Kann eine spritzige Komödie mit einem Selbstmordversuch anfangen? -- Klar kann sie -- wenn das Drehbuch von I.A.L. Diamond stammt, Billy Wilders langjährigem Drehbuchschreiber.
Der Plot beginnt eigentlich einfach: Der Society-Zahnarzt Dr. Julian Winston (Walter Matthau) hat einen bewährten Trick, der zuverlässig verhindert, dass seine Freundinnen Heiratspläne entwickeln: Er macht ihnen einfach weis, er sei schon verheiratet. Das hat bislang immer wunderbar geklappt, doch jetzt kommt ihm das eigene Herz in die Quere: Seine neuste Errungenschaft, die blutjunge Schallplattenverkäuferin Toni Simmons (Goldie Hawn in ihrer ersten Rolle), hat's ihm so angetan, dass er sie tatsächlich heiraten will. Also erklärt er ihr, er werde sich scheiden lassen, seine Frau sei auch einverstanden. Nun wird Toni aber von Gewissensbissen geplagt: Sie will keine Ehe zerstören, und sie will Julians Frau kennenlernen -- sonst heiratet sie nicht. Also muss Dr. Winston schnell eine scheidungswillige Gattin aus dem Hut zaubern, und diese Rolle denkt er seiner treu ergebenen Sprechstundenhilfe Stephanie Dickinson (Ingrid Bergman) zu.
Nun nehmen die Ereignisse ihren Amoklauf, denn selbstverständlich läuft nichts so, wie Dr. Winston sich das vorstellt. Eine wichtige Rolle im sich alsbald entspinnenden Chaos spielen u.a. eine Nerzstola, ein angesagtes Szene-Lokal, Tonis literarisch ambitionierter Nachbar Igor Sullivan (Rick Lenz), Winstons ständig zahlungsunfähiger Dauerpatient Harvey Greenfield (Jack Weston), der seinerseits eine Dauerfehde mit Mrs. Dickinson führt, und Senor Arturo Sanchez, ein heißblütiger südamerikanischer Diplomat (Vito Scotti), der in heißer Liebe zu Mrs. Dickinson entbrannt ist ("There is something so provocative about a nurse in uniform. No frills. No adorments. Just the basic woman."). Und alles wird durchweht vom leichtfüßigen Esprit der späten 60er Jahre in New York... Vielleicht hätte ein Billy Wilder den Film noch etwas bissiger werden lassen, aber dieses "hätte" hat nichts zu sagen, und es mindert den Genuss keineswegs.
Das Durcheinander ist also perfekt; so perfekt, dass man nun beim besten Willen nicht weiter nacherzählen kann. "Die Kaktusblüte" wird zu Recht in der Tradition der Screwball-Komödien gesehen; der Film ist eine der witzigsten Komödien überhaupt. Dazu trägt nicht nur der immer aberwitzigere Haken schlagende Plot bei, der Dr. Winston immer wildere Ausflüchte abverlangt -- der Film glänzt auch durch Situationskomik vom feinsten (etwa eine bedröppelt dreinschauende Goldie Hawn im Minirock, mit einer Nerzstola behängt) und brillante Dialoge, die auch in der deutschen Synchronisation hervorragend rüberkommen.
Vor allem aber sind alle, wirklich alle Rollen glänzend besetzt: Walter Matthau überzeugt als eingefleischter Junggeselle mit Heiratsabsichten und schaut des öfteren ob der neuen Wendung der Ereignisse herrlich bedeppert in die Kamera; Ingrid Bergman zeigt hier komödiantisches Talent der Sonderklasse (man denke nur z.B. daran, wie sie im Szene-Lokal den neusten Modetanz, dem Dentist, vorstellt); und Goldie Hawn ist einfach zum Anbeißen, hinreißend naiv und aufrichtig von der ersten bis zur letzten Szene. Aber auch die vielen Nebenrollen sind perfekt besetzt: Vor allem Jack Weston als schmieriger Harvey Greenfield und Vito Scotti als immer frustrierterer Senor Sanchez brillieren, und das gilt auch für Rick Lenz als sarkastisch-vernünftigen lebensrettenden Igor Sullivan ("Sex is for teenagers"). Das gilt bis in die allerkleinste Nebenrolle: Die Besetzung ist so perfekt wie der ganze Film.