Wenn man dieses Buch zum ersten Mal aufschlägt, wird man von den Seiten erschlagen. In kleiner Schrift ist die gesamte Seite vollgedruckt. Beginnt man aber dann mit dem Lesen, stellt man die Detailliebe des Autors fest. Den Anfang macht ein Kapitel über die Vorbedingungen in Europa des 7. Jahrhunderts. Danach geht der Autor von Pippin, dem Mittleren (Kapitel 2) über Karl Martell (Kapitel 3) zu Karlmann und Pippin, dem Jüngeren (Kapitel 4). Somit gelangt der Autor zum ersten karolingischen König und dem Ende des merowingischen Schattenkönigtums. Im Kapitel 5 wird die Geschichte Karlmanns (Bruder Karls des Großen) und des berühmten Karolingers Karl, dem Großen erzählt. Kapitel 6 beschäftigt sich mit Ludwig dem Frommen und im folgenden Kapitel mit seinen Söhnen Ludwig dem Deutschen, Karl dem Kahlen, Pippin I. und Lothar I., wobei es bei diesen Kapiteln eine klare Überschneidung gibt, wegen den sehr ausführlich und verständlich beschriebenen Zwistigkeiten wegen der Veränderungen bei der sogenannten ordinatio imperii von 817. Trotz der verwirrenden Ereignisse der folgenden Jahre gelingt es Rudolf Schieffer weitgehend Klarheit in den nächsten Kapiteln (8 und 9) zu schaffen. So folgt die Generation Karlmann, Ludwig der Jüngere, Karl III und Ludwig der Stammler in den chaotischen Jahren von 877 bis 888. In Kapitel 9 wird das politische Leben Arnolfs und Karls des Einfältigen näher beleuchtet. Ab dem Kapitel 10 bis Kapitel 12 beschreibt Schieffer den Niedergang der Karolinger und gleichzeitig den Aufstieg der sogenannten Mittelmächte und der anderen mächtigen Familien im gesamten ehemaligen Frankenreich. Nach einem Quellen- und Literaturverzeichnis, welches jedem Geschichtsstudenten sehr entgegenkommt und ein wissenschaftliches Werk ausmacht, folgen verschiedene Stammtafeln. Diese bringen nochmals Klarheit in die Familienverhältnisse der Karolinger und begleiten die Lektüre sehr gut. Am Ende befindet sich ein Personenregister. Schade ist, dass es kein Orts- und Ereignissverzeichnis gibt. Wenn man solche Dinge wie den Vertrag von Verdun 843 sucht, dann muss man im Text selbst suchen, was ohne Vorwissen nicht möglich ist. Außerdem wird nicht auf die Persönlichkeit der einzelnen Karolinger eingegangen, was den Rahmen des Buches wahrscheinlich gesprengt hätte. Für jeden Historiker, Geschichtsstudenten und Mittelalterinteressierten ist dieses Buch unumgänglich. Es bietet eindeutig mehr als Grundwissen und ist trotzt der gewöhnungsbedürftigen Aufmachung angenehm zu lesen.