Das Buch wurde gerade sehr günstig angeboten, also habe ich es dazugekauft. Mein Glück, denn für gutes Geld hätte ich mich richtg aufgeregt.
Es handelt von Reisenden aus Indien, die im 14ten Jahrhundert England besuchen, soweit der Klappentext, etwas anderes passiert auch nicht.
Der Autor wollte gerne einen Blick auf England durch die Augen eines Fremden werfen. Da hätte sich natürlich auch ein Aufsatz angeboten, denn für einen Roman sollte man zumindest irgendwetwas das sich "Spannungsbogen" nennt.
Den sucht man allerdings vergebens!
Zu Erklärung: ACHTUNG SPOILER
Zunächst will einmal ein Grund gefunden werden, warum diese Inder nach England reisen. Der ist auch schnell bei der Hand. Der Bruder eines indischen Prinzen ist dorthingezogen, nachdem sich die beiden wegen einer Frau überworfen haben. Was hier wie eine Zusammenfassung durch mich klingt, nimmt im Roman auch nicht deutlich mehr Platz ein (ich würde schätzen eine Seite, aber es mögen auch zwei sein).
Nun hat man eine hahnebüchene Truppe aus Indien nach England verfrachtet (Eine indische Nymphomanin, ein entstellter fahrender Händler, ein Prinz Prinz mit Diener. Mann sollte sich von dieser spaßigen Zusammensetzung nicht täuschen lassen, denn die Charaktere sind nicht gegenstand des Romanes und entwickelen sich auch nicht. Es geht dem Autor um etwas anderes, nämlich ums daherschwadronieren und pseudolehrreich sein)
Jetzt wird man mal so richtig vom Leder gezogen. Da wird nichts ausgelassen worüber es zu mäkeln gäbe, das Wetter, das Essen, die Hygiene, die Religion, die Geisteshaltung im Allgemeinen...
Auch das könnte noch eingermaßen witzig sein, wenn die Haltung der Charaktere etwas mit Indern aus dieser Epoche zu tun hätte. Hat es aber nicht, man hat vielmehr den Eindruck sie wären alle dem Geist der westlichen Aufklärung entsprungen und vertreten Haltungen, die wohl erst 1968 so richtig aktuell wurden (Sicher nicht schlecht, aber wozu dann die Inder? Wie gesagt Ein Aufsatz mit dem Titel: "Jetzt sag ich euch mal wie die Welt funktioniert, und warum die abendländische Kultur total zum Kotzen ist" hätte es auch getan. Da muß man keinen Roman schreiben, oder wenn doch dann bitte eben zu diesem Thema direkt. Das wäre zumindest ehrlicher gewesen ;-)).
Ausßerdem kann man die Ramenhandlung so richtig schön über Bord kippen, und ergeht sich statt dessen in philosophischen Diskursen und epischen Beschreibungen der Schlachten der Rosenkriege.
Alles in allem, ist der Roman meines Erachtens eine bunte Mischung von allem, was an sich von Interesse sein mag, jedoch in dieser Zusammenstellung so überhaupt nicht passen will. Es spottet dem Wort "stimmig" in jeder Hinsicht . Nicht, dass der Autor nicht mit vielem Recht haben mag, aber bitte nicht so verpackt.
Ich gebe zwei von fünf Sternen, weil das Buch so billig war, ich selbst zu dumm oder stur es einfach wegzulegen und weil noch Platz nach unten sein muss, falls der Autor sich zu einer Fortsetzung entschließt.