Neu kaufen

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Gebraucht kaufen
Gebraucht - Sehr gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 4,13

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
   
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 0,25 eintauschen?
Die Kassiererinnen
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die Kassiererinnen [Taschenbuch]

Wilhelm Genazino
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 8,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 3 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.

Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe EUR 16,00  
Taschenbuch EUR 8,95  
Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Die Kassiererinnen gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.

Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern.

Wird oft zusammen gekauft

Die Kassiererinnen + Die Ausschweifung: Roman + Ein Regenschirm für diesen Tag
Preis für alle drei: EUR 26,75

Verfügbarkeit und Versanddetails anzeigen

Die ausgewählten Artikel zusammen kaufen
  • Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Die Ausschweifung: Roman EUR 9,90

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Ein Regenschirm für diesen Tag EUR 7,90

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details


Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: rororo (1. Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499238489
  • ISBN-13: 978-3499238482
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 312.568 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Wilhelm Genazino
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Wilhelm Genazino auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen

Mit zärtlicher Gleichgültigkeit

Wilhelm Genazinos Roman «Die Kassiererinnen»

Wilhelm Genazinos Roman «Die Kassiererinnen» ist der Roman eines Flaneurs, der die Grossstadt nicht mehr begreifen, sondern nur noch sehen will. Ganz deutlich sind in ihm jene Markierungen eingezogen, die seinen Blick vom kulturpessimistischen Sehen der siebziger Jahre unterscheiden. Denn diese Jahre sind in Genazinos Roman «die früheren Jahre»; gegen ihren Deutungskult und ihren erklärten Weltekel tritt der neue Roman an, er sondiert das Terrain nicht nur durch seine hochaufmerksame Wahrnehmung, sondern auch zeitlich.

Der Ich-Erzähler, ein vagabundierender, an den Szenen seiner Umgebung aber doch anders als etwa Handkes solitäre Figuren mit «zärtlicher Gleichgültigkeit» durchaus teilnehmender Einzelgänger, blickt darin auf seinen früheren Deutungswahn zurück. Jetzt, bemerkt er, ist er ein anderer, einer, der den Menschen und Dingen ihr Eigenleben lassen will und dennoch nach einer Beziehung zu ihnen sucht.

Die Voraussetzung eines solch genauen, sich der Umgebung zuwendenden Sehens ist das Schrumpfen der Grossstadt auf ein überschaubares, kleines Terrain. Genazinos Erzähler benennt Strassen, Plätze, Geschäfte und Cafés wie dörfliche Zonen. Wir befinden uns mit ihm in einem ruhigen Frankfurt der kleinen Nachbarschaftsverhältnisse und der sich wiederholenden Tagesabläufe, wo auf vieles noch Verlass ist. Das Laute, Hypernervöse der Stadt ist beinahe vollständig ausgeblendet zugunsten eines geschlossenen Raums, in dem die Wahrnehmung ihre Exerzitien durchführt.

Aura der Undeutlichkeit

Die Gefahr solcher Reduktion wäre die Idylle. Genazinos Sehen vermeidet sie, indem er dem Wahrgenommenen seine Vertrautheit belässt, ihm aber die Aura der Undeutlichkeit gibt. Undeutlich sind die einzelnen Szenen und Bewegungen eben dadurch, dass sie von keinem einigenden Deutungsmuster zusammengebracht werden. Sie ereignen sich vor den Augen des Erzählers wie stumme Sequenzen eines schwach flackernden Films, zu dem der Erzähler meist nur die benennende Stimme beisteuert: «Ein flach über die Strasse fegender Wind trieb mit mir in die Stadt. Ein Inder im Freizeitanzug joggte vorüber. Ein am Boden sitzender Obdachloser umarmte seinen Hund . . .»

Solche Momente wären für den Erzähler «früher» ein Ausdruck gewesen: Anlass für «Weltbitternis», Langeweile, gereiztes Sich-Abkehren. «Jetzt, in den neunziger Jahren, bedeuten sie zunächst einmal nichts, sie repräsentieren nicht «die Verödung der Grossstadt», nicht «das zerfallende Leben», sie wollen vielmehr von der Wahrnehmung so lange gestreift und bearbeitet werden, bis sie eine von den Dingen ausgehende Verbindung zu ihnen hergestellt hat.

So ist der Flaneur Genazinos auch längst kein Nostalgiker mehr, der nach den letzten Residuen von Kultur ausschwärmt und sie gegen einen sich charakterlos ausbreitenden Stadtmoloch verteidigt. Sein Unternehmen hat überhaupt nichts mehr von einer Suche, es ist ebenso am Stillstand und am Warten orientiert wie die Umgebungen. Das könnte den Roman zu einem lethargischen Vorweisen von Einzelphänomenen machen, wären da nicht seine Figuren.

Genazino verankert seinen Erzähler in einer begrenzten Welt von Halbbekanntschaften, er zieht ihn dadurch aus der Phalanx all jener sehnsüchtigen und häufig narzisstischen Einzelgänger, die seit den siebziger Jahren der deutschen Literatur den Blick auf die Welt oft versperren. Denn Genazinos Flaneur ist zwar gern allein, aber doch nicht nur und vor allem niemals in einer irgend arroganten Manier. Sein eigentliches Erstaunen gilt den Tätigkeiten der Menschen, jenem Wuseln, Reden und im Sand verlaufenden Planen, das ihnen etwas Skurriles, aber auch Eigenständiges gibt.

Lächerliche Gestalten

Lauert im räumlichen Sehen dieses Romans die Idylle, so im Blick auf die Personen die sie abfertigende Satire. Genazino vermeidet sie und alles Karikierend-Possenhafte, indem er die Handlungen der Menschen als eine Arbeit am Alltag inszeniert. Die Figuren, die in seinem Roman so stolpernd, verdreht und doch unbeirrt ihrer Wege gehen, bauen doch unermüdlich am winzigen Raum ihrer Erkenntnisse und Einsichten. Sie schwanken zwischen Hingabe und Aufbäumen, und in diesem Aufbäumen wagen sie immer wieder, fast trotzig, den Blick herab auf die Dinge. Genau diese Spuren sichernde, detektivische Alltagssicht verleiht auch den lächerlichsten Gestalten etwas Würdevolles und stellt sie auf eine Stufe mit dem Erzähler, der sich schon dadurch unter sie einreiht, dass er sein ganzes Tun unter dem Leitbegriff des «Lächerlichen» sieht.

«Lächerlich» wird dieser Einzelgänger zunächst dadurch, dass er auffällt als einer, der manche Regeln und Zeremonien des Alltags nicht mehr souverän beherrscht. «Lächerlichkeit» hat in weiterem Sinn aber etwas mit dem Verlust der alten Deutungsmuster zu tun. Sie ist der Reflex darauf, dass neue Muster noch nicht vorhanden sind und die Erinnerung an die alten noch hemmend überwiegt. Oder, ausführlicher und genauer, in der Sprache Genazinos: «Lächerlichkeit entsteht, wenn jemand ohne Not eine Form aufgibt (auf der Strasse essen) und im Habitus eingesteht (Verlegenheit beim Kauen), das er dem Formverlust nachtrauert; und ausserdem durch sichtbares Erschauern einräumt, dass er nicht weiss, womit die eben entstandene Lücke künftig ausgefüllt werden soll.»

In diesem Sinn wird Genazinos Stadtrundgang zu einem an Montaigne geschulten Philosophieren über das Lächerliche. So entsteht ein kleiner Reigen von Figuren und Szenen, die wie Exempel oder Proben wirken, mit deren Hilfe das wahrnehmende Denken versucht, die Lächerlichkeit zu übertrumpfen: «Erstklassig lief wieder die Reflexion!»

Die Entspanntheit, mit der das geschieht, wird man vielleicht einmal als eine geschichtliche Signatur erkennen, die sich in den achtziger Jahren durchgesetzt hat. Damals hatte sie noch etwas von verlockender Unbekümmertheit, aber auch von oft leichtfertigem Zynismus. Genazino gibt ihr etwas Lustvolles, nicht gleich wieder um einen Stil oder eine Mode bemüht. Ihm gelingt es, von Finanzämtern, Krankenhäusern und Bushaltestellen so zu erzählen, dass ihr stumpfer Alltag nicht ausgeblendet wird und andererseits nicht dominiert. In Kleists Tagen hätte man seine Sicht vielleicht «graziös» genannt. Wir sagen statt dessen lieber, sie sei eine Art Heimkehr, im Alter, im irritierenden Frieden, angesichts des «blöden Todesgeraunes» . . .

Hanns-Josef Ortheil -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

„Ein wunderbares Buch“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Ein Mann durchstreift die Innenstadt von Frankfurt. Seine Frau hat er vor zwei Jahren verloren, und auch sonst scheint ihn wenig am ziellosen Wandern durch den Alltag zu hindern. An Imbissbuden, in der Postfiliale und der Straßenbahn nimmt er interessiert seine Umwelt auf, bis ihm mit einem Mal bewusst wird, dass auch er selbst Gegenstand der Beobachtung ist. Wie etwa durch die Kassiererinnen im Prezzoprezzo-Supermarkt, die über seinen Einkaufswagen kichern, in dem sich nichts als eine kleine Tafel Schokolade befindet. „Dieser Roman ist eine kleine literarische Sensation: Die Rückkehr des entgeisterten Blickes in die entgeisterten Metropolen der Republik.“ (Spiegel Kultur)

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 
(2)

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Nichts von Bedeutung geschieht in dem vorliegenden kleinen Buch, und doch ist keine einzige Seite langweilig zu lesen. Auf der „Flucht vor der eigenen Lächerlichkeit“ durchstreift der Protagonist die Straßen, die Supermärkte und Gartenfeste seiner Zeit und trifft dabei auf einen ganzen Kosmos von Belanglosigkeiten, die er durch die Art seiner Anschauung und Auffassung in blitzgescheite, amüsante Miniaturen verwandelt. Sei es das „Tschilpen der Wellensittiche“, „das Lebensgebrumm“ in den Kneipen, die erst noch ins Leben zu berufene „Zeitpunktforschung“, der „Leidbeobachter“ als neues berufliches Profil, Wandas großer weicher Busen als Peinlichkeitsimplus oder Furz in der U-Bahn aus „Ausdruck radikaler Einsamkeit“ - schier unerschöpflich sind die sprachschöpferischen und humoristischen Zugänge, die der Protagonist auf seiner Reise durch den modernen Alltag entdeckt. Das hat etwas ungemein Tröstliches – nicht nur, weil es unterhält und belehrt, sondern auch, weil es zwischen dem Leben und seinen Zudringlichkeiten einen katharsischen Spalt der Entspannung und Erheiterung schafft. Genazino Fans kennen das und sind ganz süchtig danach.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Genazino in Reinform 4. November 2005
Format:Taschenbuch
In seinem kleinen Roman "Die Kassiererinnen" offenbart sich der Erzähltil, mit dem Wilhelm Genazino berühmt wurde, meines Erachtens am deutlichsten. Wer einen Einstieg in Genazinos literarisches Werk und Stil sucht, kann mit diesem Roman beginnen, selbst, wenn es chronologisch gesehen nicht Genazinos erster ist.- Eine Handlung in dem Sinne gibt es nicht; es handelt sich hier vielmehr um ein Panoptikum von alltäglichen Situationen, die der Protagonist, dessen Namen und Beruf der Leser nicht erfährt, miterlebt und durch bewußtes Miterleben und bewußtes darüber-Reflektieren mit Sinn zu füllen versucht - ein häufiger, immer wieder neu dargestellter Inhalt bei Genazino. Genauso wie ein Panoptikum bzw. fast schon wie eine Art Kuriositätenkabinett wirken die anderen Personen, die in dem Buch immer wieder wie aus heiterem Himmel auftauchen und die der Protagonist alle persönlich kennt, obwohl sie alle so verschieden voneinander sind, z. B. der Hochstapler Wischinski, der Privatdozent Dr. Wolters oder die Kassiererinnen des Prezzoprezzo-Supermarktes. Es geht im Roman allerdings nicht nur um das Erleben von Alltag und die Beobachtung von Passanten, Gegenständen und Situationen (dem Äußeren), sondern dabei vor allem um den Aspekt der Lächerlichkeit, der der Protagonist sich ausgesetzt sieht (dem Inneren). Er fürchtet, die Banalität des Alltags mit seinen Gestalten und Situationen, die von ihm wahrgenommen wird (und bei der es letztlich fraglich ist, ob banale/lächerliche Geschehnisse überhaupt mit Sinn gefüllt werden können), könne sich auch durch sein eigenes banal-alltägliches Verhalten offenbaren - was andere zum Lachen reizen könnte bzw. reizt, so z. B. Verkäuferinnen in der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses, die ihn mit einem Einkaufswagen, worin nur eine Tafel Schokolade liegt, an der Kasse sehen. Im Zuge solchen Gedankengangs sucht der Protagonist nach verschiedenen "Definitionen" für Lächerlichkeit - und kommt am Ende des Roman zu dem Schluß, daß das ganze Alltagsleben eigentlich eine einzige Lächerlichkeit ist und man es demzufolge mit einem Augenzwinkern betrachten sollte - was ja nicht ganz falsch ist.- Insgesamt ein nettes kleines Buch über das, was uns alle umgibt und was man nach der Lektüre vielleicht mit anderen Augen sieht.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von F. Martin
Format:Taschenbuch
Das literarische Debüt ein Flop: Wilhelm Genazinos erster Roman „Laslinstraße" konnte 1965 weder Kritik noch Leser überzeugen. Erst knapp 12 Jahre später wurde der 1943 in Mannheim geborene Autor mit seiner grandiosen „Abschaffel"-Romantrilogie (1977-1979) einer breiteren literarischen Öffentlichkeit bekannt. Der eigentliche Durchbruch ließ noch Jahrzehnte auf sich warten. Erst mit der Besprechung seines im Jahre 2001 publizierten Romans „Ein Regenschirm für diesen Tag" im „Literarischen Quartett" (ZDF, 17. August 2001) begann der Aufstieg des Autors. Im Jahre 2004 bekam Wilhelm Genazino für seine Verdienste um die deutschsprachige Literatur den Georg-Büchner-Preis verliehen. Die „Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung" vergibt den Büchner-Preis alljährlich an Schriftsteller und Dichter, „die durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und an der Gestaltung des gegenwärtigen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben." Zu den bisherigen Preisträgern gehören u. a. Gottfried Benn, Heinrich Böll, Erich Kästner, Friedrich Dürrenmatt und Günter Grass.

Spätestens seit der Auszeichnung mit Deutschland renommiertesten Literaturpreis ist die Bedeutung von Wilhelm Genazino für den deutschen Literaturbetrieb unstrittig. Sein neuester Roman „Die Liebesblödigkeit" (2005) ein Geniestreich. Von Kritik und Lesern frenetisch gefeiert. Besondere Kennzeichen des Autors: eine ungekünstelte Sprache und eine messerscharfe Wahrnehmung des täglichen Wahns. Oder wie ein Kritiker lobte: „Genazino beherrscht die Kunst des Nebenbei, die die Hauptsache betrifft". Für den Autor selbst ist die Wirklichkeit „eine willkürliche Ansammlung von Fehlern - wie wir auch". Seine Protagonisten wissen um den ganz gewöhnlichen „Alltagsirrsinn". Mitunter wollen sie sich davon befreien. Wilhelm Genazinos Protagonisten „wissen, wie schwierig es ist, unabhängig zu sein - das heißt auch, unabhängig zu fühlen und zu denken -, aber sie versuchen es trotzdem mit einigem Erfolg", so der Autor. Sein im Jahre 1988 erschienene Roman „Die Kassiererinnen" erzählt unter anderem auch davon.

Zur Handlung: Ein Mann flaniert allein durch Frankfurts Innenstadt. Er wandert ziellos durch den Alltag. Seine Frau ist vor zwei Jahren gestorben. Seitdem beobachtet er seine Mitmenschen. Dabei nimmt er auch deren Gelächter gewahr, dass ihm gilt. Selbst die titelgebendenen Kassiererinnen des Prezzoprezzo-Supermarktes, deren Leben sich der Erzähler so gerne farbenfroh ausmalt, kichern über ihn. Das Gefühl der Lächerlichkeit bedrückt ihn. Er sinniert über die innere (man lacht über sich selbst) und äußere Form (man wird von anderen ausgelacht) der Lächerlichkeit. Daneben unterliegt der Ich-Erzähler immer häufiger dem Zwang, in banale Ereignisse Bedeutung zu interpretieren. Auch die Nebenfiguren wie beispielsweise Wanda, die nach ihrer Krankheit das Tanzen aufgeben muss, oder der Hochstapler Wischnewski, der doppelt soviel Begeisterung wie Talent für seine hochtrabende Pläne aufbringen kann, empfinden Scham ob ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit. Das Leben kann so schwer sein. Und geht trotzdem weiter.

Wilhelm Genazino, der selbstironische Betrachter des Großstadtmilieus, verkündet große Wahrheiten. Und als „Meister der kleinen Wahrnehmungen" liefert er in seinem Roman „Die Kassiererinnen" anregende Sätze wie diesen: „Aber es verstimmte mich, dass ich bis kurz vor meinem Tod in undurchschauten Situationen verfangen sein würde". Oder an anderer Stelle: „Wie großartig wir denken können und wie armselig wir leben müssen".

Am Ende des Romans liefert uns Wilhelm Genazino sogar noch einen Erklärungsansatz für sein Schreiben. Er lässt seinen Ich-Erzähler in Beobachtung einer Mutter mit ihrem spielenden Kind in einer Grünanlage schwadronieren: „So hatte ich es gerne: Ich hielt mich absichtslos draußen auf, ich sah eine Szene und empfand darüber überraschend den Drang nach ihrer Beschreibung, der ein Drang nach Unverlierbarkeit und späterer Bearbeitung des Unverlorenen war. Das heißt, so genau wusste ich die Gründe des Schreibens nicht. Es würde sein wie immer: Nur im Schreiben selbst steckte die Erlösung von Deutungen des Schreibens".

War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar


Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de