Die Kaufmannstochter ist der erste Teil einer fünfteiligen Saga über eine Frankfurter Kaufmannsfamilie. Den Auftakt macht Bertram Geimersheimer. Er kommt Punkt Mitternacht zur Jahrhundertwende 1500 als Steißgeburt zur Welt. Seinerzeit war das ein böses Omen, sodass er von seiner Familie verstoßen bei einer Hebamme aufwächst. Als 12-jähriger lernt er nach einem Überfall den Frankfurter Kaufmann Ludovik von Stetten kennen. Aus Dankbarkeit, dass Bertram ihm das Leben gerettet hat, nimmt er ihn mit nach Hause und stellt ihn als Schwengel ein. So lernt Bertram, was für ein gutes Geschäft notwendig ist und bekommt ein Gespür für lukrative Geschäfte. Wieder und wieder verhilft er so seinem Lehrherren zu einem beträchtlichen Gewinn.
Aber es geht nicht nur um den Handel in Ines Thorns Familiensaga. Bertram hat durch seine Herkunft bedingt ein Geltungsbedürfnis. Er arbeitet stetig an seiner eigenen Stellung in der Gesellschaft und schreckt auch nicht vor Intrigen und Betrug zurück. Bald schon kann er sich ein Haus kaufen und heiratet Gutta, die Tochter eines angesehenen Kaufmanns. Mit ihr hat er drei Kinder. Dennoch sind die beiden nicht glücklich miteinander. Auch diese sozialen Dispute schildert die Autorin feinfühlig und verleiht der Geschichte zusätzlich Lebendigkeit.
Ines Thorn hat zu diesem Roman eine ausführliche Recherche über Frankfurt im 16. Jahrhundert betrieben. Wie auch in den anderen Romanen passen so die fiktiven Elemente zu den historisch belegten. Der Roman lässt sich flüssig lesen und zieht den Leser in die Zeit der beginnenden internationalen Handelsbeziehungen. Durch Bertram gewinnt man Einblick, wie die damaligen Händler sich organisiert haben und einen Gegenwert für ihre Ware ermittelt haben. Auch religiöse Besonderheiten werden mit eingebracht. So ergibt sich ein rundes Gesamtbild, das einen stimmigen Historienroman schildert. Der erste Abschnitt der Saga endet 1570 mit dem Tod Bertrams. Fortgesetzt wird sie mit Die Tochter des Buchdruckers.