Dieses Buch ist die Taschenbuchausgabe von "Majestät!" Das ist verwirrend, hoffentlich kauft nicht jemand aus Versehen beide Bücher.
Vorgestellt werden folgende Monarchien, die bis heute "überlebt" haben: Schweden, Großbritannien, die Niederlande, Japan und Spanien, leider fehlen Dänemark, Norwegen und Belgien. Knopp schildert die heutigen Monarchen und ihre Vorgeschichte, d. h. auch die Eltern und die politischen Verhältnisse, in denen sie aufgewachsen sind, werden
berücksichtigt.
Guido Knopp gelingt eine sehr faire Darstellung der Royals, indem er ihre guten und schlechten Seiten beleuchtet und Befürworter und Gegner zu Wort kommen läßt. Völlig recht hat z. B. Britta Lejon, eine schwedische Monarchie-Gegnerin, wenn sie feststellt, daß die jetzige Königsfamilie ihren Job gut macht und Victoria es als Königin ebenfalls
tun wird, aber: Es wäre ja ebensogut möglich, daß ein Unsympath Thronfolger ist, und was dann? Man stelle sich etwa einen Prinzen Ernst-August vor, der sich prügelt und öffentlich pinkelt. Ein schrecklicher Gedanke, so jemanden akzeptieren zu müssen und ihn auch noch mit Steuergeldern zu finanzieren. Allerdings: Unsere sogenannte Wahl des
Bundespräsidenten, die den Namen Wahl eigentlich nicht verdient, finde ich auch nicht wesentlich demokratischer.
Daß die Schweden Glück gehabt haben, vor allem mit dem "Export" Silvia, ist nur wenig umstritten.
Interessant die unterschiedlichen Kommentare über Maxima: Ein niederländischer Politiker wird zitiert, eine Frau mit solchem Vater dürfe nicht den Thronfolger heiraten - und eine argentinische Menschenrechtlerin erklärt: "Wir verurteilen Jorge Zorreguieta, aber nicht seine Tochter". Hut ab vor der letzteren, daß sie "Sippenhaft" für die Tochter ablehnt!
Wirklich spannend fand ich die Geschichte von Juan Carlos, dem "Ziehsohn" des Diktators, der den Weg in die Demokratie geebnet hat - wirklich beeindruckend, er hat wirklich etwas geleistet und ist nicht nur ein schmückendes Beiwerk.
Amüsant liest sich, wie nach dem Tod des Prinzen Bernhard nach der bereits "akzeptierten" unehelichen Tochter noch eine illegitime Tochter auftaucht - wieviele uneheliche Kinder er wohl wirklich hatte...?!
Die Briten können froh sein, daß ihre Queen noch fit ist (vielleicht wird sie ja ebenso alt wie ihre Mutter), denn ob Charles und Camilla gut ankommen würden, ist wohl eher zweifelhaft. Wenn der Thronfolger etwas Grips hat, verzichtet er zugunsten seines Sohnes William.
Die Schilderung des Lebens der japanischen Kaiserfamilie macht eine Gänsehaut - - ein völlig abgeschottetes Dasein fast ohne Kontakt zur Außenwelt. Hier wird klar, daß der japanische Kaiser anders als seine Kollegen in Europa eigentlich kein "richtiger" Monarch ist - also keine Repräsentationsfigur ohne Macht, dafür aber mit großem Unterhaltungswert - , sondern eher eine Art oberster Priester, der seinen göttlichen Status zwar offiziell abtreten mußte, aber von vielen Landsleuten bis heute als Heiliger verehrt wird. Daß eine moderne Karrierefrau wie Masako, die obendrein noch lange im Ausland gelebt hat, da nicht hineinpaßt, ist kein Wunder. Als das Buch erschienen ist, war das Kind ihrer "Rivalin" Kiko schon unterwegs, aber noch nicht geboren. Nun ist der Sohn da, und man kann wohl davon ausgehen, daß es eine Erleichterung für Masako ist, keinen Sohn mehr bekommen zu müssen. Interessant fand ich die Schilderung
des Kaisers Hirohito: keine sonderlich sympathische Figur, wenn man seine - sagen wir es mal dezent - Rolle im 2. Weltkrieg bedenkt, aber sehr wandlungsfähig: Er trat bereitwillig seinen Status als "Gott" ab, besuchte bald Amerika und Disneyland und war offenbar nur allzugern bereit, die unschöne Vergangenheit zu vergessen.