aber die Stärke gerade dieser Ausgabe liegt darin, daß man den griechischen Originaltext zum Vergleich heranziehen kann. Die Herangehensweise bei der Übersetzung hat bestimmt ihre Vorteile, allerdings ist es fraglich, ob das Vermeiden der traditionellen Terminologie einer dieser Vorteile sein kann, da es dann zum einen doch recht schwierig ist, den Zusammenhang zu anderen Texten zu verstehen, zum anderen die Übersetzung nicht unbedingt besser ist.
Die Punkte im Einzelnen:
- Darüber, wie man die spezifische Terminologie am besten übersezt, kann man trefflich streiten.
Bsp.: Die zentralen Begriffe aristotelischer Logik (Substanz, Qualität etc.) sind im Originaltext substantivierte Fragepartikel, etwa "das Was" für den Begriff Substanz, "das Wie" für den Begriff Qualität etc.
- Ob der aristotelische Text allein überhaupt ausreicht, um die dahinterliegende Gedankenwelt zu verstehen, wage ich zu bezweifeln.
Bsp.: Der Original-Text beginnt mit der lapidaren Aussage, das Worte entweder miteinander verbunden oder unverbunden gesprochen werden. Die darauf folgenden Beipiele zeigen (dem Logiker) gleich, daß es ihm um die Konzepte Subjekt und Prädikat geht. Erkennt man das allerdings nicht, artet die weitere Lektüre in eine recht unübersichtliche Liste unterschiedlicher Beispiele aus, deren Bedeutung für die Argumentation dann oft schwer zu durchschauen ist.
- Die fundamentalen Erkenntnisse dieser Schrift sind oft unter einem Wust an Spezialfällen, Nebenüberlegungen und Beispielen verborgen.
Bsp.: Für die Definition des Konzeptes "Mensch" ist es zunächst unerheblich, ob eine Abbildung eines Menschen auch so bezeichnet wird oder nicht. Natürlich muß man da begrifflich sauber bleiben, aber an dieser Stelle eine ganze Systematik über gleiche Namen für verschiedene Dinge zu bringen, ist gewiss nicht im Sinne einer didaktischen Reduktion.
- Für die wenigsten ist wohl interessant, daß der griechische Originaltext ausgesprochen klar und schön geschrieben ist. Die Übersetzung zeigt dies leider nicht, weil sie gelegentlich zu wörtlich bleibt und sich vieles im Deutschen nicht wirklich nachmachen läßt.
Bewertung und Fazit:
***** für den Original-Text selbst, der ein Meilenstein abendländischer Geistesgeschichte ist.
***** für die Aufarbeitung in einer zweisprachigen Ausgabe
*** für die Übersetzung (es gibt bessere)
*** für die Ausstattung (Kommentare, Erläuterungen etc.)
Fazit: Wer in den griechischen Originaltext schauen möchte, hat hier eine wirklich preisgünstige Möglichkeit. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn sich verschiedene Übersetzungen widersprechen. Primäre Zielgruppe dieser Ausgabe scheinen mir daher Philosophie-Studenten mit fundierten Griechischkenntnissen zu sein.