"Die gesamte Rasse....ist geradezu verrückt nach Krieg, übermütig und schnell in der Schlacht....und unabhängig davon, warum man sie gegen sich aufbringt, sehen sie der Gefahr selbst dann ins Auge, wenn sie nicht anderes einzubringen haben, als ihre Kraft und ihren Mut."
(Strabon)
Nach der Veröffentlichung des englischsprachigen Originaltitels "Celtic Warrior: 300 BC-AD 100" durch Osprey Publishing im April 2001, dauerte es länger als 10 Jahre, bis vom Brandenburgischen Verlagshaus schließlich auch eine deutsche Ausgabe herausgegeben wurde....
....doch die lange Wartezeit hat sich gelohnt, denn deutschsprachige Edition weist mit 77 Seiten nicht nur dreizehn mehr als das britische Original, sondern auch ein etwas größeres Format auf.
Wie bereits das Eingangszitat des griechischen Geschichtsschreibers und Geographen Strabon (etwa 63 v. Chr. - nach 23 n. Chr.) verdeutlicht, war der keltische Krieger für seine Feinde der Inbegriff des barbarischen Archetypen. Ein schmerzunempfindlicher Kämpfer der sich nackt in die Schlacht stürzte, um seinen Feinden den Kopf abzuschlagen und anschließend als Trophäe zu präsentieren. Die Keltoi (griechisch: die Tapferen, Edlen) waren das genaue Gegenteil der gedrillten griechischen Hopliten und römischen Legionäre. Stephen Allen zeichnet in seinem reich mit schwarz-weißen Abbildungen ausgestatteten Band ein lebendiges Bild vom Leben des keltischen Kriegers, seinem Platz in der Gesellschaft sowie seiner Lebens-, Kampf- und Sterbeweise.
In dem ersten von insgesamt fünf Kapiteln geht der Autor anhand von Belegquellen der Frage nach "Wer waren die Kelten". Zu einer Karte Europas mit der Verbreitung der Kelten um etwa 200 v. Chr. gibt es einen kurzen historischen Überblick, sowie eine tabellarische Chronologie in der die Ereignisse vom 8. vorchristlichen Jahrhundert (Hallstadt-Kultur) bis zur Errichtung des Hadrianswalls in den Jahren 122 - 138 n. Chr. markiert werden. Das zweite Kapitel befasst sich mit der auf einem Klientelsystem beruhenden Struktur der keltischen Gesellschaft und dem Status, den der keltische Krieger darin einnahm. Während Raubzüge und Festgelage im Mittelpunkt des Kriegerlebens standen, nahm auch die Jenseitsvorstellung mit ihren Riten - bis hin zu Menschenopfern - eine bedeutende Rolle ein. Erscheinung, Kleidung, Waffen und Ausrüstung sing Gegenstände des dritten Kapitels. Interessant ist, dass die Wangenklappen des keltischen Helms von den Römer übernommen wurden.
Nachdem auf 10 Bildtafeln das Phänomen keltischer Krieger, vornehmlich in der Schlacht, eindrucksvoll in Szene gesetzt wird (die Erläuterungen hierzu finden sich auf Seite 71 ff.), wird das "Anlitz der Schlacht" von der Aufstellung in ritueller Nacktheit und unter ohrenbetäubenden Lärm anhand der Schlachtekstase im Nahkampf und dem Einsatz von Reitern und Streitwagen geschildert. Ein "Nachtrag" greift schließlich noch die Themata der Kriegsbeute und den Kult des abgetrennten Kopfes auf, der von den Kriegern als Sitz der unsterblichen Seele betrachtet wurde. Trotz dunkler, Furcht einflößender Götter hatten die Krieger eine besondere Haltung zum Tod, da sie an ein Jenseitiges Weiterleben glaubten. Obgleich der Kampf bis zum Tode stets einer erniedrigenden Kapitulation vorgezogen wurde, gab es Situationen in denen dies nicht möglich war. Statt sich lebendig gefangen nehmen zu lassen, gefoltert, schmachvoll getötet oder gar als Sklave verkauft zu werden, bot sich dem Krieger der rituelle Suizid als letzte Ehrentat. In einem letzten Abschnitt wird der Umgang der Kelten mit ihren Toten erklärt, denn selbst über seinen Tod hinaus konnte ein Krieger seinen Status verkünden.
Den Abschluss des beeindruckenden Bandes bilden ein zweiseitiges Glossar, eine in Primär- und Sekundärquellen gegliederte Bibliografie, eine Auflistung besuchenswerter Orte und Museen.
5 Amazonsterne für einen textlich und visuell gelungen Einstieg in ein spannendes Thema.