Ich mag irisch/ britische Literatur, Romane, in denen Handlungen nebensächlich sind, wo es auf Sprache und nur bedingt auf logisch konstruierte Geschichten ankommt. Eine Unmenge von Stoff, einfach der Nase nach ordnen, einfach die Straße runter, von Hölsken auf Stöksken. Also habe ich auch zu "Killoyle" gegriffen, zumal es auch noch von Harry Rowohlt übersetzt wurde, dem Quasi-Monopolisten dieses Genres.
Eine verrückte und angeblich ausserordentlich virtuos erzählte Geschichte wurde mir versprochen. Eine Geschichte um die Kleinstadt Killoyle und ihre Bewohner: Möchtegerndichter Milos Rogers macht einem Ex-Pin-up-Girl den Hof. Barkeeper Patrick Murphy verschreibt sich dem Terrorismus. Pater Doyle tröstet sich mit Alkohol darüber hinweg, dass er Rom nie wiedersehen wird. Und eine ominöse Stimme aus dem Off kommentiert dieses kuriose Schauspiel. Alle Zutaten sind da, auch die Fabulierfreude ist unübersehbar. Doch wo bleibt der so von mir geliebte scharfzüngige, trockene Humor, wo bleiben die wirklich kuriosen Szenen und Begebenheiten, wo die messerscharfen sarkastischen Dialoge ? In Ansätzen vorhanden, meist nur zu erahnen. Es schmeckt nicht, wie auf dem Klappentext angekündigt, wie ein frischgezapftes Guinness sondern wie ein Guinness von gestern.