Nachdem die letzten Publikationen von David Baldacci meist nur Mittelmaß waren, bzw. teilweise richtig schlecht und uninspiriert, hat er mit seinem neusten Thriller "Die Kampagne" gezeigt, dass er mal zurecht zu den besten Spannungsautoren zählte. Dabei war es sicherlich ein kluger Schachzug, sich inhaltlich von den letzten beiden Romanreihen rund um den Camel-Club ("Die Wächter", "Die Sammler", "Die Spieler")einerseits bzw das Ermittlerduo Maxwell/King ("Im Bruchteil der Sekunde, "Mit jedem Schlag der Stunde", "Im Takt des Todes") andererseits zu lösen und einen vollkommen eigenständigen Plot zu wählen.
Im Zentrum von "Die Kampagne" steht der Plan des amerikanischen Rüstungsmoguls Nicolas Creel, mit Hilfe des Spezialisten im sogenannten Perzeptionmanagement (PM), Pender, die Welt zurück in die Zeiten des Kalten Krieges zu führen und zu einer nie da gewesenen Aufrüstung zu treiben. Bei allem Perfektionismus in seinem Handeln kommt er dem Agenten einer multinationalen Geheimdienstorganisation, A. Shaw und über diesen der herunter gekommenen Ex-Pullitzer-Preisträgerin Katie James ins Visier. Als dann noch Shaws Verlobte auf tragische Weise zum Spielball des Größenwahnsinnigen Creel wird, nimmt Shaw die Angelegenheit persönlich. Unterstützt durch seinen Chef Frank Wells versucht er gemeinsam mit Katie James den Drahtzieher der Verschwörung aufzuspüren und zu stellen.
An sich ist die Grundhandlung von "Die Kampagne" - einsamer Geheimdienstler versucht mit Hilfe von Antihelden die Welt vor der Katastrophe zu retten - nichts besonderes, sondern schon von unzähligen anderen Autoren auf mehr oder weniger gute Weise verarbeitet worden. Was Baldaccis Thriller aber abhebt und so faszinierend macht, ist das Spiel mit dem Gedanken, dass einflußreiche Einzeltäter schon heute in der Lage wären, ganze Regierungen zu ihren Gunsten zu manipulieren... und dass es Firmen, die sich dem Perzeptionsmanagement (also dem Erfinden und Schaffen von Fakten, um diese als Wahrheit ihrer Zielgruppe zu verkaufen) verschrieben haben, tatsächlich schon längst gibt.
Zudem findet Baldacci endlich wieder zu alter Stärke zurück, in dem er sich einer klaren, plakativen Sprache bedient, einen guten Spannungsaufbau schafft, ein hohes Spannungsniveau hält und einen furiosen Showdown hinlegt. Sicherlich sind seine Protagonisten etwas zu eindimensional geraten, doch das tut der Spannung keinen Abbruch. Ausserdem trägt er insgesamt etwas sehr dick auf und viele Details würden einer Realitätsprüfung nicht standhalten. Aber was soll's - es ist ein guter, kurzweiliger und hochspannender Thriller, den David Baldacci uns da vorgesetzt hat und da es sich um ein Taschenbuch handelt, passt das Preis-Leistungs-Verhältnis allemal.
Gemessen an seinen ersten Romanen wie "Absolut Power" oder "Die Versuchung" ist allerdings noch Potential geblieben, so dass ich "Die Kampagne" mit 4 Sternen bewerte. Der Kauf lohnt sich!