Edward John Moreton Drax Plunkett, der 18. Baron Dunsany, der in der Literatur als „Lord Dunsany" bekannt wurde, war eine schillernde Figur: der Nachfahre von „Räuberbaronen" besuchte die Eliteschule von Eton, später die Militärakademie Sandhurst, und war Soldat, Großwildjäger, Sportler, Schachmeister von Irland und Professor für englische Literatur an der Universität von Athen. Daß er nebenbei von 1905 bis 1950 an die 60 Bände mit Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichten und Dramen herausbrachte, und das mit einer Wortgewalt und einer derart bilderreichen Sprache, das macht ihn zu einem der Klassikerautoren des Fantasy-Genres.
„Die Königstochter von Elfenland" ist eines seiner bekanntesten Werke, und ein Roman um die Suche des Menschen nach den verlorenen Zaubern der Kindheit: Dunsany entführt den Leser in eine Welt voller Magie, weg von den „Gefilden, die wir kennen" bis hin zu dem mystischen Elfenreich, wo die Zeit keinen Einfluß hat, wo immer Frühling oder Sommer ist, dorthin, wo das Schloß des Elfenkönigs steht, „davon im Lied nur erzählt wird". Der junge Alveric gelangt also ins Elfenreich und die Tochter des Elfenkönigs verleibt sich in den jungen Helden, mit ihm verläßt sie die magischen Reiche. Doch in den irdenen Gefilden vermag sie schwer Fuß zu fassen, zu elfisch ist ihre Weltsicht, und so reist sie eines Tages wieder zurück, selbst ihren Sohn Orion zurücklassend. Der Elfenkönig verschleiert daraufhin die Elfenlande, denn Alveric macht sich auf die Suche nach den mystsichen Gefilden. In den nächsten Jahren wird Orion erwachsen und ein berühmter Jäger, während Alveric noch immer mit einer Schar verrückter Träumer auf der Suche nach Elfenland ist.
Soweit die kurze Inhaltsangabe. Was sich hier reichlich trivial anhört, wird jedoch von Dunsany in Worte gekleidet, die von einer phantastischen Fabulierkraft, einer spielerischen Umgang mit der Sprache zeugen, sodaß der Stil des Romans alsbald den Leser in Bann nimmt so wie die immergrünen Wiesen von Elfenland, darauf alldiemal leuchtet das Zwielicht und der Tau, umgeben von einer malvenblassen und rötlichen Herrlichkeit, davor unsere Sonnenuntergänge blaß werden... Dunsany erzählt von dem goldenen Schimmer, den die Staubteilchen im Sonnenlicht tanzen und von den sternenbeschienenen Lichtungen der Einhörner, vom Tanze der Irrlichter und von viel Zauberei mehr.
Der eigentliche Zauber aber ist es, daß der Leser gefesselt wird von dieser ausdrucksstarken Beschrei-bung und von den Wortkonstruktionen altertümlicher Begebenheiten - die Erinnerungen an Kindertage, da wo jeder Tag ein Wunder und die Zeit etwas Abstraktes war, werden auf wundersame Weise geweckt.
Großes Lob gebührt natürlich auch der gelungenen Übersetzung von Hans Wollschläger. Das Zitat auf der Buchrückseite „...man hält sich in den Sätzen auf wie in einem Zimmer, das eigentlich die Schatzkammer eines Märchenkönigs ist." trifft es eigentlich ganz genau.