Unglaublich, dieses Machwerk! Ich bin ja ein Fan gut recherchierter Mittelalter-Romane, aber dieses Buch ist einfach ein Ärgernis.
Zum einen die Sprache: Nicht nur, dass sie klischeeüberladen und dümmlich daher kommt, sie scheint teilweise dem Wortschatz pubertierender Jugendlicher unserer Zeit zu entstammen und passt überhaupt nicht ins 13te Jahrhundert (kann man sich vorstellen, dass damals jemand den ausgestreckten Mittelfinger als Schmähung hochgehalten und das auch noch als "Stinkefinger" bezeichnet hat?)
Dann ist der Text teilweise historisch einfach falsch: Die Dogmen der Unfehlbarkeit des Papstes und der unbefleckten Empfängnis Mariä, beispielsweise, sind erst einige Jahrhunderte später entstanden - kann man da noch auf die Glaubwürdigkeit der anderen "historischen Angaben" im Text sowie im Glossar vertrauen?
Nebenbei stimmen die geografischen Angaben im Text teilweise nicht mit den (wenig erhellenden) Karten auf den Umschlaginnenseiten überein. Offenbar weiß Herr Berling nicht, wie sich Norden, Osten, Süden und Westen zueinander verhalten.
Der Gipfel allerdings ist die pornografische Seite dieses Buches! In zunehmendem Maße ergeht sich Herr Berling in voyeuristischen bis sadistischen Szenenbeschreibungen, die sich auf dem Niveau nachmitternächtlicher TV-billig-Erotikprogramme bewegen. Nun, für Manchen mag das ja ein Bonuspunkt für "Die Ketzerin" sein ...
Auffallend ist, dass im letzten Drittel des Buches sich die Orthografie- und Interpunktionsfehler immer mehr häufen; offensichtlich hatten die Lektoren irgendwann keine Lust mehr, diesen literarischen Schund zu lesen - ich kann's ihnen nicht verdenken. Das offen gehaltene Ende dieses Buches ließ mich mit Schrecken befürchten, dass Herr Berling an eine Fortsetzung seiner Geschichte denkt. Die Rezensionen auf dieser Seite lassen mich erkennen, dass dieser Befürchtung bereits vorgegriffen wurde (da "Die Ketzerin" die Vorgeschichte zu anderen Berling?Romanen ist). Ich weiß, um welche Bücher ich daher einen Bogen machen muss. Und mein Exemplar der "Ketzerin" sollte ich eigentlich an Herrn Berling schicken, denn in meinem Bücherregal will ich es bestimmt nicht haben. Verschenken kann ich es auch nicht - wem könnte ich solch ein Machwerk zumuten?
Horst Faigle