aber auch alte Wunden aufgerissen.
Die beiden Autoren gliedern ihr Buch in 2 Teile: Im 1. Teil wird von 12 (exemplarischen) Fällen berichtet; der 2. Teil enthält 12 Theoriekapitel.
Für den "normalen" Leser ist sicherlich der 1. Teil von größerem Interesse, denn hier zeigen sich alle Facetten menschlichen Schicksals. Von strikter Ablehnung des Kindes durch die Mutter bzw. durch die französischen Großeltern bis zur freudigen Annahme des Enkels durch die deutschen Großeltern, die in ihrem französischen Enkel ihren Sohn wiederfinden, der später im Krieg fiel, findet sich alles.
Ein roter Faden zieht sich allerdings durch (fast) alle Geschichten: Die Ablehnung des Kindes eines Deutschen durch ihre Mütter. Aus der Situation heraus vielleicht verständlich, aber menschlich unverständlich!
Den beiden Autoren ist es jedenfalls gelungen, ein lange verdrängtes Kapitel aus dem 2. Weltkrieg lebendig gemacht zu haben, denn: Viele deutsche Soldaten, die ab 1940 als Besatzer in Frankreich anwesend waren, waren kaum 20 Jahre alt. Und außerdem war die deutsche Besatzung für die Franzosen bis 1942 einigermaßen erträglich. Dass sich da Liebesbande (mit den entsprechenden Folgen) ergaben, verwundert kaum.
Am wichtigsten ist wohl, dass die beiden Autoren Menschen, die ihre Herkunft jahrzehntelang verleugnen mussten, eine Stimme gaben. Nun stehen sie plastisch vor uns: die Kinder, vielfach aber schon die Enkelkinder, deren Vater bzw. Großvater ein "Feind" war.