Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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79 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessant,aber blutarm, 19. März 2008
Mit blutarm meine ich jetzt nicht,dass dieses Buch ohne die Beschreibung von Grausamkeiten auskommt,sondern die darin auftretenden Personen.
Die Idee,einen flüchtigen Leibeigenen mit Sohn ins gelobte Barcelona zu schicken,um dort die Freiheit zu erlangen und den weiteren Lebensweg von Vater und Sohn zu erzählen,ist ja gut,aber es bleibt zu oberflächlich.
Falcones Charakterisierung der handelnden Personen ist eher schlicht,ihre Entwicklung stagniert(ausgenommen die von Joan,der ein paar Ecken und Kanten zeigt).
Dass der kleine Arnau sich für die Kirche Santa Maria del Mar begeistert-gut,dass er den Basteixos Verehrung entgegenbringt und sie mit Wasser versorgt-auch gut,aber dass er so ohne weiters selbst als Basteix aufgenommen wird,ja dass diese Lastenträger offensichtlich alle nur nett,freundlich und hilfsbereit sind-na ja.
Überhaupt sind alle Menschen,denen der Protagonist Arnau begegnet entweder ganz gut oder ganz böse(wie gesagt,ausgenommen sein Ziehbruder Joan,der eine Entwicklung vom Straßenjungen zum linientreuen Priester durchmacht).Diese Schwarz-weiß-Malerei ist ein bisschen dürftig und vergibt Chancen.
Die Kirche Santa Maria del Mar macht neugierig,ihre Beschreibung ist schön und erweckt den Wunsch,sie einmal im Original zu sehen-das immerhin hat Ildefonso Falcones geschafft!
Drei Sterne also- man kann dieses Buch ganz gut lesen,aber es ist kein absolutes Muss...
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47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Mittelalter, die Grausamkeit und das Glück, 14. Februar 2008
Ildefonso Falcones Die Kathedrale des Meeres
Scherz Verlag ISBN 3502100977
Dramatisch beginnt die Geschichte, in der das Leben des Arnau Estanyiol seinen Anfang nimmt.
Wir schreiben das Jahr 1320.
Brutale Lehnsherren machen den Bauern, die den Status von Leibeigenen haben, das Leben zur Hölle. Bernat, der Vater von Arnau, muß erleben, dass bei seiner Hochzeit mit Francesca der Lehnsherr auf dem Recht der ersten Nacht, dem Ius primae noctis, besteht. Mit seinen gröhlenden Soldaten plant er weitere Schandtaten. Francesca ist dem Überfall nicht gewachsen und bleibt innerlich erstarrt zurück. Als Arnau geboren wird, kann sie keine Liebe für den Sohn empfinden. Nachdem der Lehnsherr sie auch noch als Amme abkommandiert hat, und ihr Sohn in einem Schuppen zu verhungern droht, wird er von seinem Vater entführt. Er flieht mit ihm nach Barcelona.
Hier beginnt ein Leben in Armut und Abhängigkeit, mit Demütigungen und Schwerstarbeit. Die Schwester von Berat, die mit einem hoch gekommenen Handelsherren verheiratet ist, kann zuerst helfen. Nach ihrem Tod heiratet ihr Mann erneut, dieses Mal eine Adlige. Sie lässt ihren Hass und Spott an den armen Hilfsleuten aus.
Hass gebiert Hass und zieht immer neue Schikanen nach sich.
Arnau findet einen Freund und Bruder im Geiste, Joan. Dank der Protektion eines Priesters kann dieser eine Domschule besuchen. Berat sieht beide Jungs nun als seine Söhne an.
1334 kam es in einem Hungerjahr zum Aufstand der Barcelonesen. Dabei kommt Berat zu Tode.
Arnau wird mit erst 14 Jahren in die ehrenwerte Zunft der Bastaixos, der Lastenträger, aufgenommen. Es sind die Basteixos, die im Hafen die Schiffe beladen und entladen.
Inzwischen ist Arnau gläubig geworden. In Ermangelung einer Mutter hat er die Jungrau Maria für sich entdeckt.
In Barcelona sucht er die Kirche Santa Maria auf, die einen Überbau bekommen soll: dort entsteht die Kathedrale Santa Maria del Mar, die Kirche des Volkes. Sie gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt und ist in nur 55 Jahren erbaut worden. Den Bastaixos gereicht es zur Ehre, in ihrer Freizeit kostenlos die Steine für die Kathedrale herbeizuschleppen!
Arnaus weiteres Schicksal bestimmt den Fortgang der Geschichte.
Falcones hat in seinem opulenten Roman die Geschichte Spaniens im Mittelalter verarbeitet. In einem Nachwort kann man lesen, wo er sich an historische Tatsachen gehalten hat, und wo sein Roman fiktiv bleibt.
Gelungen ist der Einblick in eine Zeit, in der schroffe Verhältnisse herrschten. Die Reichen und Adligen hatten das Sagen. Bauern und Leibeigene sind den Gräueltaten der Herrschenden ausgesetzt. Recht und Ordnung wurden mit martialischen Maßnahmen durchgesetzt.
Was einfach beginnt und als Geschichte sofort gefangen nimmt, weitet sich zu einem gewaltigen Gesellschaftsepos.
Da fehlt nichts: von der Pest und dem Judentum, vom Geldwechsler zum Angeklagten, von der Liebe und dem Sumpf der Verkommenheit, Intrige, Glanz und Gloria ist jedes Genre der Geschichte vertreten.
Der Focus richtet sich auf die Hauptpersonen, die dem Erzählstrang den roten Faden liefern. In erster Linie sind das Arnau, sein Vater Berat, Joan und der Pater Albert. Später finden noch weitere wichtige Personen Eingang in das Handlungsgemenge. Für sie interessiert man sich, möchte jede Einzelheit ihres Lebens mit ihnen teilen, und man empfindet Sympathie, Anteilnahme oder je nach Lage der Dinge auch Hass.
Aus den Anfängen einer ländlichen Gemeinschaft, der Hochzeit von Berat mit Francesca, in der es zuerst noch heiter und fröhlich zuging, erblüht ein Roman, der die Zeit in ausufernder und mit Detailkenntnissen versehener Manier ausmalt. Die Architektur, Kriege, Inquisition, Marterungen und Fehden zwischen Adelshäusern bieten ausreichend Stoff, um einen spannenden Schmöker daraus zu erdichten.
Von gelegentlichen Längen einmal abgesehen kann man sich dem Sog der Lektüre nicht entziehen.
Die Personifizierung von Geschichte ist lehrreich, weil trockene Daten ein Gesicht bekommen.
Der erste Roman von Ildefonso Falcones, eines Anwalts aus Barcelona, steht schon lange auf Bestsellerlisten und wird sicher seinen Erfolg fortsetzen!
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54 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erfolgsschmöker!, 9. Januar 2008
Dem Vergleich mit Ken Folletts Buch "Die Säulen der Erde", dessen langersehnte Fortsetzung im Frühjahr erscheinen wird, der ja bereits von meinen Vor-Rezensenten angestellt wurde, kann Ildefonso Falcones Schmöker "Die Kathedrale des Meeres" spielend standhalten!
Auch in diesem Buch wird ein sehr pralles Mittelalter-Szenario mit viel Liebe zum Detail für den Leser erfahrbar.
Zurecht ist dieses Buch in Spanien ein absoluter Megaseller, auch hierzulande wird das Buch gewiss eine große Fangemeinde erreichen.
Ildefonso Falcones beschreibt auf über 600 Seiten das Leben des Arnau Estanyol im Barcelona des 14. Jahrhunderts. Dieser Arnau kommt als Säugling mit seinem Vater als Landflüchtling in die reiche katalonische Metropole und erlebt eine entbehrungsreiche Kindheit im Haus seiner Tante und seines Onkels, bei dem er mit seinem Vater schnell in Ungnade fällt. Als sein Vater aufbegehrt und hingerichtet wird, muss sich Arnau alleine durchkämpfen.
Sein Mittelpunkt wird der Bau der Kathedrale Santa Maria del Mar, eine Kirche vom Volk für das Volk, wo er als Steineschlepper anheuert. Über viele Umwege und Zufälle gelingt ihm schließlich ein märchenhafter Aufstieg zum Seekonsul, doch auf dem Weg dorthin schafft er sich viele mächtige Feinde....
Der Autor hat das Genre sicher nicht neu erfunden, aber er beherrscht die Klaviatur perfekt! Sein Buch ist so facettenreich und farbig erzählt, das es auch Leser, die eigentlich gerne ihre Vorurteile und Abneigungen gegen historische Romane pflegen, zu begeistern versteht!
Man sieht, hört, riecht und schmeckt das Gewirr des barcelonesischen Hafenviertels, es ist ein sinnenreiches Lesevergnügen, das Ildefonso Falcones hier dem Leser beschert.
Genau das richtige Buch, wenn man abschalten möchte und sich hineinziehen lassen mag in eine üppig ausgestaltete Erzählwelt.
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