Ein wunderschönes Buch, das mich schon auf den ersten Seiten voll und ganz in die Welt der Orients eintauchen ließ. Die Autorin schafft es spielend den Leser, Landschaften, Gerüche und sogar Musik und Gesang zu übermitteln. Oft hatte ich den Duft von Rosenwasser und anderen Gewürzen in der Nase und die Klänge von Aribs Gesang im Ohr. So entrückte ich in eine geheimnisvolle Welt, lernte die Paläste der Kalifen und den Harem kennen, wanderte entlang der Seidenstraße, traf dort auf Karawanen und Seidenhändlern, Pilger und Nomaden.
Faszinierend ist auch die Geschichte von Arib, die als Mädchen beobachtet, wie ihre komplette Familie abgeschlachtet wird. Danach selbst auf der Flucht, immer den Atem ihres Todfeindes im Nacken. Eines Tages findet diese Jagd ein jähes Ende, Arib wird nach Bagdad in den Palast des Kalifen verschleppt. Dort erlebt sie ihre größte Erniedrigung, aber auch den glanzvollen Aufstieg zur gefeierten Sängerin und Kurtisane des Orients.
Inzwischen ist sie eine junge Frau, um ihr Leben ertragen zu können, verschreibt sie sich ganz den Gesang, die Reize ihres Körpers setzt sie ein, um all die mächtigen Männer zu betören. Denn sie verliert nie ihr Ziel aus den Augen: Rache!
Unglaublich gut sind auch alle Charaktere gezeichnet, auf der einen Seite Arib, die zur selbstbewussten Frau herangewachsen ist, auf der anderen Seite die Reichen und Mächtigen, die allen Sinnesfreuden zugetan sind. Egal, ob gutes Essen, Musik und Erotik, alles wird bis zur letzten Neige ausgekostet. Aber wir erleben auch einen weltoffenen Orient, der auch Toleranz gegen Andersgläubigen beweist. Spätestens hier, reibt man sich erstaunt die Augen, wenn man sich die Situation heute vergegenwärtigt, die von Intoleranz, Fanatismus und Prüderie geprägt ist.
Ein besonderer Clou sind auch die Originalkochrezepte aus dieser Zeit (zu finden am Ende des Buches), die Frau Imhof nachgekocht und leicht verändert hat, damit unser europäische Gaumen nicht gleich außer Rand und Band gerät. Aufgefallen ist mir, dass in der orientalischen Küche sehr viel Rosenwasser verarbeitet wird, wie immer das auch schmecken mag!
Zum Buch: Das Cover ist dezent gestaltet, was mir aber sehr gut gefällt. Es gibt ein Glossar, so kann man immer mal einen arabischen Begriff nachschlagen. In einem Nachwort gibt die Autorin noch so einiges über Arib preis. So hat die Dame ein wahrhaft biblisches Alter für die damalige Zeit erreicht, sie wurde 90 Jahre alt, und soll mit mehr als 9 Kalifen geschlafen haben. Was für ein Werdegang! Nicht minder interessant ist, dass sie sich wohl auch ihre Selbstständigkeit bewahrt hat und auch ihre eigenen Wege ging.
Fazit: Ein tolles Buch, das sich wahrlich wie ein Märchen aus tausendundeine Nacht liest. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Der einzige Wermutstropfen, es gibt keine Karte, zu gerne hätte ich Aribs Wege entlang der Seidenstraße nachvollzogen.