Was bisher geschah!?
Nichts!
Der neue Mieter von nebenan ist ein Känguru. An sich nichts ungewöhnliches wie man findet. Der Nachbarin von ganz unten macht es eher nervös das der Islam sich in Deutschland breit macht und wenn man sie genau anschaut sieht man einen kleinen Flaum auf ihrer Oberlippe. (Autsch, die Erste)
Das Känguru ist nun unmittelbarer Nachbar von Marc-Uwe, einem Kleinkünstler (aber er möchte bitte nicht so genannt werden). Zuerst borgt sich der neue Nachbar nur Eier, Salz und Mehl. Dann fehlt zu allerletzt der Herd und die Füllung für die Eierkuchen. Marc-Uwe lässt ihn also in seine Wohnung und springt derweilen schnell mal zum Metzger.
Irgendwann wohnt das Känguru, welches Schnaps-Pralinen süchtig ist und Aschenbecher mitgehen lässt, dann auch bei Marc-Uwe. Denn schließlich ist so der Weg zum Kühlschrank kürzer.
Sie verbringen von nun an viel Zeit miteinander, gehen zusammen zu Demos, die sie sich vom Caféhaus-Fenster anschauen, natürlich ist hier der beste Platz am Fenster schon vorreserviert. Sinnieren über das Leben, teilen sich einen Joint und schwafeln mit einem kommunistischen Geist. Mit dabei hat das Känguru immer seine roten Boxhandschuhe, welche er in seinem Beutel trägt und mit denen er Marc-Uwe aus so manch brenzliger Situation gerettet hat. Vielleicht sollte man anmerken, dass der Chronist gar nicht erst in diese brenzligen Situationen gekommen wäre ohne dieses Känguru.
Die Ideen, die die beiden aushecken sind meist skurril und aberwitzig, dennoch absolut real und nachvollziehbar.
Ein Szene, die typisch für das Känguru ist:
Warum es keinen Führerschein hat?
(Auszug)
"Was?", frage ich.
"Ich habe meinen Führerschein abgebrochen, weil ich rechts vor links nicht akzeptieren wollte."
"Wie?"
"Warum rechts vor links? Warum nicht links vor rechts?
Sogar in Australien gibt's links vor rechts und das Heimatland meiner Vorfahren kann sich sonst nicht gerade einer sehr fortschrittlichen Politik rühmen." (Ende)
Die Chroniken, eine geschichtliche Prosa-darstellung in zeitlicher Reihenfolge. Der rote Faden, der sich durch diese Buch zieht ist die Alltagsironie.
Zum Beispiel, wie unwichtige Nachrichten wichtiges Wissen aus unseren Köpfen verdrängt. Wenn man das Buch liest, sollte man dies beim ersten mal unbedingt der Reihe nach machen, da einige Kapitel auf vorhergehende aufbauen. Die Kapitel sind nie mehr als 4 Seiten lang und somit hat man immer etwas für den kleinen Genuss zwischendurch.
Fazit:
Ein Buch in dessen Handlung sich Tiefgang versteckt, man muss sich nur etwas bemühen um die versteckten Botschaften zu erkennen. Zum Beispiel wie lachhaft uns manchmal unser Leben erscheint und welchen Konventionen wir erlegen sind.
Marc-Uwe Kling nimmt mit Wortwitz Wirtschaft, Politik und Gesellschaft (Klingeltonanbieter, Marktforscher, Psychologen, Ikea, Talkshows) und vieles mehr auf sprachlich hohem Niveau auf die Schippe. Dies schafft er indem er das Känguru als Sprachrohr benutzt.
Ein Auszug:
"Kannst du heute mal bezahlen?", fragt das Känguru nach dem Essen. "Heute?" frage ich. "Mal?", frage ich. "Ich muss immer bezahlen, weil du nie Geld mitnimmst."
"Tja", sagte das Känguru lächelnd. "So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld."
Der Wortwitz wird durch wenige kleine Fußnoten gespickt, diese kommen je nach Kapitel vom Chronisten Kling oder vom Känguru. Und wenn es passend ist kann man am Ende eines Kapitels auch Auszüge aus dem Buch des Kängurus finden - "Opportunismus-Repression". In machen Kapiteln finden sich auch kleine, völlig sinnlose, aber sehr witzige Gedichte.