Eins vorweg: Joy Fielding versteht ihr Handwerk. Im Gegensatz zu einigen ihrer KollegInnen kann die Frau wirklich schreiben. Wie sie das journalistische Metier beschreibt, wie sie Dialoge skizziert und Szenen entwirft, das hat Routine und Klasse und verdient Bewunderung. Auch das journalistische Umfeld der Hauptperson, einer Kolumnenschreiberin, leuchtet sie vorzüglich aus und die Psychologie der handelnden Personen ist verblüffend stimmig.
"Die Katze" ist eigentlich eine Familiengeschichte, die Geschichte einer Familie, in der ein gefühlskalter intellektueller Vater mitsamt vier Kindern von seiner Frau wegen einer anderen Frau verlassen wird und aus Rache alle Kontaktversuche der Mutter zu ihren Kindern unterbindet.
Fielding erzählt gekonnt von den Brüchen und Verwerfungen und Folgen, die diese Familiengeschichte für die einzelnen Kinder hat und schildert den Prozess einer behutsamen Wiederannäherung der Mutter an die erwachsenen Kinder rührend.
Aber da ja ein "Thriller" angekündigt ist, muss die Protagonistin, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, ihr erstes Buch ausgerechnet über eine Frau schreiben, die angeklagt ist, mehrere Kinder gefoltert und ermordet zu haben. Auch die Interviews und das psychologische Profil dieser Frau in der Todeszelle bewältigt die Autorin noch mit erstaunlicher Brauvour.
Leider versucht sie dann am Ende in einem hanebüchenen Showdown, dem "Thriller"-Anspruch endgültig gerecht zu werden. Damit stürzt der bis dahin überzeugende Roman am Ende leider unverdient ab.
Es wäre vorteilhafter gewesen, die Autorin hätte sich auf die psychologische Schiene beschränkt, wo sie teilweise brilliert. Dann wäre es zwar kein Thriller gewesen, aber der Roman hätte seine Glaubwürdigkeit bis zum Ende hinüberretten können.
So ist es auch kein Thriller geworden und das Ende hinterlässt ein wenig den faden Nachgeschmack, hier würden Kindesmissbrauch und -mord instrumentalisiert, um einen Roman in ein auflagestärkeres Segment zu hieven.