Ich finde Geschichten über die Borgia-Familie immer wieder interessant zu lesen, weil dort meistens sämtliche Vorurteile & Niederträchtigkeiten bedient werden. So auch in "Die Kinder des Papstes". Kalogridis hat damit nicht nur ein interessanten, sondern auch überaus spannenden Lesestoff geliefert:
Kalogridis erzählt die Geschichte der Borgias aus der Sicht der Sancha von Aragon, die mit dem jüngsten Sohn - Jofre - des infamen Borgia-Papstes vermählt wurde. Sancha gewährt dem Leser intime, detailgetreue und faszinierende Einblicke in den Borgia-Clan: Ausschweifungen, politische Ambitionen, Brudermord, Inzest, Ämterhandel, Racheakte, Kriege. Dabei wurde nicht mit Grausamkeiten und Gräueln gespart, aber diese sind historisch belegt und machen den Roman um so glaubwürdiger.
Die Charaktere sind sehr real und die Schilderungen des Lebens inmitten der Borgias plastisch. Man meint fast, mit Sancha im Neapel des Jahres 1499 zu sein oder aber mit ihr und Cesare in der Sixtinischen Kapelle. Interessant fand ich insbesondere Lucrezia Borgia, denn sie wird hier einmal nicht nur als männermordende, lüsterne Giftmischerin geschildert, sondern eher als Unterpfand bei den mehr als ehrgeizigen politischen Ränkeschmieden ihres Vaters und ihrer Brüder. Daher kann man als Leser ihre Handlungsweise zum Teil sehr gut nachempfinden und sieht die vermeintliche schwarze Witwe einmal in einem anderen Licht.
Fazit: Lassen Sie sich dieses Buch nicht entgehen!