Ich kann den bisherigen Rezensionen nur zustimmen, dieses Buch ist wirklich zu empfehlen, vor allem für die Menschen, die sich für die Lebenswelt der ägyptischen Jugend interessieren. Ich schreibe aber diese Rezension, um einen Punkt noch einmal hervorzuheben. Der Autor, Joris Luyendijk, hat sich wirklich unter das Volk gemischt. Er hat gelebt mit jungen Leuten bzw. Studenten der unteren Mittelklasse, im Grunde sogar der Unterschicht (denn eine breite Mittelschicht im europäischen Sinne gibt es in Ägypten nicht). Er war sich nicht zu schade oder zu fein, sehr einfach zu leben. Jeder, der einmal in den Wohngebieten der großen Mehrheit der Ägypter gelebt hat (z.B. in Shubra), der weiß, wie "einfach" es dort zugeht und wie schwierig es für einen Europäer ist, sich dort wohl zu fühlen bzw. überhaupt klar zu kommen. Dadurch aber hatte der Autor Kontakt zu sehr interessanten und unterschiedlichen Typen, was uns einen einzigartigen Einblick gewährt. Die meisten Berichte westlicher Literaten "berichten" über die Mittel- und Unterschicht, sie haben sich aber unterhalten mit der Oberschicht und gelebt haben sie dort auch. Luyendijk macht es anders - und das macht sein Buch so besonders. Und dann sehen wir auch, dass diese Gesellschaft, die von außen so statisch und ähnlich aussieht, in viele kleine Teile zerfällt, das es eben nicht so einfach ist "das Denken" der "einfachen Ägypter" zu beschreiben, dass diese Gesellschaft deutlich vielschichtiger ist, als der westliche Beobachter es oft sehen kann. Der Autor war mutig, das Buch ist mutig, und das Ergebnis ist etwas ganz Besonders.