34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
il castrato femminile, 23. März 2007
*
INHALT:
Italien in der Renaissance
Giulia, elfjährige Tochter des Kapellmeisters Fassi ist seit ihrer Geburt mit einem aussergewöhnlichen Talent gesegnet: einer göttlichen Gesangsstimme!
Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als im Kirchenchor ihres Vaters mitzusingen. Jedoch ist es Frauen - bei Androhung höchster Strafen - untersagt, in der Öffentlichkeit zu singen.
Durch Zufall bietet sich Giulia dennoch eine einmalige Gelegenheit. Als nämlich ein Padre den pubertierenden Solo-Sänger Ludovico beim verbotenen Liebesspiel mit einem der Chorknaben erwischt und der Bursche daraufhin auch noch plötzlich in den Stimmbruch kommt, wird er seines Postens enthoben.
Giulia soll heimlich für ihn bei der Palestrina-Messe einspringen - als Junge verkleidet!
Ihr Auftritt wird ein voller Erfolg, so daß sogar der Abt ihrem Vater den Vorschlag unterbreitet, "ihn" kastrieren zu lassen, damit dessen wunderschöne Stimme erhalten bleibt.
Um nicht entdeckt zu werden, fliehen Fassi und seine Tochter aus der Stadt ... doch da keimt in dem alten Herrn die Idee auf, Giulia als Kastratensänger auftreten zu lassen - Giulio Casamonte ist fortan ihr Deckname!
Auf ihren vielen Reisen durch Italien, trifft sie wenige Jahre später, auf den jungen, etwas mittellosen Sänger und Komponisten Vincenzo ... und beginnt sich, langsam aber sicher, in ihn zu verlieben. Vincenzo bemerkt ebenfalls, daß er sich - zu seiner eigenen Bestürzung - sehr zu dem jungen Kastraten hingezogen fühlt.
Giulio Casamontes Stimmwunder macht ihn indes berühmt und verhilft Giulia zu einem kleinen Vermögen. Aber neben dem Glanz und Ruhm, muß sie ebenso auch Spott und Hohn - ihrer vermeintlichen Verstümmelung wegen - ertragen und ist zudem der immerwährenden Gefahr ausgesetzt, entdeckt und als Ketzerin verurteilt zu werden.
Doch noch ein - ihr nicht gerade wohlgesonnener - Mensch weiß über Giulias wahre Identität bescheid und setzt alles daran die heilige Inquisition auf das Mädchen anzusetzen!
REVIEW:
Nun, die Thematik "Frau verkleidet sich heimlich als Mann" ist zwar nicht gerade neu ... macht aber immer noch höllisch Spaß! ^_~
Wie`s scheint, hat sich die Autorin auf couragierte Heldinnen spezialisiert, welche sich alleine ( mit List und Tücke ) durch eine Welt schlagen müssen, in einer Zeit in der die Frauen gnadenlos unterdrückt wurden.
Dieses Thema scheint seit einigen Jahren stark im Kommen zu sein ( die Rebellin, die Kastellanin, die Pilgerin, die Päpstin, etc ... )
"Die Kastratin" ist ein historischer Roman, der einen interessanten Einblick in das Leben eines
( Möchtegern- ) Kastraten liefert und das zu einer Zeit in der sich Kastraten-Sänger noch in der Gesellschaft etablieren müssen ... plus einer Prise Romantik und zwei Prisen Erotik.
Die Autorin hat für diesen Roman gut recherchiert und somit auch viele historisch belegte Persönlichkeiten mit eingeflochten.
Die Landschaften, die nähere Umgebung oder die Kleidung der Menschen werden zwar nicht allzu ausschweifend beschrieben, aber dennoch ausreichend, um sich ein Bild des Renaissance-Italien machen zu können.
Frau Lorentz konzentriert sich aber hauptsächlich auf die Handlung und die Gefühle/Gedanken der Charaktere ( allen voran Giulia ).
Ungeschönt grausam werden auch die menschlichen Schwächen, insbesondere des damaligen Klerus aufgezeigt: Die Kirchendiener benutzen Giulia - genauso wie die weltlichen Mächte - für ihre eigene Ziele und rechtfertigen ihre Vorhaben mit dem Glauben an Gott ( verdeutlicht im folgenden Beispielzitat -> "Gebt dies Geld dem Vater des Knaben als Dank und gleichzeitig als Ansporn dafür, die Hoden seines Sohnes zum höheren Ruhme Gottes zu opfern!" o_o )
Viele Aspekte in dem Buch erscheinen nach heutigen Masstäben als grausam oder asozial, aber damals dachten die Menschen nun mal anders als heute ... und diese Denk- und Lebensweise kommt in dem Roman besonders gut rüber!
Ein witziger Einfall der Autorin ist das Auftreten der Figur des berühmten Galileo Galilei - hier noch ein kleiner Hosenscheißer! ^^ ( In dem Buch gibt es zwar keine Zeitangaben, aber anhand dessen und anderen Aspekten kann man sagen, daß die Story um 1565 spielen muß. )
FAZIT:
Ich kann "Die Kastratin" all jenen empfehlen, die gerne Geschichten über willensstarke Frauen, welche sich durch die männerdominierende Welt vergangener Epochen kämpfen, lesen möchten!
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schöner Roman, 23. Dezember 2004
Die größte Passion der kleinen Giulia Fassi ist das Singen - doch sie muss ihr Talent dafür verbergen, da es nach Ansichten des Italien ihrer Zeit Ketzerei und eine Beleidigung Gottes ist, wenn Frauen nicht nur einfache, für sie „geeignete" Lieder von sich geben. Durch Zufall muss sie, als Junge verkleidet, für den Solosänger des Kirchenchors ihrer Stadt auftreten. Doch nach überschwenglichem Lob wächst eine Idee im Kopfe ihres Vaters: Das Mädchen muss mit ihm zusammen nun als Kastrat Giulio Casamonte, der oftmals wegen seiner vermeintlichen Verstümmelung das Opfer von Verachtung und Beleidigungen werden wird, durch die Lande ziehen. Sie erreicht großen Ruhm und Reichtum, doch muss sie ständig in der Angst leben, als Frau erkannt und darauf als Hexe verbrannt zu werden. Umso schwieriger wird es natürlich, als sie sich verliebt...
„Die Kastratin" ist ein schönes, farbenfrohes und anschauliches Buch. Anfangs fiel es mir noch schwer, mich wirklich einzulesen, doch wurde dies immer leichter und die Spannung stieg. Auch wenn ich bereits den Roman „Die Goldhändlerin" der Autorin gelesen habe, schreckte mich die ähnliche Thematik nicht ab: Und ich wurde belohnt: Ein interessanter Roman, dessen fesselnde Stellen über eventuell etwas langgezogen Passagen hinwegtrösten!
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
keine "Wanderhure" - aber nicht minder gut, 2. September 2005
Nach der "Wanderhure" habe ich mich gleich auf "Die Kastratin" gestürzt. Denn die Erzähl- und Schreibweise von Iny Lorentz hat mich doch sehr auf jeder Seite in ihren Bann gezogen.
Diesmal hat mich die Grundgeschichte etwas an "Die Päpstin" erinnert, in der sich im Mittelalter ein Mädchen als Junge verkleidet und durch die Weltgeschichte zieht.
Interessant ist erzählt, was für Situationen die Kastratin in der Rolle eines Sängers meistern muss. Wie sie mit der Angst leben muss, jederzeit aufzufliegen... und sich dann auch noch in einen Mann verliebt.
Die Charaktere aller Protagonisten sind schön und detailliert beschrieben, ohne zu langweilen (was ja immer schnell passieren kann). Die Spannung der Abenteuer bleibt bis zur letzten Seite erhalten.
Vom Stil her keine "Wanderhure". Anders - aber ebenso gut!
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