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Katholiken versuchen zu verstehen - und zu verteidigen, 2. November 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Katholiken und das Dritte Reich (Broschiert)
Es handelt sich um einen Sammelband, bestehend aus Beiträgen verschiedener Historiker. Dem wissenschaftlichen Anliegen entsprechend, bemühen sich diese um Differenzierung: So unterscheiden sie etwa "vier Stufen des Widerstands" (S.175):
1. punktuelle Nonkonformität (z.B. Schimpfen),
2. Verweigerung (passive Nicht-Anpassung),
3. öffentlicher Protest,
4. aktiver Widerstand (= Widerstand im engeren Sinn), auf politischen Umsturz ausgerichtet.
Solche Differenzierungs-Versuche sind wertvoll, insofern ist die Lektüre anregend.
Die katholischen Autoren versuchen, das damalige Verhalten der Kirchenführung zu verstehen. Dieses "Verstehen" kann leicht in ein Rechtfertigen und Verteidigen hinübergleiten. (Als baptistischer Biograph des NS-kritischen Baptistenpastors Arnold Köster ist mir diese Gefahr vertraut! Übrigens wäre dieser Pastor nach der hier genannten Stufenfolge in die Stufe 3 einzuordnen.)
Bei solchem "Verstehen" wird mitunter die NS-Distanz überbetont. So wird ein - niemals veröffentlichter! - Entwurf der deutschen Bischöfe als einer "der bemerkenswertesten Texte des deutschen Widerstandes" bezeichnet (S.185). Aber kann man eine bloße Idee bereits als "Widerstand" bezeichnen?
Angesichts dessen, daß viele Historiker das Verhalten - und die Passivität - der damaligen Kirchenleitungen scharf kritisieren, ist eine solche, um Verständnis bemühte Darstellung (im Sinne einer Ergänzung) geradezu notwendig!
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