Hatte schon sehnsüchtig auf den Nachfolgeband zu „Die Wanderhure" gewartet, es bei Amazon vorbestellt und auch sofort angefangen zu lesen, als der Postbote „Die Kastellanin" endlich brachte. M.E. ist der Nachfolgeband aber nicht ganz so gut gelungen wie „Die Wanderhure".
Iny Lorentz beschäftigt sich hier mit einem Teil der (deutschen) Geschichte, den ich vorher noch nicht wirklich wahrgenommen hatte: Mit den Hussitenkriegen um Böhmen. Es ist ihr gelungen, Geschichtliches in einen leicht, flüssig und spannend zu lesenden Roman zu verpacken. „Die Kastellanin" ist gespickt mit veritablen Schurken, leichten Mädchen, edlen und nicht so edlen Rittersleuten, kriegslüsternem Gesindel und friedliebenden Menschen. Wieder einmal eine eigentlich gelungene Mischung.
Aber: Lorentz hat von allem ein bisschen zu viel in die Geschichte um Marie und Michel gepackt: Z. B. sieht es zunächst so aus als ob die Schurken mit ihren Missetaten erfolgreich wären, aber natürlich straft sie Gottes Gerechtigkeit. Ich habe hier also genau das zu bemängeln, was schon einige bei „Die Wanderhure" zu kritisieren hatten: Marie (und hier auch ihre Familie) werden durch mehrere Intrigen von einem Unglück in das nächste gestürzt, überstehen alle Grausamkeiten & jedes Unrecht nahezu unbeschadet. Auch wenn Marie hier als Marketenderin während des Krieges unterwegs war, wurden für meinen Geschmack die Grausamkeiten während der kriegerischen Handlungen & Feldzüge etwas zu breitgetreten. Außerdem hat mich Maries Geschichte teilweise sehr an „Das Kreidekreuz" von Ulrike Schweikert erinnert, auch wenn es dort um andere kriegerische Auseinandersetzungen ging.
Fazit: Die Umsetzung des „Erfolgsrezeptes" hat beim zweiten Mal für mich nicht so gut hingehauen. Leider nicht ganz so gut wie „Die Wanderhure", aber lesenswert.